Kunst von Cordula Prieser und Maria Mathieu

Vertikale Linien und filigrane Räume

Cordula Prieser (links) und Maria Mathieu stellen gemeinsam im Rotenburger Kunstturm aus.

Rotenburg - Von Heidi Stahl. Die letzte Ausstellung dieses Jahres im Rotenburger Kunstturm vereint die Werke von Maria Mathieu und Cordula Prieser, einer konzeptuellen Malerin und einer Bildhauerin.

Sie haben sich die Worte von Gerhard Marcks „Wenn du Linien machst, machst du auch Räume“ als Motto für ihre gemeinsame Ausstellung gewählt und verzahnen ihre beiden so unterschiedlichen Arbeits- und Herangehensweisen an die künstlerische Ausdrucksform ihrer Werke in einer erstaunlich harmonischen Weise.

Nach einer Schrecksekunde vor Beginn der Vernissage –das Licht in den oberen zwei Stockwerken war kurzfristig ausgefallen – konnten die vielen Besucher dann doch alle Kunstwerke auf den vier Ebenen von „Deutschlands schmalster und höchster Galerie“, wie Hermanus Westendorp, stellvertretender Vorsitzender des Kunstvereins, in seiner Begrüßung sagte, in strahlendem Licht bewundern.

Die einführenden Worte in das Werk der beiden Künstlerinnen übernahm Yvette Deseyve vom Gerhard-Marcks-Haus in Bremen. Sie brachte es gleich zu Anfang auf den Punkt: „Sie loten beide aus, welche Grenzen ein Raum bietet und hinterfragen die Durchlässigkeit von Grenzen, die die Linien geschaffen haben, jede von ihrem Standpunkt aus.“ Maria Mathieu, die aus Saarlouis stammt und von 2002 bis 2009 an der HfK in Bremen studierte und „mit 54 Jahren wohl so etwas wie eine Ausnahmestudentin war, die erst mit 60, im Oma-Alter, ihren Master machte“, wie sie schmunzelnd zugab, zeigt in ihren konzeptuellen Zeichnungen wie auch die Grenze der körperlichen Leistung einen Einfluss auf ein Kunstwerk nehmen kann.

In ihrem Bild „Linie vertikal N˚ 8“, das mit einer respektablen Größe von 2,36 mal 1,52 Meter der Blickfang im Eingangsbereich des Turms ist, zeigen Tausende von aufstrebenden Linien in zartem Rot, wie die Künstlerin von unten nach oben arbeitete. Das Absetzen des Stifts führt zu Verdichtungen in der Farbe und damit zu einer eigenwilligen Harmonie. Ebenso zeigt dieses Bild die Schritte, die eine Linie im Arbeitsprozess nimmt, von den Anfängen, erst unten in der Hocke, über das Zeichnen beim aufrecht Stehen bis oben auf einem Stuhl oder Tisch stehend, die einzelne Linie vollendet wird.

Gleich davor hat Cordula Prieser ihr Objekt „ohne Titel“ aus Holz und Aluminium-Drahtgeflecht aufgestellt, einen Tisch in realer geometrischer Gebrauchsform, durchbrochen und durchbohrt von künstlerisch amorphen Formen, die das Objekt in Schwingungen zu versetzen scheinen.

Prieser ist studierte Steinmetz-Bildhauerin, arbeitet mit Strafgefangenen der Bremer JVA im Bildhauer-Projekt des Bremer Justizsenators, und man fragt sich, wie sie vom kompakten, gemeißelten Stein zu durchsichtigen, Raum auflösenden Linien und Gebilden aus Aluminium-Stäben, auch manchmal gepaart mit textiler Verdichtung, gekommen ist. Ihr Studium bei Bernd Altenstein in Bremen und die darauf folgenden Stipendien in Skandinavien und in Reykjavik/Island bestimmten ihren Weg. Immer bezieht sie auch die Architektur des Ausstellungsortes mit in ihre Präsentation ein. So ist ihr im Turm wichtig, dass ihre filigranen Objekte, ihre „shared spaces“ aus Draht durch die Schattenspiele, die sie an den weißen Wänden werfen, weitergehende perspektivische Linien in den Raum streuen und seine Grenzen ausloten.

Diese harmonische Werkschau zweier so unterschiedlicher Künstlerinnen ist noch bis Sonntag, 4. Dezember, im Kunstturm an der Nödenstraße in Rotenburg zu sehen. Am letzten Ausstellungstag ist vor der Finissage um 15 Uhr für alle Interessierten noch ein Künstlergespräch terminiert.

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