Alle Parteien sind zu Gesprächen bereit

Die CDU hat die freie Wahl

Die 30 Sitze für den Samtgemeinderat, der im Sottrumer Rathaus tagt, sind vergeben. Es gibt Gewinner und Verlierer, doch ab 1. November heißt es für alle: Sachlich zusammenarbeiten. - Foto: Tisemann

Sottrum - Von Jessica Tisemann. 61,53 Prozent der Wahlberechtigten in der Samtgemeinde Sottrum haben ihr Recht genutzt und ihre Stimme abgegeben. Die 30 Sitze im Samtgemeinderat sind damit vergeben, und dort gibt es ab dem 1. November – dann steht der offizielle Wechsel in den Parlamenten an – ein paar neue Gesichter zu sehen.

So ist zum Beispiel die WFB mit einem Kandidaten in den Samtgemeinderat eingezogen. Dass das so passieren würde, damit hatte die Partei im Vorfeld nicht unbedingt gerechnet. „Es war unser Ziel, wenigstens einen Kandidaten auf Samtgemeindeebene in den Rat zu bekommen, dass es jetzt geklappt hat, darauf bin ich sehr stolz“, erklärt Bernhard Goldmann, der die Partei im Samtgemeinderat vertritt.

Auf kommunaler Ebene geht es um die Sache

Der Politikneuling und Bauamtsleiter der Samtgemeinde Sittensen – er kennt die Abläufe einer Verwaltung also – ist gespannt, was nun auf ihn zukommt. Erst einmal lässt Goldmann seinen Erfolg nun sacken und wartet die kommenden Tage und Wochen ab – für Gespräche ist er allen Parteien gegenüber offen: „Auf der kommunalen Ebene geht es um die Sache und nicht um die Parteien.“

Das sehen auch die anderen gewählten Kommunalvertreter so. Marco Körner (Grüne) ist es wichtig, dass er und seine Mitstreiter sich konstruktiv einbringen. Dass die Partei keine große Rolle auf der kommunalen Ebene spielt, zeigt der Reeßumer an dem Beispiel der Bürgerliste Wiestedörfer (BLW), die in der Gemeinde angetreten ist. „Es geht auf dieser Ebene um Vernunftsentscheidungen, nicht um Parteientscheidungen“, so Körner.

Über sein eigenes Ergebnis ist der Bauingenieur übrigens ein wenig überrascht. „Ich habe schon damit gerechnet, dass ich wieder in den Samtgemeinderat gewählt werde, aber dass das so deutlich wird, hätte ich nicht gedacht.“ Nur die amtierenden Bürgermeister der Gemeinden und der Landtagsabgeordnete der FDP, Jan-Christoph Oetjen, haben mehr Stimmen geholt. „Das ist ein Zeichen, dass die Bevölkerung sieht, dass man etwas tut und sie das wertschätzt“, sagt Körner.

Den Verlust von zwei Sitzen auf Samtgemeindeebene sieht Körner als Folge des Höhenflugs vor fünf Jahren durch die Atomkatastrophe in Fukushima. Dadurch hätten die Grünen damals auf allen Ebenen einen deutlichen Stimmenzuwachs bekommen. „Mit den vier Sitzen können wir zufrieden sein“, so Körner.

Mit Verlusten steht auch die SPD da. Einen Sitz müssen die Sozialdemokraten abgeben. „Wir müssen akzeptieren, dass sich nun neue Mehrheiten bilden können“, sieht Klaus Dreyer das Ergebnis relativ nüchtern. Er habe nicht erwartet, dass die Partei so an Stimmen verliert, „weil wir eine gute Arbeit geleistet haben“. Doch die Geschehnisse in der Gemeinde Sottrum hätten der Partei in Gänze geschadet. Trotzdem sieht Dreyer der Zukunft positiv entgegen: „Es wird zwar überall schwieriger Mehrheiten zu bilden, aber das macht auch gerade den Reiz aus, dass man sich nun zusammenfinden muss.“

Ein Grund, der klare Mehrheitsverhältnisse schwieriger macht, sind die kleinen Parteien. Neben der WFB hat auch der Verein Politik ohne Partei (PoP) sich mit Robert Abel erneut einen Sitz im Rat geschnappt. „Leider bin ich der einzige Kandidat, der es in den Samtgemeinderat geschafft hat, obwohl PoP den Stimmenanteil in der Samtgemeinde verdoppelt hat“, sagt Abel.

Wie es nun weitergeht, bleibe abzuwarten. „Es ist interessant zu sehen, für wen sich die CDU für die Mehrheit entscheidet“, so Abel. Doch einer erneuten Zusammenarbeit mit der FDP steht für Abel nichts im Weg, auch wenn die FDP sogar zwei Sitze im Samtgemeinderat bekommen hat. „Da sehe ich keine großen Schwierigkeiten in der Zusammenarbeit“, versichert Abel, der bereits mit Jan-Christoph Oetjen gesprochen habe.

Oetjen und Abel wollen weitermachen

Auch der Landtagsabgeordnete gibt zu, dass er gerne weiterhin mit Abel auf Samtgemeindeebene zusammenarbeiten will. „Ich habe keine Sorge, dass das nicht funktionieren könnte.“ Alles andere werde sich in den kommenden Tagen und Wochen zeigen. Dass es für die FDP in diesem Jahr sogar für einen zweiten Sitz im Samtgemeinderat reicht, war für Oetjen recht schnell klar. „Als ich die Ergebnisse der Gemeindewahl in Sottrum gesehen hab, hab ich mir schon gedacht, dass wir zwei Sitze bekommen“, erklärt Oetjen. Auch die FDP hat von den Verlusten der anderen Parteien profitiert. „Parteien, die sich streiten, wählt man nicht“, fasst der Sottrumer kurz und knapp zusammen. Die Situation zwischen Rot-Grün auf der Ebene der Gemeinde Sottrum, habe sich auch auf das Ergebnis der Samtgemeindewahl ausgewirkt.

Oetjen habe sich über die generelle Zusammenarbeit auf Samtgemeindeebene noch keine Gedanken gemacht. „Die CDU ist die stärkste Kraft, die Mitglieder müssen nun sehen, was sie wollen. Wir stehen für Gespräche bereit.“

Die Wahl in Sottrum

Der Ball liegt nun also in der Hälfte der Christdemokraten. Als stärkste Fraktion mit 12 von 30 Sitzen im Samtgemeinderat steht es ihnen zu, die Gespräche mit den anderen Parteien zu suchen. Und das soll auch so schnell wie möglich passieren, versichert Hans-Jürgen Krahn. Zunächst gehe es darum, mit den Parteien zu sprechen und zu gucken, welche Mehrheiten sich finden lassen. „Grundsätzlich wollen wir aber mit allen zusammenarbeiten, ohne die Parteibrille“, betont Krahn.

Lange Zeit will sich die CDU dabei nicht lassen. „Wir haben genügend Aufgaben in der Samtgemeinde zu erledigen, das kann nicht ins Stocken geraten.“ Krahn ist wichtig, dass es nicht zu Verwerfungen unter den Mitgliedern des Samtgemeinderates kommt. „Das hatten wir in der Vergangenheit genug. Das brauchen wir nicht mehr.“

Lesen Sie dazu einen Kommentar von Jessica Tisemann

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