Julian Loh übernimmt Vorsitz

Erste Entscheidungen im Rat der Samtgemeinde

Hermann Holsten (l.) und Klaus Dreyer (r.) sind vom Samtgemeinderat zu gleichberechtigten Stellvertretern des Samtgemeindebürgermeisters Peter Freytag gewählt worden. - Foto: Tisemann

Sottrum - Von Jessica Tisemann. Die konstituierende Sitzung des Sottrumer Samtgemeinderates hat noch gar nicht richtig angefangen, da muss die Verwaltung schon hart arbeiten: Tische schleppen ist angesagt.

Generell ist es etwas eng bei der ersten Sitzung, wie gut, dass sich alle Ratsmitglieder so gut verstehen, denn es ist erst einmal Kuscheln angesagt. Und ein wenig Verwirrung steht den elf neuen Ratsmitgliedern auch ins Gesicht geschrieben: „Wo sitze ich denn überhaupt?“, taucht dabei nicht nur einmal als Frage auf.

An der Verteilung der Fraktionen im Rathaussaal dagegen hat sich nicht viel geändert, CDU und SPD sitzen sich gegenüber, die Grünen nehmen neben den Sozialdemokraten Platz, die neu gefundene Fraktion aus FDP/PoP/WFB setzt sich zu den Christdemokraten. Alles also gar nicht so schwierig – nur eng ist es nach wie vor.

Plötzlich ein dritter Kandidat

Eng wäre es auch beinah bei der Wahl der stellvertretenden Samtgemeindebürgermeister geworden. Zu den zwei Vorschlägen der CDU (Hermann Holsten) und SPD (Klaus Dreyer) zaubern auf einmal auch die Grünen mit Stefan Heinrich einen Kandidaten aus dem Hut. Damit scheint keiner gerechnet zu haben, denn es wird auf einmal recht wuselig im Ratssaal. Die Verwaltung muss neue Stimmzettel auftreiben, Hans-Jürgen Krahn (CDU) schwört seine Parteikollegen ein, zusammenzuhalten, die Mitglieder der Fraktion FDP/PoP/WFB tauschen verwirrte Blicke aus.

Doch am Ende geht bei der geheimen Abstimmung für die großen Parteien alles gut aus. In der ersten Runde sichert sich Hermann Holsten 27 der 31 Stimmen, die restlichen vier entfallen auf Klaus Dreyer. Dieser setzt sich in der zweiten Runde mit 21 Stimmen gegen Stefan Heinrich (fünf Stimmen) durch. Fünf Ratsmitglieder enthalten sich. Während sich Holsten für das „deutliche Signal“ bedankt, führt Klaus Dreyer seinen Dank nach der Wahl etwas weiter aus. „Ich setze mich auch für die ein, die mich jetzt nicht gewählt haben. Wir brauchen kein Parteibuch, wir brauchen Kraft, um die Samtgemeinde gemeinsam voranzubringen.“

Julian Loh einstimmig gewählt

Einfacher läuft es da bei der Wahl des Ratsvorsitzenden. Alle Arme heben sich beim Namen Julian Loh, den die CDU als einzigen Kandidaten aufgestellt hat. „Wir haben in der Samtgemeinde immer sachlich und fair zusammengearbeitet, und unter den Schlagwörtern möchte ich auch den Ratsvorsitz übernehmen“, betont Loh nach der Wahl.

Wolfgang Harling (SPD) kann sich einen kleinen Seitenhieb im Vorfeld der Abstimmung auf die Christdemokraten aber nicht verkneifen. „Wir akzeptieren die Mehrheit der CDU und unterstützen Julian Loh. Ich hoffe aber, ihr denkt bei der Wahl der Stellvertreter daran, wer die zweitstärkste Fraktion ist“, so der Hellweger Bürgermeister. Das klappt. Mit Ilse Behrens stellt die SPD die erste stellvertretende Ratsvorsitzende, die auf einen guten Austausch mit Loh hofft. Den Posten des zweiten Stellvertreters übernimmt Jan-Christoph Oetjen (FDP).

Die Benennung der Ausschussmitglieder und Vorsitzenden ist dann reine Formsache. Nachdem man sich drauf einigt, die bisher bestehenden Ausschüsse so beizubehalten, geht es nur noch an die Verteilung der Posten. Die Grünen und auch die Fraktion FDP/PoP/WFB entscheiden sich, keinen Anspruch an einen der Vorsitze zu erheben, dieser fällt damit der CDU zu. Somit hat die CDU bei drei, die SPD bei zwei Ausschüssen den Vorsitz inne.

Kommentar: Einer bleibt auf der Strecke 

Von Jessica Tisemann. Die Grünen zaubern plötzlich einen Kandidaten für den stellvertretenden Samtgemeindebürgermeister aus dem Hut. Damit hat scheinbar keiner aus den anderen Fraktionen gerechnet, das war nicht abgesprochen.

Dass es bereits vor einer konstituierenden Sitzung Gespräche zu bestimmten Posten gibt, ist klar. Wer davor die Augen verschließt, hat keine Ahnung vom politischen Geschäft, doch davon darf man sich nicht so überrumpeln lassen. Was aber war das für eine Aktion von den Grünen? Warum auf einmal ein eigener Kandidat für den Posten des Stellvertreters? 

Es war im Vorfeld klar, dass die Chancen aussichtslos sind. Die Grünen stellen Stefan Heinrich trotzdem auf, es ist ihr demokratisches Recht. Sie tun es, ihm damit aber keinen Gefallen. Die beiden großen Parteien halten zusammen und bringen ihre beiden Kandidaten durch. Auf der Strecke bleibt mit Stefan Heinrich ein Grünen-Politiker, der in der ersten Runde nicht einmal eine einzige Stimme bekommt. 

Ein gutes hat das Abstimmungsverhalten dann aber doch: CDU und SPD sind sich einig und bereit zusammenzuarbeiten. Das kann für die kommenden fünf Jahre nur Gutes bedeuten. Warten wir ab, wie lange das Band bestehen bleibt.

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