Das Geheimnis der Eispfütze

Ahauser Herbst: Julia Hahn und „ihre“ Wollfrauen

Mehr als vier Kilo Wolle galt es für die Damen aus Ahausen zu verarbeiten. - Foto: Diercks

Ahausen - Von Bettina Diercks. Der Winter lässt hoffentlich noch ein wenig auf sich warten. Doch beim Ahauser Herbst spielt eine zugefrorene Pfütze eine Rolle. Das Eis ist gesprungen und eingebrochen. Und, egal wie die Temperaturen am Wochenende der mittlerweile bedeutenden Kulturveranstaltung auch sein werden: Sie wird da sein, diese Eispfütze, bei der Weiß eine Rolle spielt.

Veredelt, gehegt und gepflegt wird die defekte Eisfläche seit Monaten von 15 Frauen aus Ahausen und der weiteren Umgebung, die sich eigentlich der Wolle verschrieben haben. Die spinnen mitunter. Vornehmlich Wolle. Vor allem aber Ideen und Geschichten. Im Kopf von Julia Hahn spukte es schon länger, das Gespenst, mit einer ausgefeilten Sache beim Ahauser Herbst anzutreten. Da kam die Eiszeit vergangenen Winter ganz recht. Und Ahausen als Ort des Geschehens, als Fundgrube für Steilvorlagen von Motiven und Geschichten. So spielt die unmittelbare Umgebung Hahns eine große Rolle beim Projekt. Vor allem auch Landwirtschaft und Natur.

Die Wollfrauen zwischen 23 und 70 Jahre alt mussten gar nicht lange gebeten werden, als Hahn sie nach ihrer Meinung fragte, am Ahauser Herbst teilzunehmen. „Da war klar: Wir müssen einen klaren Zeitplan machen, wann wir fertig sein wollen. Alle mussten Anleitungen schreiben.“ Und eher „nebenbei“ wurde gestrickt. Da trotz allem das Ergebnis irgendwie offen blieb, behielten die Frauen ihren Arbeitstitel „werWeiss“ bei.

„Die Gruppe ist Gold wert“, sagt Hahn. Für die Strickmädels steht jetzt schon fest: Nach dem Ahauser Herbst geht es weiter, ein neues Projekt soll her. Mittlerweile sind die Frauen so gut miteinander befreundet, dass sie sogar zusammen im Urlaub waren, auf Fanö (Dänemark) zu einem Strickfestival.

Für ihre Projektfarbe Weiß entschied sich die Gruppe, weil es ihnen Freiheit lässt, viel Raum für Strukturen und Formen bietet und nichts vorgibt. Wie ein unbeschriebenes Blatt Papier. Das Thema „schwarzweiß“ des Ahauser Herbstes folgte erst viel später. Ihren Rohstoff fanden sie in Süddeutschland. Das war ihnen wichtig. Von einer Merino-Landrasse, die in der Republik lebt und der es gut geht. Mehr als vier Kilo der naturweißen Strumpf- und Pulloverwolle verarbeiteten die 15 in Projekte und Objekte. Verwoben damit wurde, was Julia Hahn draußen entdeckt hat. Wer ein gutes Auge hat, kann bei einem Rundgang durchs und ums Dorf Parallelen entdecken – und verstehen, welche Gemeinsamkeit das Eisloch und eine Schiebermütze haben. Herausbekommen kann es, wer den Ausstellungsort „Am Felde 3“ im Rahmen des Ahauser Herbstes aufsucht.

www.ahauser-herbst.de

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