Der 16-jährige Milad aus Afghanistan berichtet über seine Flucht

Mal mit dem Auto, mal stundenlang zu Fuß

Milad (Mitte) freut, sich in Deutschland untergekommen zu sein.
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Milad (Mitte) freut, sich in Deutschland untergekommen zu sein.

Sottrum - Von Bettina Diercks. 113 minderjährige Flüchtlinge leben derzeit im Landkreis Rotenburg. Der Großteil von ihnen in Jugendhilfe-Einrichtungen. Einige schafften es, bei Verwandten unterzukommen, die ersten durften bei Pflegefamilien einziehen. So, wie der 16-jährige Milad aus Afghanistan. Er lebt in einem Dorf in der Samtgemeinde Sottrum.

Einen Monat war er unterwegs, erzählt Milad. Von Afghanistan flüchtete er über den Iran in die Türkei. „Mal zwei oder drei Stunden mit dem Auto, dann zehn Stunden zu Fuß“, sagt der Jugendliche. Und das immer im Wechsel. So etwa müsse man sich seine Reise vorstellen.

Endlich in Nürnberg angekommen, wurde er in einen Bus nach Visselhövede gesetzt. Dort kam er am 24. Oktober an. Seit dem 11. Dezember wohnt er bei Uta und Thomas Meyer (Name von der Redaktion geändert). Sie hatten sich auf eine Anzeige des Landkreises gemeldet, dass sie Interesse daran hätten, einen minderjährigen Flüchtling bei sich aufzunehmen. Zu ihrer Motivation sagen sie: „Unsere Kinder sind aus dem Haus, wir haben genügend Platz. Auch eine afghanische Mutter lässt ihren Sohn nicht einfach so 1000 Kilometer alleine ziehen.“ Jetzt reden sie viel. Auch über die Situation in Afghanistan und die Reise.

Nach eindringlicher Prüfung und Gesprächen mit den zuständigen Behördenmitarbeitern, durften sich Meyers und Milad kennen lernen. Erste persönliche Gespräche, alles auf Englisch, dann der erste gemeinsame Abend im Haus der Meyers, zum Pizzaessen, dann das erste lange Wochenende mit zwei Übernachtungen.

Noch einmal hakten die Behörden nach. Beide Parteien wollten es miteinander versuchen. „Er ist ein ganz normaler Jugendlicher“, sagt Uta Meyer. Verliert sein Lieblingsfußballverein FC Chelsea, dann hat er schlechte Laune und morgens, wenn er zur Schule muss, braucht er schon mal die Aufforderung „Steh auf“.

Meyer kennen das von ihren Kindern. Ihr Sohn ist mittlerweile 24 und für Milad wie ein großer Bruder, den er sich immer gewünscht hat. Er freut sich immer, wenn der Student nach Hause kommt. Dann spielen sie gemeinsam Playstation. Ist er nicht da, erzählen sie sich per SMS, was so Thema ist. Thomas Meyer nahm Milad kurz nach seiner Ankunft zum Fußballtraining der U16 im Dorf mit. Schnell fand der 16-Jährige Anschluss und trainiert jetzt zwei mal die Woche.

Neben Chelsea steht er auf Dortmund. „Im Weser-Stadion waren wir auch schon, ich bringe ihm bei, was guter Fußball ist“, so Thomas Meyer lachend. Außerdem spielt Milad Klavier. Auch das wollen Meyers ihm ermöglichen. Milad will schnellstmöglich Deutsch lernen und gerne bleiben. Eine Idee für einen Berufswunsch hat Milad auch schon: „Journalist oder Musiker.“

Milad freut sich, bei Meyers untergekommen zu sein: „Ich weiß, diese Familie will mir helfen und mir zeigen, welches der richtige Weg ist.“ Sein Traum ist es, seine Mutter und seinen Bruder nachzuholen. Das Leben in Afghanistan sei unsicher und die beiden seien alles für ihn. „Er soll hier erstmal ein Stück Ruhe finden“, nennt Thomas Meyer allerdings die Priorität.

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