Bremer Musical Company konzertiert vor 200 Zuschauern in Sottrum

Mit Witz und viel Gefühl

Dem Publikum und den Künstlern blieb die feuchte Dusche von oben erspart. - Foto: Daus

Sottrum - Von Matthias Daus. Manchmal wird eine mutige Entscheidung auch belohnt. Und so kam die Bremer-Musical-Company bei ihrem Open-Air-Auftritt vor der Sottrumer St.-Georgs-Kirche am Freitagabend mit einem blauen Auge, oder besser einem blauen Himmel davon.

Die Darsteller überzeugten mit ihrer Hingabe und stimmlichem Können.

Zwei Stunden vor Beginn der Veranstaltung regnete es noch wie aus Eimern und brachte die Planungen für den Auftritt vor dem Gotteshaus ins Wanken. Aber ein anscheinend guter Draht zu Petrus (bei diesem Auftrittsort nicht weiter verwunderlich) sorgte für einen pünktlichen Wetterumschwung. „Bis 23 Uhr soll es trocken bleiben, ich hoffe, wir sind bis dahin fertig“, begrüßte Thomas Blaeschke die rund 200 Zuschauer. Einerseits am Piano als musikalischer Begleiter der Akteure, wusste er aber auch als Moderator zu begeistern. Ausgestattet mit einem unglaublichen Fachwissen und einer guten Prise Humor führte er durch das bunte Programm und sorgte mit seinen fundierten Erklärungen dafür, dass auch der Laie in Sachen Musical bei jedem dargebotenen Stück die Geschichte dazu kennenlernen konnte.

Als zum Beispiel „Dunkles Schweigen an den Tischen“ aus „Les Misérables“ von Alexander Hohler vorgetragen wurde, erläuterte Blaeschke einleitend in kompakten Sätzen die Rahmenhandlung und die Szene, in der das Lied gesungen wird.

Im Zusammenspiel mit den Auftritten der insgesamt sechs Künstler hatte man bei jedem Stück das Gefühl, mitten im Geschehen zu sein. Und diese Auftritte hatten es in sich. Hier wurde jede Note nicht nur gesungen, sondern dargestellt, gefühlt, gelebt. Stimme, Gestik, Mimik und die Kostüme – alles passte bis ins Detail. Als Bühne diente dabei eine Plattform, die aufgrund ihres schlichten Aufbaus einen unverfälschten Blick auf die eindrucksvolle Kulisse der Sottrumer Kirche zuließ und einzig durch die Künstler mit Leben gefüllt wurde.

Die Auswahl der Lieder mischte Musical mit Pop sowie Rock und hielt neben vertrauten Stücken wie zum Beispiel „Mercy Cherie“ oder „Halleluja“ einige Überraschungen parat. „Ein Neandertaler“ – ein deutscher Chanson aus den 1950ern des Kabarettisten Günter Neumann, eindrucksvoll vorgetragen von Sara Dähn – dürfte nur den Wenigsten bekannt gewesen sein, sorgte aber für helle Begeisterung.

Die Zeit verging wie im Flug und das Publikum erlebte ein Wechselbad der Gefühle. Einerseits mitgerissen von den schnelleren Nummern, konnte sich manch einer die ein oder andere Träne der Rührung bei den Balladen nicht verkneifen. Was nicht verwunderte, denn schließlich waren hier frisch gekürte Weltmeister am Start. Mit dem Nebenprojekt „Voice over Piano“ errangen Teile des Ensembles bei den Chorweltmeisterschaften im russischen Sotschi die Goldmedaille. Ein großer Erfolg, der im September durch einen Auftritt beim Sommerfest im Kanzleramt in Berlin gekrönt wird.

Da mag Sottrum vielleicht nicht ganz mithalten können, aber das Gefühl ließen die Künstler in keinem Moment aufkommen. Beim Publikum gibt es keine Wertigkeit. Alles was zählt, ist die Leidenschaft der Künstler die Menschen zu unterhalten – und mehr Entertainment als an diesem Abend in Sottrum geht auch in Berlin nicht.

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