Jens Kramer über seine Arbeit als Schulsozialarbeiter am Sottrumer Gymnasium

Nicht nur heile Welt

Jens Kramer und Julia Hipp sind für die Schüler am Gymnasium ansprechbar und haben sogar einen eigenen Raum abseits der Klassenzimmer.
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Jens Kramer und Julia Hipp sind für die Schüler am Gymnasium ansprechbar und haben sogar einen eigenen Raum abseits der Klassenzimmer.

Sottrum - Von Jessica Tisemann. Ein Schulsozialarbeiter an einem reinen Gymnasium – im Landkreis Rotenburg einzigartig. Doch Jens Kramer vom Sottrumer Gymnasium macht deutlich, warum auch dort Hilfe nötig ist. Denn Probleme haben auch die Schüler dort zu bewältigen – und die sind sogar recht vielseitig.

Familiäre Probleme, Scheidungen der Eltern, die Pubertät und Leistungsdruck machen auch vor den Schülern eines Gymnasiums nicht Halt. „Das sich die Familiensysteme auflösen, kommt auch immer mehr bei den Gymnasien an“, macht Sozialpädagoge Jens Kramer deutlich, der durch die Samtgemeinde finanziert und bei der Sozialpädagogischen Familienförderung („SoFa“) angestellt ist.

Scheidungen der Eltern laufen zwar nicht notwendigerweise mit einem psychischen Ballast für die Kinder ab, dennoch haben einige auch damit zu kämpfen, wenn Vater oder Mutter plötzlich das Haus verlassen. „Das Urvertrauen ist dann dahin“, beschreibt der 48-Jährige die Situation der Jugendlichen. Daher sei seine Arbeit als Schulsozialarbeiter auch am Gymnasium so wichtig. Und durch seine Anstellung bei „SoFa“ ist außerdem der Austausch unter den Kollegen dort immer möglich.

Diese Probleme können sich auch auf die Leistung der Schüler niederschlagen. „Wir müssen uns fragen, wann unsere Schüler am besten aufnahmefähig sind“, stellt Rektor Ferdinand Pals klar. Und das sei dann der Fall, wenn es keine Dinge gibt, die sie am Lernen hindern. „Nur so haben die Schüler die Möglichkeit, ihr gesamtes Leistungspotenzial auszuschöpfen. Und das ist uns als Gymnasium auch wichtig“, so Pals weiter.

Doch Leistung ist auch am Gymnasium nicht alles. Auch das Miteinander unter den Schülern ist wichtig, um eine angenehme Arbeitsatmosphäre zu schaffen. Deswegen hatte sich schon Pals’ Vorgänger Franz Wenzl um einen Schulsozialarbeiter bemüht – mit Erfolg, denn seit drei Jahren gibt es das Angebot am Sottrumer Gymnasium.

Prügeleien seien dort bisher noch nicht vorgefallen – die Gymnasiasten würden eher zu psychischer Gewalt in Form von Mobbing greifen. Um das schon frühzeitig zu verhindern, bietet der Schulsozialarbeiter bereits in der fünften Klasse ein Sozialtraining an, der den Klassenverband stärken soll – immerhin bleiben die Schüler bis zur Oberstufe zusammen. Und dabei ist er nicht allein. Unterstützung bekommt er von Christoph Steinke von der Polizei in Rotenburg und Lehrerin Julia Hipp.

Hipp ist es auch, die während der kompletten Schulzeit für die Jugendlichen ansprechbar ist – Kramer ist nämlich in der Regel nur zu seinen Sprechzeiten am Dienstag und Donnerstag zwischen 9 und 12 Uhr in der Schule. In ihrem Beratungsbüro sind die beiden für die Schüler da. „Das Büro liegt extra etwas abseits der eigentlichen Klassenzimmer im Verwaltungstrakt, damit die Schüler nicht fürchten müssen, dass jemand mitbekommt, dass sie uns aufsuchen, wenn sie das nicht möchten“, macht Kramer deutlich.

Auch die Kombination aus Mann und Frau scheint bei den Schülern und dem Schulleiter gut anzukommen. Pals: „Es gibt mit Sicherheit Probleme, mit denen Mädchen eher zu Frau Hipp und Jungen eher zu Herrn Kramer gehen.“

Doch nicht nur die Schüler haben die Möglichkeit, den Schulsozialarbeiter und seine Kollegin aufzusuchen. Auch die Lehrer achten verstärkt darauf, wie sich die Jugendlichen entwickeln. „Es ist nicht mehr so, dass der Lehrer nur sieht, dass die Noten auf einmal schlechter werden. Sie schauen in die Tiefe und versuchen herauszufinden, woran das liegen könnte“, so der 48-Jährige. Die Lehrer vermitteln dann den Kontakt zu Kramer.

Bis es ein Gespräch mit den Eltern oder dem Schulleitern gibt, ist die Anonymität der Jugendlichen gewahrt. „Solange weiß auch ich nicht, welcher Schüler sich an Herrn Kramer oder Frau Hipp gewendet hat“, bestätigt Pals. Jens Kramer stellt noch einen weiteren Aspekt seiner Arbeit heraus: „Wichtig ist, dass es keine Pflicht ist, mit uns zu sprechen.“

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