„2 000 Kilo Kohlendioxid gespart“

Visselhöveder Christian Hintze ist seit einem Jahr mit einem Elektroauto unterwegs

Christian Hintze ist rundum glücklich mit seinem BMW i3. - Foto: Wieters

Visselhövede - Von Jens Wieters. Trotz der Werbung im Fernsehen und trotz üppiger Zuschüsse von Herstellern und der Bundesregierung geht es in Deutschland mit der Umstellung auf Elektromobilität nicht so recht voran. Auch im Altkreis Rotenburg hängen die Autofahrer an ihren Benzin- und Dieselkutschen. Und das obwohl die wenigsten bisher je in einem Elektroauto gesessen haben oder es gar gefahren sind. Das ist bei Christian Hintze ganz anders. Der Visselhöveder ist seit fast eineinhalb Jahren mit einem BMW i3 unterwegs. Wir befragten ihn nach seinen Erlebnissen.

Herr Hintze, Hand aufs Herz: Wie oft haben sie im Winter schon im Auto gefroren, weil die Heizung zu viel Strom verbrauchen würde?

Christian Hintze: Glücklicherweise nicht einmal. Die Heizung und vor allem die Sitzheizung ist super schnell und reagiert sofort. Dennoch wird dadurch der Radius eingeschränkt. Mit den Freunden weiter weg hat man als E-Auto-Fahrer im Winter also mehr telefonischen Kontakt.

Wie lange fahren sie schon elektrisch?

Hintze: Das Auto wurde im Juni 2015 geliefert. Wir fahren damit monatlich rund 1 000 Kilometer, vor allem die kurzen Strecken, bei denen ansonsten der normale Verbrennungsmotor gar nicht warm wird. Die weiteren Strecken sind dann im Radius Rotenburg, Verden, Walsrode und Soltau zu sehen.

Gab es schon Probleme technischer Art?

Hintze: Wir hatten einmal ein kostenloses Service-Update. Seitdem wird der Ladestand der Batterie nicht nur in Kilometern, sondern auch in Prozent im Display angezeigt. Dafür musste ich allerdings zum speziellen BMW i-Händler nach Hannover fahren. Dort gab es einen kostenlosen Elektro-Ersatzwagen, sodass ich die Zeit sogar beruflich nutzen konnte. Mein Auto bekam ich dann kostenlos aufgetankt wieder zurück.

Die Servicearbeiten sind sicher günstig, da Ölwechsel, Auspuff und Co. wegfallen, oder?

Hintze: Die Servicearbeiten entfallen, da Flüssigkeiten nicht vorhanden sind. Nach zwei Jahren werden die Bremsen kontrolliert und meistens nur entrostet, da das Auto bei „Gaswegnahme“ automatisch bremst und die Batterie auflädt. Somit lernt man schnell, das Bremspedal wenig zu benutzen.

Inwieweit stimmen die Reichweitenangaben des Herstellers mit der Realität überein?

Hintze: Das hängt extrem vom Gasfuß ab. Noch mehr als bei einem konventionellen Auto. Wir nutzen die Energiesparprogramme aber nicht, die die Reichweite verlängern, dafür aber die Leistung erheblich reduzieren. Wenn man sehr vorausschauend fährt, kann man sogar im Normalprogramm die Herstellerangaben erreichen. Außer im Winter. Die Heizung verbraucht erheblich mehr Energie als die Klimaanlage.

Sind Sie mangels Strom in der Batterie schon mal liegen geblieben?

Hintze: Glücklicherweise nicht, dann müsste man einen speziellen Pannendienst anrufen, da man das Auto nicht einfach abschleppen kann. Bisher haben wir die Reichweite auf vier Kilometer heruntergefahren. Das war schon ein komisches Gefühl.

Man muss aber die Reichweitenanzeige ständig im Auge haben. Nervt das nicht?

Hintze: Nicht mehr als bei einem herkömmlichen Auto, da schaut man ja auch nicht permanent auf die Tankanzeige. Das mit der Reichweite hat man schnell im Griff und Hand aufs Herz: Wer fährt schon jeden Tag weit über 100 Kilometer? Somit ist es mit der Reichweite eigentlich kein Problem und man kann ja auch überall über eine herkömmliche Steckdose nachtanken, falls keine Elektrotankstelle zur Verfügung steht. Obwohl es mich immer wieder wundert, wie viele E-Tankstellen es mittlerweile gibt.

Beim Ampelrennen wären Sie ganz vorn dabei. Wie ist das Fahrgefühl mit einem Stromer?

