Gerd Geiser, James Blond und Andreas Ballnus sorgen für unterhaltsamen Abend in der Buchhandlung Froben

Wortverliebtes Trio

Andreas Ballnus (v.l.), James Blond und Gerd Geiser ergänzen sich bei der Lesung gut. - Foto: Stahl

Sottrum - Mit Sprache spielen, sie hin und her wenden, neuen Sinn hinter verdrehten Worten finden und verwirrend Verworrenes in Einklang bringen, und das alles mit einem guten Schuss Humor – das ist allen drei Autoren, die sich in der Buchhandlung Froben bei einer Lesung präsentierten, gemeinsam.

Gerd Geiser, James Blond und Andreas Ballnus sind die wortverliebten Schreiberlinge, die gemeinsam mit Heidrun Dehnhardt und Marie Luise Wendland die jetzt vorliegende Anthologie „Tierisch abgereimt“ zu 150 Seiten wahren Lesevergnügens machen. Und wie amüsant das in der unterschiedlichen Herangehensweise der drei Autoren sein kann, zeigten sie an diesem Abend.

Während Gerd Geiser der Wortakrobat ist, der versiert mit Wörtern spielt und zum „Nach-Denken“ zwingt, ist Ballnus der verschmitzte Reimer, der Limericks oder Nonsens-Gedichte, genauso wie kleine Prosa-Geschichten fast liebevoll präsentiert. Daneben kommt James Blond mit bösartigen, von schwarzem Humor nur so triefenden Gedichten ins Bild und verleitet mit manchmal versteckten erotischen Anspielungen das Publikum zu Bemerkungen wie „Gut, dass wir alle über 18 sind“ oder „Uups, wo bin ich denn gelandet“.

Ihrem Grundsatz der scherzhaften Übertreibung bleiben die frechen Poeten in dieser Anthologie allemal treu. Sie kommen alle aus den unterschiedlichsten Lebenszusammenhängen, aber der Spaß an der boshaften Aufdeckung mittelschwerer Kümmernisse des Alltags und ein geradezu explodierender Wortwitz ist ihnen allen gemeinsam.

Geiser, der Sozialarbeiter, der jetzt „ein Palindrom ist, nämlich Rentner, ein Wort, das von vorn oder hinten gelesen das gleiche ist, wie beispielsweise auch Lagerregal, Ebbe oder Uhu“, fand seine beiden Mitautoren über das Internetforum „Leselupe“, weil er als Rentner Zeit hatte, sich dieser Kommunikationsform zu widmen.

Andreas Ballnus ist zwar immer noch als Sozialarbeiter im Bereich der Wohnungssicherung, also der Hilfe der von Obdachlosigkeit bedrohten Menschen, auf den Straßen Hamburgs unterwegs, schreibt aber in seiner Freizeit neben Gedichten auch Lieder und Kurzgeschichten. James Blond, der eigentlich Jörn Bünning heißt, hat sich länger auf Universitäten herumgetrieben, neben Erziehungs- und Literaturwissenschaften auch noch Psychologie studiert und sich dann in der IT-Branche festgefahren. Außerdem schlägt sein Herz, neben der Musik und der Malerei, hauptsächlich für den „Spott in wohlgesetzten Worten“ und „een beten plattdütsch“, wie er an diesem Abend bewies.

Dass die Protagonisten ihrer Reimkunst alles Tiere sind, hat einen ganz einfachen Grund: Die können ihren Unmut über die frechen Reime auf ihre Kosten nur durch Bellen, Miauen oder Tschilpen äußern. Kein Wunder, dass man sie dann manchmal auf eine Therapie schicken muss: „Es macht der Specht, das glaubt ihr nie, im Wald ‘ne Trommeltherapie“ oder „Flamingos pflegen die Kultur der altbekannten Kneipp’schen Wasserkur“ und der Brüllaffe ist schon lange geheilt und frei von Depressionen, weil er den Urschrei geübt hat.

Als Ballnus dann mit dem melodisch vorgetragenen Lied vom Würstchen in der Dose nach der Melodie von „Sah ein Knab ein Röslein stehn“ den Abend beschloss, hatten alle Zuhörer das graue, nasse Novemberwetter vollständig vergessen und konnten mit einem fröhlichen Lächeln im Gesicht nach Hause gehen. Diese kleine Buchhandlung an der Großen Straße entwickelt sich langsam zum Geheimtipp mit besonderem Touch für Literaturliebhaber aller Sparten und Genres.  J hs

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