Theaterherbst im Metronom startet Freitag mit der Premiere von „Meeresrauschen“

Fast wie „Casablanca Reloaded“

Szene aus dem Stück „Meeresrauschen“, das am Freitag in Hütthof Prmiere feiert. - Foto: Heyne

Hütthof - Probenbesuch im Theater Metronom knapp vor der Premiere von „Meeresruschen“. Im Theater Kneipenfeeling statt Bühne; vor dem Tresen prostet man sich mit Schnaps zu, dahinter stapeln sich Holzkisten und Weinflaschen, ein Mann sitzt am Klavier. Doch Gemütlichkeit will sich in der laut Andreas Goehrt „bewusst zeit- und räumlich nicht verorteten Spelunke“ von Livia nicht einstellen, wo das Stück angesiedelt ist. Kein Wunder, trifft dort doch eine spezielle Gruppe an Menschen aufeinander, die – von der Barfrau über den Pianisten bis zum Kapitän – eins gemeinsam haben: Sie profitieren vom Geschäft der Flüchtlingsschlepperei. Gerade skandiert Wirtin Livia alias Karin Schrodeer marktschreierisch zu „Über den Wolken“ vom Harmonium: „Die Überfahrt Ihrer Träume, Ratenzahlung und falsche Identität all inclusive!“, um dann aus der Rolle zu fallen: „Ich kann das nicht!“

Die Perfidität der Menschenhändler, für die Flüchtlinge eine praktischere Ware sind als Kokain: „Wenn die Ladung untergeht kümmert es keinen“ – diese nach einem Zeitungsinterview entstandene Szene ist harter Tobak.

„Wir wollten uns der Problematik der Flüchtlinge unter einem ganz speziellen Blickwinkel nähern“, erklärt Andreas Goehrt in einer Probenpause.

Konkret ist dies bei dem von den vier Schauspielern und Regisseur Gero Vierhuff selbst entwickelten Stück die Perspektive der Schlepper: „Was sind ihre Beweggründe, ihre Nöte?“

So wie die des Kapitäns, der in das schmutzige Geschäft einfach so reingerutscht ist oder dem Pianisten, der wie so viele von einem besseren Leben träumt. Für Jannis Kaffka ist die Doppelfunktion als Schauspieler und Musiker besonders reizvoll: „Dicht an der Szene zu sein, die Musik eng mit dem Stück zu verknüpfen und zu entscheiden, in welche Richtung ich die Schauspieler bringen kann, ist eine Herausforderung.“ Das gilt auch für die einjährige Entwicklung des Stücks „Wellenrauschen“. Der Projektidee folgten Materialrecherche, erste Proben, ein „Spelunkengrillabend“, wie die damals noch namenlosen Charaktere hießen, erinnert sich Karin Schroeder.

„Ein starkes Stück Arbeit“, weiß Erwing Rau, der auf der Bühne den Bösewicht gibt, schließlich galt es, die aus den Improvisationen entstandenen Impulse in ein Stück zu gießen – für Regisseur Vierhuff „eine spannende Aufgabe, Menschen, die sich nicht kennen, zusammen zu bringen und gemeinsam eine Dramaturgie zu erarbeiten.“

Einig sind sich alle, dass das Thema „Flüchtlinge“ auf die Bühne gehört: „Es ist Aufgabe von Theatern wie diesem, sich mit gesellschaftlichen Themen auseinander zu setzen“, findet Schauspieler Thorsten Neelmeyer, und Goehrt ergänzt: „Es ist ja nicht das erste Mal, dass wir gesellschaftliche Problematiken thematisieren, wie bei ‚Oskar und die Dame in Rosa‘ oder der ‚Zirkusreiterin‘. Allerdings gehe es um mehr als um Flüchtlinge: „Ich würde das Stück fast als ‚Casablanca Reloaded‘ ansehen“, so Goehrt.

Das Stück „Meeresrauschen“ ist am Freitag und Samstag sowie am 23. und 24 September jeweils ab 20.30 Uhr zu sehen. - hey

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