Polizeibeamter Thomas Teuber berät in Sachen Prävention

Mehr Sicherheit vor einem Einbruch

Thomas Teuber steht nicht nur mit Rat zur Seite, sondern überreicht auch die Broschüre „Ungebetene Gäste”. - Fotos: Holsten-Körner

Reessum - Von Antje Holsten-Körner. Immer wieder ist in den Medien von steigenden Zahlen bei Wohnungseinbrüchen zu lesen. Anfang des Jahres kamen nachts solch ungebetene Gäste auch zu uns. Während wir oben schliefen, machten sich Langfinger an unserer Terrassentür zu schaffen.

Ihr Besuch beschränkte sich auf die Wohnküche und das Arbeitszimmer, wo ihnen die Geldbörse meines Mannes Marco, seine Uhr, drei meiner Ringe sowie eine Zwei-Euro-Sammlung in die Hände fielen. Schade, dass sie bei ihrer Arbeit nicht von unserem Hund „Yoshi“ gestört wurden, denn den hatte der Freund unserer Tochter mit nach oben genommen. Grund genug, sich von der Polizei beraten zu lassen, wie wir solchen „Besuchen“ künftig vorbeugen können.

Als wir den Einbruch am nächsten Morgen entdeckten, kamen die Rotenburger Polizeibeamten schon kurz nach dem Anruf zu uns. Grund: Sie waren bereits in Reeßum, wo sie die vier weiteren Einbrüche der vergangenen Nacht aufnahmen. Nach erfolgter Spurensicherung informierten sie über die Präventionsberatung der Polizei. Ein Angebot, das uns gelegen kommt.

Zu Besuch ist Thomas Teuber von der Rotenburger Polizei, der sich zusammen mit seinen Kollegen Karin Stabbert-Flägel und Christoph Steinke um Prävention kümmert. Das Gebiet von Teuber, der bereits seit 14 Jahren mit dem Thema betraut ist, beinhaltet nicht nur Einbruchschutz in privaten Haushalten, sondern auch die Bereiche Wirtschaft und Gewerbe, Senioren sowie Sicherheit an Schulen und Kindergärten.

Um einen Eindruck über die Gefährdung zu verschaffen, präsentiert uns der Polizeihauptkommissar die Zahlen. „In 2015 gab es 350 Einbruchversuche, wobei es bei einem Drittel bei dem Versuch blieb“, sagt der 55-Jährige. Zum Vergleich: Jedes Jahr gibt es im Landkreis durchschnittlich 10.000 Straftaten. Dabei blieben die Einbruchzahlen in den vergangenen drei Jahren weitgehend konstant.

„In den 90ern haben sie noch um ein Drittel höher gelegen“, weiß Thomas Teuber. Die Aufklärungsquote bei Einbrüchen im Landkreis Rotenburg kann sich mit rund 30 Prozent – der Bundesdurchschnitt liegt laut Polizei bei 15,2 Prozent – sehen lassen. Bei fast allen Einbrüchen waren die Bewohner nicht zu Hause. Überwiegend sind dabei Haushalte in der Nähe der Autobahn sowie der Bundesstraße 75 betroffen.

Diebe kommen, wenn keiner zu Hause ist

Pilzkopfverriegelungen und Verbundsicherheitsglas erhöhen den Einbruchschutz.

Aus seiner langjährigen Erfahrung weiß Teuber, dass nicht gezielt einzelne Personen geschädigt werden sollen. „Es ist Zufall und Pech, dass es einen trifft“, betont er und erklärt: „Die meist professionellen Täter sind unterwegs und suchen eine günstige Gelegenheit, wenn scheinbar niemand zu Hause ist.“ Zwar stimme die Aussage „wer rein will, der kommt rein“ von der handwerklichen Seite, doch entspreche dies nicht der Realität aus der Kriminalstatistik.

Grob gerechnet versuchen die Diebe rund fünf Minuten lang ihr Glück. Wenn sie es bis dahin nicht schaffen, lassen sie oft davon ab. Hauptaugenmerk liegt bei Bargeld, Schmuck und Kreditkarten. „Es ist sinnvoll, sobald es dunkel ist, zur Straßenseite an mehren Stellen, gerne im Obergeschoss, für eine helle Beleuchtung zu sorgen“, rät Teuber. 

Für ausreichend Licht sollten auch rund um das Haus angebrachte Bewegungsmelder sorgen. Mit Beginn der dunklen Jahreszeit steigen die Einbruchzahlen deutlich an, wobei der späte Nachmittag sowie der frühe Abend besonders hoch im Kurs stehen. Auch Hunde können zur Abschreckung dienen, doch dies sollte nicht der einzige Grund für die Anschaffung eines Tieres sein.

Nach den allgemeinen Ausführungen widmet sich der Beauftragte für Kriminalprävention unserem Haus. „Sinnvoll ist es, dass ein Gebäude nicht von der Seite erreicht werden kann“, betont er und empfahl uns, zur linken Seite einen Holzzaun oder eine Mauer zu ziehen. Bei den Fenstern erhöhen Pilzkopfverriegelungen und Verbundsicherheitsglas den Einbruchschutz. Da die Fenster nicht alle Sicherheitsnormen erfüllen, sollten die Rollläden bei Abwesenheit heruntergelassen werden. Wenn sich diese mehr als zehn Zentimeter hoch schieben lassen, könne ein Tischler wahrscheinlich Abhilfe schaffen.

Da eine weitere Verbesserung der Einbruchsicherheit bei unseren Fenstern – außer die noch kostengünstige Nachrüstung mit abschließbaren Griffen – mit erheblichem finanziellen Aufwand verbunden sei, würde Teuber zu den Rollläden bei uns eine Alarmanlage bevorzugen.

„Entweder kann die Gebäudeaußenhaut gesichert werden, was bei bestehenden Objekten oft sehr teuer wird, oder im Haus kann eine Fallenüberwachung mit Bewegungsmeldern vorgenommen werden“, schildert der Beamte die Möglichkeiten. Mindestens sollte die Alarmierung über eine – besser sogar mehrere – Innensirenen erfolgen. Die Empfehlung der Polizei lautet, die telefonische Weiterleitung an einen Dienstleister zu programmieren. Auf dem heutigen Stand der Technik rät Teuber bei Smarthome-Lösungen zur Vorsicht: „Oft wird bei einem Einbruch ein Kurzschluss verursacht, so dass die Telefonanlage ausfällt und keine Alarmierung mehr erfolgen kann.“

Ihm ist wichtig, dass mit wenig Aufwand viel erreicht werden kann und die eigene Gefährdung nicht überbewertet wird. „Die heutige statistische Beurteilung ist eigentlich überholt, da die Anzahl der Einbrüche auf 100.000 Einwohner gerechnet wird. Dabei ist nicht berücksichtigt, dass sich die Anzahl der Haushalte in den letzten Jahren deutlich erhöht hat“, rechnet Teuber vor. Wir werden die Ratschläge umsetzen, obwohl wir auch hoffen, dass die Statistik in diesem Fall Recht hat und wir nie wieder Opfer eines Einbruches werden.

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