Rotenburger Gitarrenwoche

Künstler und Instrument: zur Einheit verschmolzen

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Für seine Version der Chaconne von Bach erhält Tomasz Zawierucha viel Zuspruch aus dem Publikum.

Ahausen - Von Bettina Diercks. Welten lagen zwischen den beiden Solo-Konzerten der Rotenburger Gitarrenwoche in Ahausen. Dabei liegt – geographisch gesehen – nur die Slowakei zwischen Ungarn und Polen. Aus diesen beiden Ländern kamen die Solisten. Aber die Darbietungen von Józef Eötvös und Tomasz Zawierucha unterschieden sich nicht einfach nur in ihren Werken unterschiedlicher Komponisten.

Bach hatte Zawierucha am Freitagabend in der Ahauser Marien-Kirche allerdings ebenfalls dabei und bekam dafür besonders viel Zuspruch vom Publikum. Er hatte die Chaconne für Gitarre in d-Moll aus BWV 1004 einstudiert, die spieltechnisch hohe Anforderungen stellt – was Zawierucha nicht anzumerken war, der förmlich mit seiner Gitarre verschmolz. Das Timbre seiner Gitarre und sein Stil zu spielen, vermittelte eine solche Leidenschaft und ergab eine emotionale Klangfülle mit der für Bach typischen höfischen Eleganz. Betörend und tief berührend war das ausdrucksstarke aber gefühlvolle Spiel Zawieruchas, und die Kirche wurde durch die unglaubliche Reihenfolge der Variationen mit einer einzigartigen Atmosphäre erfüllt, sodass es im Bauch zu kribbeln begann. Was für ein Erlebnis! Wer bis hierhin noch kein Fan von Gitarrenmusik war, konnte es aufgrund des Bach’schen Stückes werden, solch ein imposantes Werk ist es.

Geradezu zerstörerisch wirkte anschließend „Nocturnal after John Dowland“ op. 70 von Benjamin Britten. Das Werk gilt als phantasievolles Meisterwerk, passte aber so gar nicht in das bis dahin dargebotene Programm: Spanische Leichtigkeit und Dramaturgie der Komponisten Francisco Tárrega und Enrique Granados sowie des polnisch-französischen Komponisten Aleksandre Tansman, dessen Werke gleichzeitig reich und zurückhaltend an Melodie, sowie von Jazz, spanischen sowie polnischen Einflüssen gekennzeichnet sind. Nach so viel Harmonie hatte Brittens düstere Komposition etwas tief Verwirrendes, wenngleich vom Können her anspruchsvoll. Schön ist, dass Britten – und damit Zawierucha – zum Schluss das Flehen um den „tiefen Schlaf“ noch friedvoll gestaltet und seine Zuhörer beruhigt entlässt.

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