Podiumsdiskussion an der Sottrumer Oberschule

Ein blutig erkämpftes Privileg

+
Die Politiker haben sich den Fragen der Sottrumer Oberschüler gestellt. 

Sottrum - Von Inken Quebe. Für viele junge Menschen geht es am Sonntag das erste Mal an die Wahlurne, auch für Schüler der Sottrumer Schule an der Wieste. Ganz unvorbereitet wollte das Kollegium die Jugendlichen dorthin aber nicht lassen und hat deshalb ein paar Politiker zu einer Podiumsdiskussion eingeladen.

„Wir wollen die Schülern motivieren, wählen zu gehen“, erklärte Frank Embers, Fachleiter für Politik an der Oberschule. Das sei zwar auch schon im Politikunterricht Thema, es gebe auch einen Ausflug zum Landtag. Bei dieser erstmaligen Veranstaltung sollte aber das Wissen auf kommunaler Ebene vertieft werden. „Die Schüler fühlen sich noch nicht fit. Mit dem Angebot heute wollen wir Meinungsfindung ermöglichen“, so Embers.

Grundlage für Diskussionen

Bevor die Schüler – meistens Zehntklässler, aber auch einige Neuntklässler, die schon wählen dürfen – aber in eine Diskussionsrunde mit den Kommunalpolitikern gingen, haben diese die Klassen aufgesucht. So sollten die Jugendlichen schon im kleinen Rahmen mit ihnen ins Gespräch kommen, so Embers. „Dabei sollte die Person und das Wahlprogramm vorgestellt werden“, berichtete er. Außerdem sollte damit die Grundlage für die anschließende Diskussionsrunde geschaffen werden. Vor allem sollte es um Sachthemen gehen, die eine Bedeutung für die Samtgemeinde haben.

Und doch interessierten die Jugendlichen in der 45-minütigen Diskussion dann doch „große“ politische Themen – allen voran wie in beinahe jeder Talkrunde ging es um die Flüchtlingssituation und die AfD aber auch um eine mögliche Legalisierung von Cannabis. Gerade bei Letzterem gab es die größeren Unterschiede zwischen den Parteien. Während sich beispielsweise Robert Abel (Politik ohne Partei, PoP) gegen eine Ausweitung über den Eigenbedarf hinaus aussprach, war Jan-Christoph Oetjen (FDP) der Meinung: Lieber eine kontrollierte Freigabe über Apotheken als unkontrollierte Illegalität. 

Eine „Coffeeshop-Szene wie in Amsterdam“ lehnte er aber ab. Damit stimmte im Wesentlichen auch Hans-Jürgen Krahn (CDU) überein – im Gegensatz zur CDU im Allgemeinen. Wolfgang Harling (SPD) warnte dagegen vor den Folgen des Marijuana-Konsums und berichtete von Beispielen aus seiner Zeit als Polizeibeamter. Die Reaktionsfähigkeit sei so sehr gemindert, dass ein Konsument zwei, drei Tage nichts in einem Auto zu suchen habe.

Auseinandersetzen mit AfD-Wahlprogrammen

In Bezug auf die AfD, die auf Kreisebene antritt, warben die Parteivertreter dafür, sich mit Wahlprogramm der Rechtspopulisten auseinanderzusetzen. „Das machen viele AfD-Wähler nicht“, so Ulrich Thiart (Grüne), „man muss so viel aufklären wie möglich.“ Aus Sicht von Jürgen Schlobohm (WFB) putsche die AfD die Menschen nur auf. Harling und Krahn sahen Versäumnisse der großen Parteien, die beispielsweise auf die Flüchtlingssituation keine richtige Antwort gegeben hätten. 

„Die AfD operiert mit Ängsten“, so Harling. Aufgabe der anderen Parteien sei es, so Oetjen, andere Lösungen zu bieten und aufzuklären. Wichtig sei es auch, rechtem Gedankengut keinen Raum zu geben und den Mund aufzumachen, wenn jemand ausgegrenzt werde, erklärte Abel.

Die Politiker verbanden die Veranstaltung auch mit dem Appell, vom blutig erkämpften Wahlrecht Gebrauch zu machen. „Euer Lebensumfeld wird durch die Kommunalpolitik bestimmt“, so Thiart. Gerade weil mehr als die Hälfte der Erdbevölkerung nicht wählen kann, sei das Wahlrecht ein Privileg, so Krahn. Er und Harling ermutigten dazu, sich selbst zum Beispiel im Verein zu engagieren und die Gemeinde mitzugestalten. Und Robert Abel hatte eine ganz bestimmte Wahlempfehlung: „Wählt, was am besten zu euch passt. Hauptsache nicht die AfD.“

Lesen Sie auch:

Schüler fühlen Politikern auf den Zahn

Mehr zum Thema:

Van der Bellen gewinnt Präsidentschaftswahl in Österreich

Van der Bellen gewinnt Präsidentschaftswahl in Österreich

Van der Bellen neuer Präsident in Österreich

Van der Bellen neuer Präsident in Österreich

Tödliche Schüsse auf Lokalpolitikerin und zwei Journalistinnen

Tödliche Schüsse auf Lokalpolitikerin und zwei Journalistinnen

Weihnachtliche Kulturtage in Syke

Weihnachtliche Kulturtage in Syke

Meistgelesene Artikel

Zwei Unfälle auf der A1 - Vollsperrung Richtung Bremen

Zwei Unfälle auf der A1 - Vollsperrung Richtung Bremen

Diskussion im Rathaus über Umbenennung der Lent-Kaserne

Diskussion im Rathaus über Umbenennung der Lent-Kaserne

Kreisumlage wieder im Fokus: Zurück auf 49 – mindestens

Kreisumlage wieder im Fokus: Zurück auf 49 – mindestens

Kommentare