Reinhard Staupe liest aus seinem Thriller „Was wütet in mir so still?“

Der schöne Schein trügt

Anja Froben stellt den Autor Reinhard Staupe und sein Buch den Zuhörern vor. - Foto: Stahl

Sottrum - Von Heidi Stahl. Blass schimmernd zog an diesem Abend der Vollmond an den Himmel und bildete mit seiner ewigen Wandelbarkeit eine passende Metapher zu der eigentlichen Aussage von Reinhard Staupes Roman „Was wütet in mir so still?“, den er in der Buchhandlung Froben in Sottrum präsentierte: „Jeder Mensch hat drei Gesichter: das Reale, das scheinbar Reale und das Scheinbare.“

So wie wir immer nur einen Teil des Erdtrabanten sehen, obwohl er immer vollständig am Himmel steht, so kann man auch nicht hinter die scheinbar freundliche Fassade eines Menschen schauen, der immer ein Ganzes ist, von dem wir immer nur einen Teil erfassen können.

Der Protagonist des Romans, Martin Tanner, ist ein freundlich-sympathischer Familienmensch mit Abgründen von Zorn, Brüchen in seiner Freundlichkeit und faszinierend skrupellosen Rachegelüsten, die ausgelebt werden als Vergeltung für Unrecht, das ihm und seiner Schwester scheinbar oder real angetan wurde.

Das Buch ist angelegt wie ein Wasserstrudel. Es beginnt mit den äußeren langsamen Ringen, gemächlich und weitschweifend, nimmt mit jedem Kapitel an Fahrt zu, holt den Leser mit in den Sog, der letztlich zu einem Strudel wird und einen in die Tiefe zieht. Aus scheinbar harmlosen Handlungssträngen entwickeln sich Geschichten, die immer schneller werden, sodass man das Buch nicht mehr aus der Hand legen kann. Dialoge und Charaktere sind nah am eigenen Alltag und somit glaubhaft und nachvollziehbar.

Dass sich dahinter fiese Realitäten entwickeln, kommt ganz unmittelbar und unerwartet: „Wir sehen wenig und wissen nichts. Wir bleiben, was wir sind: Fremde unter Fremden“, schreibt Staupe in seinem Vorwort, und auch die Aphorismen, die er seinen Kapiteln voranstellt, haben philosophische Züge, über die der Leser erst einmal nachdenken muss, wie: „Die Inkonsequenz ist des Menschen ureigenste Unauffälligkeit.“

Das Geheime, das hinter den Menschen steckt, das ist es, was den Autor antreibt. Das führt er an diesem Abend auch den Zuhörern plastisch vor Augen. Er, der eigentlich Spieleerfinder ist, baut ein kleines Spiel in seine Lesung ein. „Privacy“, bei dem eine unangenehme Frage mit ja oder nein beantwortet werden muss, wo die Antwort in Form von farbigen Steinen geheim und anonym in einem schwarzen Sack verschwindet, lässt die Mitspielenden erstaunt blicken, wenn beispielsweise bei der Frage „Wer hat schon mal ernsthaft über einen Banküberfall nachgedacht?“ doch immerhin zwei Ja-Steine von zwanzig teilnehmenden Zuhörern aus dem Sack geschüttelt werden.

Wieder zurück zum Buch, erklärt er, dass die Geschichte eigentlich schon 2001 fertig war, aber erst, als er 2010 anfing, sie um die Hälfte zu kürzen, fand er dafür einen kleinen Verlag, in dem sie jetzt erschienen ist und schon an diesem Abend mit den kleinen Ausschnitten die Zuhörer in ihren Bann riss.

Übrigens: Wer gerne spielt, kann jeden Dienstag im Heimat- und Kulturhaus in Hellwege ab 18 Uhr an seinem Spiele-Treff teilnehmen.

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