Gemeinderat in Hellwege berät über Einbau einer Sohlgleite an der Schleuse IV

Weg frei für Fische

So ähnlich könnte es bald auch in Hellwege an der Schleuse IV aussehen. - Foto: Diercks

Hellwege - Von Inken Quebe. Viel fehlt nicht mehr, dann ist die Wümme über die Weser bis zur Nordsee vollständig durchgängig. Ein weiterer Schritt zu diesem Ziel wäre der Einbau einer Sohlgleite und die Umgestaltung der Schleuse IV in Hellwege. Damit die Planung beim Niedersächsischen Landesbetrieb für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz (NLWKN) in Verden vorankommt, ist nun noch die Gemeinde Hellwege gefordert, eine Stellungnahme dazu abzugeben. Der Grundstein dafür wurde in der Ratssitzung am Mittwochabend gelegt.

Gut zwei Wochen ist es erst her, dass sich der Rat in Hellwege neu konstituiert hatte, da mussten die Kommunalpolitiker erneut zu einer Sitzung anrücken. Die Kurzfristigkeit hatte einen besonderen Hintergrund: Noch bis Sonntag muss das NLWKN nämlich eine Stellungnahme der Gemeinde zu dem Einbau einer Sohlgleite der Schleuse IV erreichen.

Laut Niedersächsischen Fließgewässerschutzsystem ist die Wümme als Hauptgewässer der ersten Priorität eingestuft. Sie hat dadurch den Rang einer überregionalen Wanderroute. „Die Wiederherstellung der Durchgängigkeit für Fische und Wirbellose in der Wümme ist deshalb ein vorrangiges Ziel in der Fließgewässerentwicklung in Niedersachsen“, heißt es in der Beschlussvorlage zur Ratssitzung. Begonnen wurde damit bereits 1990. Geld für das Projekt gibt es aus einem EU-Förderprogramm.

Um die Kommunalpolitiker von dem Vorhaben zu überzeugen und den Ablauf der Maßnahme zu erläutern, war der Betriebsstellenleiter des NLWKN in Verden, Werner Kochta, gekommen. Er machte deutlich, dass sich an den Wasserständen der Wümme nicht viel ändern werde, außer, dass das Niedrigwasser etwas höher wäre und das Hochwasser etwas niedriger. Mindestens 30 bis 40 Zentimeter soll der Wasserstand mit der neuen Sohlgleite betragen, „um die Durchgängigkeit für Tiere zu gewährleisten“, so Kochta. Auch für Kanufahrer sei die Wümme dann noch befahrbar.

Im Oktober 2017 soll es also der Schleuse IV an den Kragen gehen. Zunächst soll die Stauanlage Schleuse IV entfernt werden. Diese ist mit den Betonelementen einer Brücke verbunden. „Da diese Straßenverbindung weiterhin Bestand haben muss, werden lediglich die Stauklappen inklusive Führungsgestänge und Antriebsarmaturen entfernt und der entsprechende Energiehöhenunterschied in der Wümme über eine Sohlgleite unterhalb des Bauwerkes abgefangen“, hieß es.

Während der Baumaßnahme würde der Tierbestand über einen Umfluter geleitet. Noch im Winter müssten aber einige Büsche entfernt werden, damit dieser angelegt werden kann. Wenn es die eigentliche Maßnahme losgeht, muss die Wümme auf einer Länge von etwa 200 Metern leerlaufen. Vorher würde das Stück abgedichtet und die Tiere aus dem Wasser geholt. Kochta versicherte: „Es wird kein Boden abtransportiert, es werden nur Steine herangebracht.“

Auf wenig Gegenliebe stieß das Projekt bei Hans Hinrich Willenbrock. „Das Wasser fehlt uns ja jetzt schon“, so der CDU-Politiker. Ein Regengraben an der Wümme sei trocken. Er verlieh seiner Sorge Nachdruck: „Die Wümme läuft leer. Das kann nicht funktionieren.“ Kochta widersprach dem. Die Sohlgleite sorge nur dafür, dass es weniger Hochwasser in der Fläche gebe. Warum der Regengraben aber leer sei, wusste auch der Fachmann nicht. Allerdings hatte Bürgermeister Wolfgang Harling (SPD) einen Lösungsansatz: „Es war ein extrem trockenes Jahr.“

Kochta stellte in Aussicht, dass an der Sohlgleite nachgebessert wird, wenn sich der erhoffte Wasserstand nicht einstellt. Das war bereits im Frühjahr an der ehemaligen Schleuse V geschehen. Und genau daher rührt laut Harling auch die Skepsis im Rat. „Der Verband hat zugesagt, nachzubessern. Das haben wir an der Schleuse V gemacht. Der Erfolg hat sich eingestellt“, so Kochta.

Dem Entwurf der Stellungnahme stimmten die Ratsmitglieder einstimmig zu. Auch wenn die endgültige Fassung noch ausgearbeitet wird, zumindest eine wichtige Forderung – „Der Wasserstand muss gehalten werden“ – fließt ein. So viel stand am Mittwochabend fest. Und wenn diese nicht eintritt, muss der NLWKN wohl wieder nachbessern.

Mehr zum Thema:

Hannover festigt Rang drei - St. Pauli holt Punkt

Hannover festigt Rang drei - St. Pauli holt Punkt

Weihnachtsmarkt in Diepholz

Weihnachtsmarkt in Diepholz

Mitmachtag der Kita Dörverden

Mitmachtag der Kita Dörverden

Unfälle auf der A1 in Richtung Bremen

Unfälle auf der A1 in Richtung Bremen

Meistgelesene Artikel

Diskussion im Rathaus über Umbenennung der Lent-Kaserne

Diskussion im Rathaus über Umbenennung der Lent-Kaserne

Kreisumlage wieder im Fokus: Zurück auf 49 – mindestens

Kreisumlage wieder im Fokus: Zurück auf 49 – mindestens

Mann nach Unfall auf Grünabfallsammelplatz schwer verletzt

Mann nach Unfall auf Grünabfallsammelplatz schwer verletzt

32-Jähriger fährt gegen Baum und stirbt

32-Jähriger fährt gegen Baum und stirbt

Kommentare