Brigitte Mintenbeck kommt Zwangsversteigerung des ehemaligen Lidl-Marktes zuvor

Neues Domizil für die Tafel

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Der ehemalige Imbiss neben der Score-Tankstelle an der Bremer Straße in Sottrum ist ab Dezember das neue Domizil der Lebensmittelausgabestelle.

Sottrum - Von Antje Holsten-Körner. Lange war die Zukunft der Sottrumer Lebensmittelausgabe unsicher, denn der Mietvertrag für den ehemaligen Lidl-Markt wurde mit dem Insolvenzverwalter nur mit einer kurzen Kündigungsfrist abgeschlossen. Zwar ist bei den bisherigen beiden Zwangsversteigerungsterminen noch kein Zuschlag erteilt worden, trotzdem steht wahrscheinlich schon in absehbarer Zeit ein Eigentümerwechsel an. Doch, Brigitte Mintenbeck hat bereits eine Lösung für die Lebensmittelausgabe gefunden.

Die Grenzen, bei denen ein Zuschlag bei einer Zwangsversteigerung verwehrt werden kann, gibt es im dritten Termin nicht mehr. Wird es dann wieder einen Mietvertrag geben? Das Risiko wollte Brigitte Mintenbeck, Leiterin der Lebensmittelausgabe, nicht eingehen. Daher fiel ihr ein Stein vom Herzen, als ihr von Eckhard Röhrs der ehemalige Imbiss neben der Score-Tankstelle als neues Domizil angeboten wurde.

„Die Voraussetzungen sind optimal, denn Familie Röhrs ist sehr entgegenkommend“, berichtet Mintenbeck erfreut. Obwohl der Mietvertrag offiziell erst zum 1. Dezember beginnt, dürfen die Räume bereits jetzt genutzt werden. Nicht einmal eine Renovierung ist erforderlich.

Für einige Flüchtlinge verkürzt sich der Weg zur Lebensmittelausgabe so erheblich, denn für sie hat die Gemeinde Sottrum das Hotel über der ehemaligen „Biberburg“ gepachtet. Genutzt werden darf auch der Aufenthaltsraum, der zum Hotel gehört. „Wir sind inzwischen eine Anlaufstelle – ein Kommunikationszentrum – geworden. Bereits vor der Lebensmittelausgabe treffen sich die Kunden“, erzählt Mintenbeck.

Einziger Knackpunkt ist, dass nur noch rund 220 Quadratmeter zur Verfügung stehen. Zum Vergleich: Während derzeit im ehemaligen Lidl-Markt ein Mehrfaches zur Verfügung steht, waren es im Venezia-Markt an der Bundesstraße immerhin rund 300 Quadratmeter. „Es ist immer schwer, sich von groß auf klein zu verändern“, so die Leiterin. Daher werden die alten, zudem noch reichlich Strom fressenden Kühlschränke nicht mehr mitkommen.

Schon in der Vergangenheit wurden bereits vier Schränke angeschafft, die den heutigen Energieanforderungen gerecht werden. Ergänzt werden soll der Bestand durch Kühlregale, die direkt in der Ausgabe stehen sollen. Dort ist die 73-Jährige noch auf der Suche.

Außerdem wird sich die Lebensmittelausgabe von den Möbeln, die bisher zur Vermittlung bereitstanden, trennen müssen. Haushaltswaren wird es nur noch in sehr eingeschränktem Maß geben, vielleicht nur noch auf Absprache. Verkleinert werden muss ebenfalls der Kleiderbasar, eine der Haupteinnahmequellen der Lebensmittelausgabe. „Wir werden auch Kleiderspenden nur noch nach Absprache annehmen können“, bedauert Brigitte Mintenbeck.

Den großen Vorteil sieht sie darin, dass nicht einfach mehr Säcke mit verdreckter Wäsche vor die Tür gestellt werden. Überhaupt sagt ihr der Standort, an dem viel Publikum verkehrt, sehr zu. „Unser Markt hat sich zu einem Treffpunkt für Jugendliche entwickelt“, so die Leiterin. Und weiter: „Viele von ihnen sind nett und hilfsbereit, doch manche bereiten uns Probleme.“ So ist der Eingangsbereich oft mit Flaschen, Kippen und anderem Unrat verdreckt. Zu den Höhepunkten gehörte der Glaszylinder, der direkt hinter den Reifen des Tafelfahrzeuges gelegt worden war. Nur durch Zufall wurde er von Mintenbeck entdeckt, sodass ein Schaden am Fahrzeug vermieden werden konnte. Und auch in den vergangenen Tagen ist es wieder zu Zwischenfällen gekommen. „Die Jugendlichen haben vor unserer Tür wieder einen Schweinestall hinterlassen“, bedauert Mintenbeck.

Doch zurück zum Positiven: Inzwischen kann Mintenbeck auf engagierte Flüchtlinge zählen, die regelmäßig bei der Lebensmittelausgabe helfen. „Die Integration ist gelungen.“ Während dadurch – und durch die Ehrenamtlichen – genügend Kräfte zur Verfügung stehen, sucht sie nach weiteren Fahrern. Für die Touren in Sottrum und Ottersberg, die vormittags bis zu zweieinhalb Stunden dauern, steht das Tafelauto zur Verfügung. Kontakt zur Sottrumer Außenstelle der Rotenburger Tafel ist über Brigitte Mintenbeck unter 0173 / 7374205 möglich.

Um den Bestand an Bekleidung zu reduzieren, ist für Samstag ein Kleiderbasar geplant. Zwischen 11 und 16 Uhr ist die Kleidung gegen Spenden abzugeben. Stärken können sich die Gäste an diesem Tag mit Kaffee und Kuchen. Wer weder Hemd noch Hose oder sonstiges benötigt, kann der Lebensmittelausgabe mit einer Spende helfen. Dies kann über das Konto DE60 2916 5681 0227 7220 00 mit dem Verwendungszweck „Lebensmittelausgabe Sottrum“ erfolgen. Unterstützung erfährt die Tafel schon. Mintenbeck: „Ein großes Lob an die Bürger der Samtgemeinde, die sehr offen gegenüber der Tafel sind.“

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