Heimatverein Ahausen beteiligt sich erstmals am Kinderferienprogramm

Facettenreiche Wolle

Dierk Cordes zeigt, wie gedengelt wird.

Ahausen - Es war eine Premiere: Zum ersten Mal hat sich der Heimatverein Ahausen am Kinderferienprogramm der Samtgemeinde Sottrum beteiligt. Gleichzeitig nutzten die Ehrenamtlichen diesen Anlass dazu, einen Tag des „Alten Handwerks“ zu veranstalten, ebenfalls ein Debüt.

Im Mittelpunkt stand das Thema „Wolle“ in allen Facetten. Bärbel Lüßen von der Spinngruppe aus Sottrum hatte original Schaf-Felle, sogenannte Vlies mitgebracht. Die wurden in Zementkübeln mit einem historischen Spezialgerät gewaschen. Geduldig erklärte sie Jung und Alt den Werdegang der Wolle vom Schaf bis zur Socke. Sie verriet außerdem, dass sie die Felle erstmal in der Regentonne lässt und sie dadurch fast von selbst vorgewaschen werden. Die Regentonnen werden regelmäßig entleert, das neu nachlaufende Regenwasser ist der nächste Waschgang. Zuvor hat sie die im Vlies befindlichen groben Sachen wie Schafködel, Kletten und Grasähren mit der Hand rausgezupft.

Originalgetreu wurden die gewaschenen Vliese auseinandergezupft und bündelweise auf großen Leinentüchern zum Trocknen ausgelegt. Gleich nebenan zeigten zwei Frauen, wie sie mit Fallspindeln die Wolle zu Garn sponnen. In der einen Hand wird dabei Wolle gehalten, die andere dreht abwechselnd die Spindel oder zupft aus dem Faservorrat die benötigte Menge, um einen Faden zu erhalten. Mit den bekannteren Spinnrädern war eine Gruppe Engagierter in die Durchfahrt der Scheune gezogen und zeigte dort, wie Garn gesponnen wird.

Der Hexenkessel im Kleinformat offenbarte eine Ihgitt-farbene Brühe. Beim genauen Hingucken war zu erkennen, dass Rainfarn darin köchelte und mit ihm ein paar Knäuel Wolle. An dieser Station erklärte Julia Hahn, mit welchen Naturutensilien sie ihre Fasern färbt. Von diesem Wissen zeigten sich selbst Seniorinnen beeindruckt, die die ganzen Vorgänge noch aus ihrer Kindheit kannten.

Auf dem Boden zwischen Backhaus und Durchfahrtlängsscheune saß Dierk Cordes und zeigte, wie eine Sense gedengelt, also wieder richtig scharf gemacht wird. Alexandra Niederee hatte gleich zehn Kinder unter ihren Fittichen. Sie flocht mit ihnen Körbe und schüttelte mit ihnen aus Milch frische Butter. Wer keine Lust mehr auf Schütteln und Flechten hatte, fand sich zum Beispiel bei den Spinnerinnen, beim Wäschewaschen oder an der Hobelbank wieder.

Vereinsvorsitzender Carsten Kaßburg stellte erstaunt fest, dass Ahausen offenbar eine Hochburg der Webstühle ist: Am Samstag bekam der Verein einen Weiteren als Schenkung angeboten. Komplett, gut erhalten und voll einsatzfähig. Damit kommt der Verein vielleicht seinem Traum näher, irgendwann eine Webgruppe zu gründen.

Neben einem lebendigen Dorfmittelpunkt, zu dem sich der Verein mit seinem Gelände und Gebäudeensemble entwickelt, scheint er langsam genug Material für ein Ahauser Dorfmuseum zu haben.

Von Bettina Diercks

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