Pantomime Joseph Collard verzaubert mit Poesie und Interaktion

Klassiker mit und ohne Worte

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Collard verstand es, das Publikum in seine Show einzubeziehen – wie hier bei der gemeinsamen Busfahrt. 

Visselhövede - Was für ein Auftakt für den Visselhöveder Kultursommer Leuchtfeuer: Ein ausverkauftes Zirkuszelt mit bestgelauntem Publikum unterm Vollmond und ein Künstler, der alle Register klassischer Pantomime zog.

Mit Joseph Collard hatten sich die Kulturschaffenden um Andreas Goehrt, der den belgischen „Cirque du Soleil“-Akteur seit langem kennt, einen klassischen Kulturakt ins Theaterzelt geholt: Pantomime mal ohne Worte, mal mit lautmalerischem Gebrabbel, eindrucksvolle Mimik und Körperbeherrschung – das war so ganz nach dem Geschmack des begeisterungsfähigen Publikums. Als Collard in seinem Rückblick „Mein Leben als Pantomime“ sich in nullkommanichts von der Mama in den tattergreisen Opa oder ein Baby verwandelte, hatte er die Zuschauer sofort hinter sich – fast unaufgefordert lippensynchronisierten sie seine Gesten, stimmten ein Schlaflied für das virtuelle Baby an oder ließen sich bei eigenen ersten pantomimischen Übungen gern vom strengen russischen Lehrer maßregeln wie früher der junge Collard. Dabei drehte der Mime in den eineinhalb Stunden seines Soloauftritts ordentlich an der Humorschraube. Nahmen sich die ersten Nummern zuweilen recht albern aus – wobei Running Gags immer wieder für Lacher sorgten, und ja: Die Besoffenen-Nummer erinnerte gestisch arg an Freddy Frinton in „Dinner for One“ – entwickelten sich seine Geschichten immer phantasievoller. Als er nach wilder Verfolgungsjagd mit der Polizei wegen Trunkenheit am Steuer im Gefängnis landet, werden die Gitterstäbe unversehens von Harfensaiten zum Affenkäfig. Und auch die „Klassiker“, etwa das Verschwinden hinter einem schwarzen Tuch, als ginge er eine Treppe hinab, entwickelt sich dank spontaner Zuschauer zur grandiosen Mitmachnummer.

Den Olymp der immer wieder beschworenen Imagination erreicht Collard mit seiner letzten und stärksten Nummer. Musikalisch begleitet mutiert der Scheibenwischer in fließenden Übergängen zum Dirigenten, Geiger, Bettler, Jongleur und wieder zurück – das ist Poesie pur.

Kein Wunder, dass das Publikum sich schwer tat, den Pantomimen zu entlassen. Da half nur der virtuelle Bus, mit dem Collard die Zuschauer liebevoll, aber entschieden zum Ausgang des Zeltes geleitete.

Start des "Visselsommers"

Nicht nur Goehrt freute sich über die erneute Zusammenarbeit der drei Visseler Kultureinrichtungen Theater Metronom, Kultur- und Heimatverein sowie „EigenArt“-Kultur. „Jeder Verein allein hätte sich Künstler eines solchen Kalibers gar nicht leisten können“, so der Metronom-Mann zum Konzept, dem Kultursommer-Publikum gemeinsam alle drei Jahre hochwertige internationale Acts zu präsentieren. 

hey

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