Kultursommer mit Musik, Unterhaltung und viel Gemeinsinn beendet

Blick über den Tellerrand

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Junge Afghanen und Somalis arbeiten an einem integrativen Musikprojekt in einer Visselhöveder Jugendhilfeeinrichtung.

Visselhövede - Von Jens Wieters. Wie fühlen sich Menschen, die aus fremden Ländern in Visselhövede ankommen? Was bewegt sie, was macht sie traurig, was freut sie? Und wie begegnen die Einheimischen den Fremden? Einige Antworten auf diese und weitere Fragen wurden am Sonntag beim Kulturfrühstück zum Abschluss des Kultursommers gegeben, das unter dem Motto „die Welt hinter dem Tellerrand“ stand und einen bunten Mix aus Musik und Diskussion bot.

Und eines gleich vorweg: In Visselhövede wird von Integration nicht nur geredet, sondern praktisch vorgelebt, wie viele Interviewgäste der Moderatorin Antje Diller-Wolff anhand von Beispielen dokumentierten.

So berichtete Diswar Yildiz, dessen Eltern 1988 ohne ein Wort Deutsch zu können ins Land kamen, von seinem Weg, den er in Visselhövede gemacht hat. „Es war am Anfang sehr schwer, aber alles ist möglich, wenn man es will. Ich glaube, dass Integration im ländlichen Bereich besser funktioniert, aber auch die Fremden müssen sich der neuen Kultur anpassen“, so der 21-Jährige, der als kleiner Junge im Kindergarten Fabula betreut wurde.

Dort arbeitet damals wie heute Heike Netter, die „jetzt bei der Arbeit mit Flüchtlingskindern auch schon mal googeln kann“, um sich auf die Integration vorzubereiten. „Damals haben wir vieles aus dem Bauch heraus gemacht. Unser Motto heute ist aber einfach: Lasst die Kinder machen, dann funktioniert die Integration wie von selbst.“

Dass das Kennenlernen auch über die Musik sehr gut klappt, demonstrierten sieben minderjährige Flüchtlinge aus Afghanistan, die Ende 2015 über die Balkanroute gekommen waren und jetzt in den Kinder- und Jugendwohngruppen Visselhövede ebenso untergebracht sind wie zwei junge Somalis. Alle sind zwischen 15 und 17 Jahre alt und präsentierten bei ihrem Auftritt Auszüge ihres Musikprojekts, das von Grigor Dobrev geleitet wird. Der ist Gitarrist bei der Oldieband Backstage aus Visselhövede.

Moderatorin Antje Diller-Wolff befragt Miad Pedramkhou zu seiner Idee „100 Bäume für Visselhövede“. - Fotos: Wieters

Miad Pedramkhou, der vor sechs Monaten aus dem Iran nach Visselhövede und zunächst in der ehemaligen Kaserne unterkam, hatte sich die Idee „100 Bäume für Visselhövede“ überlegt. „Weil wir Flüchtlinge der Stadt für ihre tolle Willkommenskultur auch etwas zurückgeben sollten.“ So wird demnächst als erster Baum eine Linde den Baumbestand Visselhövedes vergrößern. „Weitere folgen hoffentlich“, so Pedramkhou, der das Interview auf Deutsch führte.

Aber Sprachbarrieren waren gestern überhaupt kein Problem bei dem gut 130 Köpfe zählendem Publikum. Und wenn doch, wurde mit Händen und Füßen, auf Englisch oder mit dem Chorleitern Marc Puschmann auf Hebräisch der Wunsch nach Frieden auf dieser Welt besungen. „Den Visselhövedern ist es prima gelungen, weit über den eigenen Tellerrand hinaus zu blicken“, wie es ein Besucher formulierte. Sicher auch durch das bunte Musikprogramm mit brasilianischen Samba-Rhythmen, Ukulelen-Stimmung aus Hawaii, Beethoven vom Visselhöveder Train of Musik, flotten Waisen von der Blaskapelle Brockel, dem Fabula-Kinderchor, der Mittelalter-Formation „Not unde Ellende“ und auch dem Lokal-Hero Tom Kirk.

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