Bürgermeister über Nachwuchsprobleme

Ein Appell an die junge Generation

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Einen ganzen Abend in den Räumen des Sottrumer Rathauses verbringen? Viele junge Menschen können es sich nicht vorstellen, sich für die Arbeit in den Gemeinderäten zu engagieren. 

Sottrum - Von Jessica Tisemann. Die Kommunalwahlen rücken näher, die Kandidatenlisten stehen fest. Doch immer noch ist es ein Problem, vor allem junge Menschen für die Arbeit in der Kommunalpolitik zu begeistern. Einige der ehrenamtlichen Bürgermeister der Mitgliedsgemeinden versuchen zu erklären, woran genau es hapert und wie sie die Menschen besser erreichen möchten.

Die Bürgermeister aus den Gemeinden Sottrum, Hassendorf, Hellwege, Ahausen und Horstedt sind sich einig: Es gibt zu wenig junge Menschen, die sich kommunalpolitisch engagieren. Doch eine wirkliche Lösung des Nachwuchsproblems haben auch die erfahrenen Politiker nicht sofort auf dem Zettel, ein paar Gedanken haben sie sich aber bereits gemacht.

Ehrenamtliches Engagement wird gesucht

„Es ist generell schwierig, Menschen zu finden, die sich ehrenamtlich engagieren. Dazu zählt auch die Kommunalpolitik“, verdeutlicht Sottrums Bürgermeister Hans-Jürgen Krahn (CDU) die momentane Situation. Das sieht sein Hassendorfer Amtskollege Klaus Dreyer (SPD) ähnlich: „Es gibt zwar Personen, die bereit sind, für kurze Zeit etwas zu machen, aber sich für fünf Jahre wählen zu lassen, ist dann noch mal etwas anderes.“ Vor allem Schüler zieht es nach dem erfolgreichen Abschluss oftmals ohnehin erst einmal weg aus der Heimat.

Manchmal scheitert es schon an viel pragmatischeren Dingen. „Viele glauben, dass sie keine Zeit neben der Familie haben, und ich kann das auch nachvollziehen, dass man die Kinder gerne abends ins Bett bringen und ihnen vorlesen möchte“, sagt Michael Schröck (SPD), Bürgermeister in Horstedt. „Aber nicht an jedem Abend sind Sitzungen für die Gemeinde“, betont Schröck weiter.

Doch auch die Berufswahl hat oftmals schon einen Einfluss auf ein mögliches ehrenamtliches Engagement. „Der Druck auf Berufstätige wird immer größer, sie arbeiten viel und auch nicht unbedingt immer im näheren Umkreis des Heimatortes“, zeigt Ahausens Bürgermeister Claus Kock (CDU) ein weiteres Problem auf. Das sei auch nicht nur ein Problem der Politik, sondern auch in Vereinen oder bei der Freiwilligen Feuerwehr, die auf die Ehrenamtlichen angewiesen sind.

Politik braucht junge Menschen

Um es aber auch Berufstätigen, die vielleicht in Hamburg oder Bremen arbeiten, möglich zu machen, sich einzubringen, sind die meisten Rats- und Ausschusssitzungen in den Gemeinden auf die Abendstunden festgesetzt – eine Möglichkeit, damit auch die jungen Menschen die Chance haben, ihre Fähigkeiten einzubringen.

Denn die Politik braucht die junge Generation. „Die Demokratie lebt davon, dass sich auch junge Menschen engagieren“, betont Kock. Klaus Dreyer sieht das ähnlich: „Wir machen heute die Politik für die jungen Menschen. Wir können nur immer wieder appellieren, dass sie sich auch engagieren.“

Aber wie kann man es schaffen, dass die Kommunalpolitik auch für Berufstätige, Familienväter oder Studenten attraktiver wird? „Es ist nicht das Problem, junge Menschen für die Politik zu interessieren“, glaubt Schröck. „Wenn man sie für politische Fragen interessieren will, muss man sie dort aufsuchen, wo sie sich aufhalten“, zeigt Hellweges Bürgermeister Wolfgang Harling (SPD) eine mögliche Herangehensweise auf. Es sei für jeden gleichermaßen wichtig, den jeweiligen Ort voranzubringen, daher könne man nur immer wieder auch an die junge Generation appellieren, sich einzubringen, macht auch Hans-Jürgen Krahn deutlich.

Generell könne es helfen, die Bevölkerung vermehrt in Projekte einzubinden. „Die Arbeit im Gemeinderat ist schon viel transparenter geworden, und auch die Sitzungen sind gut besucht“, so Claus Kock. Junge Menschen seien aber leider auch dort nicht anzutreffen. Projekte, an denen sich auch Jugendliche beteiligen können, gibt es in allen Gemeinden. Das prominenteste Beispiel ist dabei der Skaterpark am Jugendtreff in Sottrum, der die Gemeinde bereits seit einiger Zeit beschäftigt – das nötige Geld für die Investition muss auifgebracht werden.

Was allerdings gar nicht geht: Immer über die Politik meckern, sich selbst aber nicht engagieren oder richtig informieren. „Man kann sich nicht immer nur beschweren. Wenn man mitmacht, bekommt man auch einen Einblick in die Arbeit, ist besser informiert und kann mitreden“, findet Claus Kock.

Das sehen auch die anderen Bürgermeister so. „Wenn man sagt, dass die Politik etwas nicht richtig macht, muss man sich selbst engagieren“, so Schröck. Hans-Jürgen Krahn erkennt ein Problem der Unzufriedenheit. „Wenn im Bund etwas entschieden wird, hat das immer Auswirkungen auf die Basis. Aber auf der kommunalen Ebene spielen die Parteien keine Rolle.“

Ein paar Lösungsansätze haben die Bürgermeister aber bereits im Kopf. „Man muss das Ehrenamt attraktiver gestalten“, so Klaus Dreyer. Ihm schweben zum Beispiel Notizen in Zeugnissen von Schülern vor, die sich eingebracht haben. Wolfgang Harling bietet Interessierten beispielsweise an, unverbindlich selbst mitzuarbeiten. Diese Möglichkeit gibt es auch in den anderen Gemeinden. Eine Teilnahme an Fraktionssitzungen zum Beispiel oder einfach der Besuch einer Rats- oder Ausschusssitzung können vielleicht das Interesse wecken. Zumindest bekommt man so einen Einblick in die Arbeit der Kommunalpolitiker.

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