Ungar schreibt Werke von bekannten Komponisten für sein Zupfinstrument um

Vom Klavier zur Gitarre

József Eötvös eröffnet die Rotenburger Gitarrenwoche mit seinem Konzert in der Marien-Kirche in Ahausen. - Foto: Diercks

Ahausen - Von Bettina Diercks. Ungebrochen ist das Interesse an der „Rotenburger Gitarrenwoche“. Seit 1982 findet sie statt, und das gar nicht so heimliche Mekka der Veranstaltung ist Ahausen. Denn dort leben und arbeiten Gastdozenten und Schüler eine Woche lang im Landheim. Ahausen profitierte außerdem von den Konzerten in der Marien-Kirche, wo die hochkarätigen Profimusiker ihre Konzerte geben.

Erstmalig bei der Gitarrenwoche als Dozent geladen, gab der ungarische Meistergitarrist József Eötvös am Sonntag in der Marien-Kirche ein Solokonzert. Den Großteil bestritt Eötvös ohne Noten. So auch den Auftakt, bei dem er Werke des ungarischen Komponisten und Pianisten Béla Bartók vortrug, die er bearbeitet und für Gitarre umgeschrieben hatte.

Die ersten Töne von „Ein Abend am Lande“ hatten schon etwas von dem Klang einer Harfe. Sie fielen wie die ersten Tropfen eines lauen Sommerregens. Erst sanft und lau, dann immer schneller prasselnd, etwas Erfrischung bringend.

Eötvös bei der Ankündigung des nachfolgenden Stückes: „Ich glaube, Sie werden die Musik genießen können.“ Er spielte aus Bartóks Zyklus „Für Kinder“ (1908 im Exil geschrieben). Tatsächlich wirkte alles wie ein Spiel. Mal rennend, mal laut, mal leise, mal tuschelnd, dann wieder jauchzend lostobend. So, wie Kinder eben spielen.

Aus seinen eigenen Kompositionen brachte er drei Sätze mit, die über einfrierendes, gefrorenes und auftauendes Wasser handelten. Und tatsächlich war den Tönen ein Tröpfeln zu entnehmen, dann das Knirschen von Eiskristallen, wie Risse in einer Eisdecke, und beim Tauen das Zerfließen des Wassers bis hin zum ersten Sonnenstrahl, der weiteres Tauen hervorruft.

Nicht fehlen durften an einem Eötvös-Abend Werke von Johann Sebastian Bach. Der deutsche Komponist galt als Orgel- und Klaviervirtuose des Barock. Zehn Jahre, von 1987 bis 1997, hat Eötvös an der Überarbeitung für Gitarre von Thema und Variationen aus den Goldberg-Variationen gearbeitet. Eötvös Bach-Überarbeitung und dessen Darbietung gilt in Fachkreisen als „unfassbar“.

Spannend wurden die Frédéric Chopin-Darbietungen. Von dem polnisch-französischen Komponisten und Pianisten hatte Eötvös zwei Preludes, zwei Mazurkas und eine Nocturne im Repertoire. Ebenfalls von ihm für Gitarre überarbeitet. 

„Sie werde Chopin erkennen“, versprach der Meistergitarrist, der eine recht eigenwillige Überarbeitung darbot. Für die Zuhörer, die weder Chopin-Fans noch Experten sind, dürfte das Heraushören des Komponisten durchaus schwierig gewesen sein, wenngleich die Werke etwas Fesselndes hatten, da Eötvös Kontraste zu setzen weiß.

Etwas ganz Wunderbares lieferte Eötvös mit „Cadiz“ aus der Suite española op. 47 von 1886 von Isaac Albéniz. Ebenfalls für Klavier komponiert, dürfte die Gitarre für dieses spanische Werk der passendere Partner sein. Sie gibt dieser Musik neben Klang vor allem Farbe und hebt die harmonischen und rhythmischen Eigentümlichkeiten deutlicher hervor.

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