Der neue Mann im Visselhöveder Wasserturm, Frank Kalff, im Interview

„Kunst braucht immer einen Ort“

Frank Kalff hält im Wasserturm die künstlerischen Fäden in der Hand. Sonntag startet die erste Ausstellung unter seiner Ägide. - Foto: mro

Visselhövede - Von Matthias Röhrs. Nein, der neue „Turmwächter“ sei er nicht. Frank Kalff sträubt sich gegen diesen Titel, obwohl er jetzt das künstlerische Heft im alten Wasserturm auf dem Visselhöveder Sonnentau-Gelände in der Hand hält. Im Frühjahr hatte der ehemalige Journalist und heutige Lehramtsstudent dieses Ehrenamt vom alten „Turmwächter“ Manfred Reichert übernommen, nachdem dieser wenige Monate zuvor aufgehört hatte.

Am Sonntag startet mit einer Schau des Wittorfer Fotoclubs „Blende 8“ die erste Ausstellung unter der Ägide des Nindorfers. Wir haben uns mit ihm über seinen Start und seine Pläne unterhalten.

Herr Kalff, seit Frühjahr haben Sie die Fäden im Wasserturm in der Hand. Wie verlief Ihr Einstand?

Frank Kalff: Der verlief relativ schwierig. Es gab zwar eine Liste mit interessierten Künstlern, doch manche sind wegen des neuen Konzepts abgesprungen. Früher war mit Manfred Reichert immer einer in der Nähe, doch jetzt muss jeder Künstler dafür sorgen, dass an den Ausstellungstagen jemand vor Ort ist. Dafür kriegt er kostenlos alles zur Verfügung gestellt. Und da haben es sich einige kurzfristig nochmal überlegt und eine fast sicher geglaubte Ausstellung abgesagt.

Was sind eigentlich Ihre Aufgaben?

Kalff: Ich koordiniere und spreche die Leute an, die Kunst machen und gerne ausstellen wollen. Danach bin ich eigentlich mehr im Hintergrund, die Schnittstelle zwischen dem Künstler und der Stadt – der der Turm ja gehört. Ansonsten werde ich auch die eine oder andere Idee gegenüber der Stadt ins Spiel bringen und entwickeln, oder ich gebe Hilfestellungen.

Was haben Sie als Erstes angepackt?

Kalff: Zunächst habe ich alles gesichtet und geguckt, was passen könnte – es ist ja schließlich ein außergewöhnlicher Ort. Man muss sich halt erstmal finden und orientieren.

Welche Veränderungen gab es, seit Sie den Wasserturm betreuen?

Kalff: Wir haben die Hohe-Heide-Galerie in der ehemaligen Metallwerkstatt direkt neben dem Turm untergebracht. Diese hat die Stadt entsprechend hergerichtet, neu gestrichen und Lichter angebracht. Ich finde das gut, dass das jetzt direkt zu Füßen des Turms ist, es ist jetzt alles dicht zusammen.

Als was betrachten Sie den Wasserturm?

Kalff: Ich finde, dass ist einfach ein Ort, der Leuten zur Verfügung steht, die mit ihrer Kunst nach außen gehen wollen. Kunst braucht immer einen Ort.

Haben Sie schon Pläne, wohin sich der Wasserturm entwickeln soll?

Kalff: Wir wollen beispielsweise das Tagungshotel nebenan mehr einbinden. Das ist eine Idee aus dem Rathaus und vom Hotel selbst. Wenn die Gruppen zu Gast haben, dann können diese ja auch Mal eine Ausstellung besichtigen.

Nun sagen Sie von sich selber, Sie hätten keine Erfahrung in der Kunstszene. Inwieweit hat das Einfluss auf Ihre Arbeit?

Kalff: Ich sehe darin eigentlich einen besonderen Reiz, gerade weil ich nicht aus der Szene komme. Sonst hätte ich mich ja auch nicht bereit erklärt, mich für den Wasserturm zu engagieren. Ich habe ja in meiner bisherigen journalistischen Laufbahn immer gerne über Kunst geschrieben und nie Angst vor komplexeren Themen gehabt. Durch die Presse- und Öffentlichkeitsarbeit habe ich also schon Erfahrungen sammeln können. Außerdem bin ich ja nicht alleine, die Stadtverwaltung unterstützt mich ja auch.

Haben Sie sich eigentlich mal mit dem ehemaligen Turmwächter, Manfred „Willi“ Reichert, ausgetauscht?

Kalff: Nachdem ich mich im Winter dem Kulturausschuss vorgestellt habe, haben wir nochmal miteinander gesprochen. Aber danach nicht mehr.

Sie studieren nebenbei in Oldenburg Germanistik und Sachkunde auf Lehramt. Haben Sie überhaupt genug Zeit für beides – Studium und Kunst im Wasserturm?

Kalff: Man muss da schon aufpassen, dass man seine Prioritäten setzt. Jetzt ist zwar gerade vorlesungsfreie Zeit, aber das heißt nicht, dass ich Ferien habe. Ich habe ja von vornherein gesagt, dass ich nicht alle fünf Minuten greifbar bin, wie es Manfred Reichert früher war. Und wir haben uns ja in Abstimmung mit der Stadt zu einem Konzept durchgerungen, wo der Künstler einfach mehr Eigenverantwortlichkeit trägt.

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