Tierärztin Andrea Brüning erklärt, wie gefährlich die Wärme im Sommer für Tiere sein kann

Schon ein kurzer Moment ist zu viel

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Tierärztin Andrea Brüning (Mitte) passt gemeinsam mit ihren Kolleginnen aus der Sottrumer Kleintierklinik Franziska Ziegler (l.) und Svenja Wilke auf, dass Yuma nicht zu heiß ist. 

Sottrum - Von Jessica Tisemann. Der Sommer hat noch nicht aufgegeben: Die Temperaturen steigen nochmal, die Kleidung wird luftiger, der Schweiß läuft den Körper hinunter. Der Mensch hat genügend Möglichkeiten, sich in solchen Situationen Abkühlung zu verschaffen. Doch was machen eigentlich unsere Haustiere bei den hohen Temperaturen, und belastet es alle Tiere gleich? Andrea Brüning, Tierärztin in der Klinik für Kleintiere von Dr. Patricia Werhahn in Sottrum, erklärt, worauf die Halter besonders achten müssen.

Die ersten Gedanken der Besitzer betreffen häufig einen Verbleib der Tiere im Auto. Dabei kann es schon bei 20 Grad Celsius Außentemperatur kritisch werden. „Es gibt eine Faustregel, dass es bei 20 Grad nach zehn Minuten im Auto knapp sieben Grad wärmer ist“, macht Andrea Brüning auf die Gefahr aufmerksam. Das sei besonders für kurznasige Hunde – wie eine Französische Bulldogge oder einen Mops – kritisch. Für diese Rassen sei aber auch eine generelle direkte Sonneneinstrahlung auf Dauer gefährlich. „Mal eben fünf Minuten in den Supermarkt sind da nicht das Problem, wenn der Hund einen Schattenplatz hat.“ Alles darüber hinaus sollte allerdings vermieden werden.

Bei vielen Tieren kommt im Sommer dann aber auch noch die Dicke des Fells, das Alter und der allgemeine Gesundheitszustand hinzu. Tiere mit Herzerkrankungen, Schilddrüsenunterfunktion und Übergewicht haben es dabei besonders schwer. Deswegen rät die Tierärztin im Sommer auch dazu, die Gassirunden auf den frühen Morgen oder den späten Abend zu legen – wenn die Temperaturen bereits wieder sinken.

Doch Hitze alleine ist nicht das Problem. Auch die hohe Luftfeuchtigkeit und der aufgeheizte Asphalt machen den Tieren zu schaffen. „Der heiße Asphalt kann im schlimmsten Fall sogar Brandblasen an den Pfoten verursachen“, erklärt Brüning. Wie warm der Straßenbelag wirklich ist, lasse sich gut überprüfen, indem man selbst einmal barfuß auf die Straße geht.

Hecheln ist ein Zeichen für Überhitzung

Doch wie kann ich feststellen, ob meinem Hund zu warm ist? Schwitzen, so wie wir Menschen, kann ein Hund nicht am ganzen Körper. Lediglich an den Pfoten ist eine Schweißbildung zu erkennen – wirklich nass sein wird das Fell bei einem Tier nie. Das sicherste Zeichen, dass dem Tier zu warm ist, ist das Hecheln. „Je weiter die Zunge aus dem Maul hängt und je schneller das Herz schlägt, desto wärmer ist dem Tier“, macht die 37-Jährige deutlich.

Die Gefahr, eine Überhitzung des Tieres nicht früh genug zu erkennen, besteht – die Symptome gehen vom Hecheln über Zittern und Taumeln bis zur Ohnmacht, dem Hitzschlag. Doch die Tierärztin hat ein paar Tipps, auf die man achten kann. Unterwegs sei es wichtig, für die Tiere einen Schattenplatz zu finden. Auch etwas zum Trinken kann nicht schaden. Entweder der Halter fragt nach, wenn man länger irgendwo sitzt, ob es eine Möglichkeit gibt, dass der Hund was trinken kann, oder man hat selbst etwas dabei. „Mittlerweile gibt es auch tolle Trinkgefäße zum mitnehmen. Alternativ kann man den Hund aber auch einfach aus der Hand trinken lassen“, erklärt Brüning. Dabei ist es wichtig, dass das Wasser nicht eiskalt, sondern an die Körpertemperatur angepasst ist. „Ansonsten muss der Körper noch mehr arbeiten, weil er das kalte Wasser erst einmal auf Körpertemperatur erwärmen muss.“ Auch spezielle Decken, die man ins Wasser legen kann, gibt es für die Tiere. So bekommen sie ein wenig Abkühlung.

Bei bestimmten Rassen ist es auch möglich, das Fell der Tiere zu kürzen, aber auch dabei müssen die Besitzer vorsichtig sein. „Das Fell schützt vor Sonnenbrand.“ Ein bisschen Sonnenmilch kann bei Tieren auch nicht schaden, gerade die Nase oder Spitzohren ohne Fell können leicht verbrennen. „Da kann der Besitzer dann ganz dünn etwas Sonnenmilch auftragen“, so die Tierärztin. Wichtig sei, darauf zu achten, dass der Hund es nicht alles ableckt.

Aber was ist mit Hamster, Meerschweinchen und Co.? Auch Kleintiere reagieren empfindlich auf Hitze. Ein großes Problem dabei sind die Käfige draußen im Garten – diese müssen regelmäßig gereinigt werden, ansonsten locken Futter und Kot schnell Fliegen an. Die sind auch ein Problem bei nässenden Wunden oder Durchfallerkrankungen der Tiere, denn sie setzen Maden in die Stellen, die sich direkt unter die Haut fressen, zeigt die Tierärztin das schlimme Szenarium auf. „Wenn man nur eine Made an seinem Tier entdeckt, sollte man schnellstens zum Tierarzt“, macht Brüning deutlich.

Recht unempfindlich ist die Katze. „Katzen fühlen sich bei hohen Temperaturen nicht so schnell unwohl“, beruhigt die Tierärztin. Doch auch bei den Tieren gibt es eine Gefahr: auf Kipp stehende Fenster. Wenn den Katzen zu warm wird und sie nach draußen wollen, bleiben sie oftmals in den schmalen Spalten stecken.

Die Tierärztin verdeutlicht, wie schnell die Wärme auch den kleinen und großen Tieren Probleme machen kann. Ein Tier im Auto zurückzulassen, ist nie eine gute Idee. Brüning betont: „Wenn Sie ein Tier im Auto entdecken, das schon stark hechelt, rufen Sie die Polizei.“

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