Elli Wöbse sorgt für Nachschub an Abfallsäcken

Es geht nicht ohne Bürokratie

+
Eine Klingel, ein Hund und eine Ausgabe für Abfallsäcke: So erfahren Außenstehende, wo sie ihre Müllsäcke bekommen.

Ahausen - Von Wieland Bonath. Elli Wöbses Kunden wohnen in kleinen Häusern mitten im Wald am Rande von Ahausen. In dieser Idylle zwischen Wümme und Ahauser Bach hat die zierliche Frau mit dem freundlichen Lachen seit mehr als 20 Jahren eine wichtige Funktion im Zusammenhang mit der Entsorgung von 113 Minihaushalten.

Elli Wöbse sorgt im Auftrag der Abfallwirtschaft Rotenburg (AWR) dafür, dass die Anlieger der schmalen Waldwege, zum Beispiel vom Amselweg, Meisenweg oder Starenweg, regelmäßig mit Müllsäcken versorgt werden, damit diese stille Idylle auch künftig so sauber und geordnet bleibt wie bisher. Die 79-Jährige führt akribisch Jahr für Jahr genaue Listen, die einen Überblick über die ausgegebenen Kunststoffsäcke geben.

Diese Abfallsäcke gibt Elli Wöbse an die Bewohner des Wochenendhausgebietes Ahausen aus. Unterstützt wird sie dabei von ihrem Partner Herbert Mrowka. 

Die drahtige „Müllfrau“ des Ahauser Wochenendhausgebietes wird von den Menschen, die unter anderem aus benachbarten Großstädten und Landkreisen stammen und die sich immer wieder in diese Naturlandschaft zurückziehen, geliebt. Kleine Geschenke sind der Dank für ihre Arbeit. Wöbse: „Natürlich gibt es hin und wieder auch Nörgler, aber die allermeisten sind sehr, sehr nett, nehmen mich in die Arme und sagen: ,Elli, schön, dass es dich gibt.‘“ Immer, wenn am Drosselweg 2 die Klingel in dem schwarzen Plastikkasten gedrückt wird, wenn der schwarze Mischling Rocky kläffend zum verschlossenen Grundstückstor stürmt, dann weiß Wöbse: Ein Kunde braucht Nachschub, um seinen Hausabfall für die nächste Entsorgung sauber einsacken zu können. Aber es geht auch hier nicht ohne Bürokratie: Akkurat muss neben der jeweiligen Adresse per Unterschrift quittiert werden: „Empfangsbestätigung über erhaltene Abfallsäcke für die Hausmüllentsorgung im Wochenendhausgebiet Ahausen für 2016.“

Wöbse wurde vor knapp 80 Jahren in Zeven geboren. Später zog sie mit ihrer Mutter nach Posthausen und arbeitete nach Schulabschluss in einer Gastwirtschaft und bei einem Bauern. Immer wieder betont sie bei einem Gespräch in ihren schweren Sesseln ihres wohlig-warmen Holzhauses: „Ich hatte eine sehr schwere Jugend.“ Probleme, die sich später in der Ehe fortsetzten und schließlich zur Trennung von ihrem inzwischen gestorbenen Mann führten. Besonders hat sie der Tod ihres Sohnes Olaf getroffen.

Seit zwei Jahrzehnten lebt die 79-Jährige auf ihrem großen Waldgrundstück bei Ahausen. Unterstützt wird sie von ihrem Partner Herbert Mrowka, einem 73-jährigen Monteur aus dem Sauerland. Und Elli Wöbse wird schon ein wenig unruhig, wenn sie an das neue Jahr und die bisher noch fehlenden Müllsäcke denkt. Ordnung muss schließlich sein.

Inzwischen wartet die Rentnerin, die der Landkreis mit einem eher symbolischen Entgelt bezahlt, auf die Liste für das kommende Jahr. Aufhören mit dem Ausgeben von Abfallsäcken? Daran denkt Wöbse noch lange nicht, dafür liegt ihr dieses Tätigkeit zu sehr am Herzen, einschließlich der Zusammenarbeit, der Bekanntschaften und Freundschaften, die im Laufe der Jahre gewachsen sind.

Mehr zum Thema:

Immer mehr Wohnungslose in Deutschland

Immer mehr Wohnungslose in Deutschland

Van der Bellen neuer Präsident in Österreich

Van der Bellen neuer Präsident in Österreich

Weihnachtsmarkt in Nordwohlde

Weihnachtsmarkt in Nordwohlde

Klaus Allofs' Erfolge

Klaus Allofs' Erfolge

Meistgelesene Artikel

Rund 30 Jahre Löwen-Punsch

Rund 30 Jahre Löwen-Punsch

Raumordnung: 450 Einwände gegen Pläne

Raumordnung: 450 Einwände gegen Pläne

Diskussion im Rathaus über Umbenennung der Lent-Kaserne

Diskussion im Rathaus über Umbenennung der Lent-Kaserne

Zwei Unfälle auf der A1 - Vollsperrung Richtung Bremen

Zwei Unfälle auf der A1 - Vollsperrung Richtung Bremen

Kommentare