Hintze: Also, das Auto wäre absolut für Ampelrennen geeignet, weil die komplette Leistung sofort anliegt. Da erschrecken sich schon viele Leute. Ich war schon immer ein sehr autobegeisterter Mensch. Ein E-Auto ist was total anderes, aber wirklich toll. Man genießt die Ruhe, während man bei anderen Autos das Geräusch des Motors liebt. Das lauteste ist beim E-Auto die Lüftung und bei offenem Schiebedach hört man die Vögel zwitschern, Das ist total genial. Aufpassen muss man natürlich bei Fußgängern und Radfahrern, da sie das Auto nicht hören. Aber auch daran gewöhnt man sich schnell. Nach sehr kurzer Zeit habe ich festgestellt, dass es mich stört, die kurzen Strecken mit einem herkömmlichen Auto zu fahren. Auf der einen Seite, der Umwelt zuliebe, auf der anderen Seite, da man den Verbrenner auf Kurzstrecken leiden lässt. Somit versuche ich, bewusst die kurzen Strecken mit dem E-Auto zu fahren.

Laden Sie Ihr Auto an einer ganz gewöhnlichen Steckdose?

Hintze: Ja, da bin ich ganz eisern. Ich lade das Auto an einer herkömmlichen Steckdose bei meinem Büro, da diese mit der Photovoltaikanlage verbunden ist, die meine Agentur versorgt. Wir nutzen seit Jahren unseren eigenen Strom und versorgen jetzt auch das Auto damit. Somit fährt es wirklich mit reiner Sonnenenergie. Laut der Handy-App haben wir dadurch im ersten Jahr 2 000 Kilogramm Kohlendioxid gespart. Das hört sich für mich viel an und macht ein gutes Bauchgefühl.

Ab wann rechnet sich der relativ hohe Anschaffungspreis?

Hintze: Ich denke, dass muss jeder für sich selbst entscheiden. Ich zum Beispiel war neugierig und wollte es aus Überzeugung ausprobieren. Daher habe ich das Fahrzeug über mein Büro geleast, da ich davon überzeugt bin, dass in ein paar Jahren die Reichweite sehr viel höher sein wird als heute. Dadurch habe ich die Möglichkeit, das Auto in ein aktuelles Modell zu tauschen. Des Weiteren bin ich mit dem BMW Mitglied in einem Forschungsprojekt der Bundesregierung, der Universität Essen und BMW, die das Projekt und somit die Leasingrate mitfinanzieren. Hier geht es darum, die Praxis der Elektromobilität genauer kennenzulernen und dadurch die Struktur im ländlichem Bereich weiterhin sinnvoll aufzubauen. Das hat mich sehr gereizt. Wenn ich dann die Ersparnis an Benzin oder Diesel mit einrechne, habe ich kaum noch Aufwand durch das Auto.

Wäre ein Hybridfahrzeug die bessere Alternative?

Hintze: Hier kann ich nur für mich sprechen. Da muss ich mit einem klaren Nein antworten. Erstens wollte ich gerne ein reines E-Auto. Ich habe bei meinem Auto sogar auf den Verbrennungsmotor zur Reichweitenverlängerung verzichtet. Zweitens habe ich bisher noch kein Hybridfahrzeug gefunden, was mir gefällt. Glücklicherweise habe ich für längere Strecken die Möglichkeit ein anderes Auto mit normalem Verbrennungsmotor zu nehmen und manchmal genieße ich dann auch die Vorteile eines Verbrennungsmotors.

Wem können Sie in reines E-Auto empfehlen?

Hintze: Jedem, der zwei Autos zu Hause hat und mit einem mehr die Kurzstrecken fährt. Was viele Leute auch nicht wissen ist, dass man mit dem E-Auto unterwegs oftmals den Strom geschenkt bekommt. Auch das macht das Fahren im E-Auto unschlagbar günstig. Die E-Tankstellen sind wie herkömmliche Tankstellen in den Navigationssystemen hinterlegt. Ich habe im April jemanden aus dem Harz mit seinem BMW i3 kennengelernt, der seit Ende August 2015 bereits 25 000 Kilometer rein elektrisch quer durch die Republik gefahren ist. Der macht sich einen Sport daraus, kostenlos zu tanken.

Wenn jetzt ein Neukauf anstünde, welches Modell würden Sie nehmen?

Hintze: Leider gibt es noch nicht eine so große Modellvielfalt. Ich könnte mir vorstellen, bei dem BMW zu bleiben, da das Auto schon ein sehr eigenwilliges Design hat, welches mir mittlerweile auch gefällt. Zuerst fand ich ihn nur hässlich. In der Praxis merkt man dann, wie durchdacht das Fahrzeug ist. Schmunzelnd entdecke ich mich immer wieder, dass ich oft erzähle, dass es ein wirklich vollwertiges Auto für vier erwachsene Personen ist.

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