Kraniche sind wieder im Tister Bauernmoor zu erleben

Ab in den Süden

In typischer Keilformationen: Kraniche im Anflug auf das schützende Wasser des Tister Bauernmoores. - Fotos: Bonath

Tiste/Stemmen - Von Wieland Bonath. Von den Ägyptern einst als „Sonnenvögel“ verehrt, faszinieren die Kraniche zunehmend Menschen der Gegenwart – junge und ältere, die sogar bereit sind, für zwei Stunden das Handy zur Seite zu legen und sich vom großen Zug der stolzen Schreitvögel verzaubern zu lassen. In großen Keil- und Kettenformationen haben die gefiederten Tiere aus dem Norden kommend ihren langen Flug in den Süden angetreten. Eine der Hauptrouten in Richtung Afrika führt dabei über Norddeutschland – und kreuzt den Landkreis Rotenburg.

Das wieder vernässte Tister Bauernmoor ist zu einem wichtigen Sammelplatz für die Kraniche geworden. Hier sammeln die Vögel neue Energie für ihren Weiterflug. Hier treffen sich zurzeit täglich, abhängig von der Witterung, mehrere hundert Menschen aus dem Kreis Rotenburg, aus benachbarten Landkreisen und aus Großstädten, um an den Führungen des Vereins Moorbahn-Burgsittensen teilzunehmen.

Alfred Nottorf aus Stemmen, ehrenamtlicher Landschaftswart des Landkreises, hat während seiner Dienstzeit beim Amt für Naturschutz und Landschaftspflege, zusammen mit Dienststellenleiter Jürgen Cassier die Renaturierung der abgebauten Moorflächen vorangetrieben hat. „Das Tister Bauernmoor gehört zu den größten Kranichrastplätzen im norddeutschen Binnenland. Eine nennenswerte Störung durch Besucher gibt es nicht, weil sich die Mehrzahl der Naturfreunde an die vorgegebenen Besucherrundwege halten“, erzählt er.

Heimat für Tausende Wasservögel

Dass das Tister Bauernmoor mit dem Ekelmoor (insgesamt 1.220 Hektar groß) und unter Naturschutz gestellt, für eine wachsende Zahl von Naturfreunden zu einem Magneten geworden ist, ist der Arbeit des Pflegetrupps des Landkreises und den ehrenamtlichen Bemühungen des Moorbahnvereins zu verdanken. Im Tister Bauernmoor leben heute Tausende von Wasservögeln vom Kranich bis zum Kormoran und einem Seeadlerpaar sowie eine fantastische moortypische Pflanzenwelt von verschiedenen Heide- und Moosarten, über Flechten, Pfeifen- und Wollgras, Birken und Fichten. Ein besonderes Stück Natur, das in dem jetzt veröffentlichten Taschenbuch „Das Tister Bauernmoor“ beschrieben wird. Der Helvesieker Hans-Günther Beuck, der das 156 Seiten starke Buch zusammen mit einem Redaktionsteam erarbeitet hat, freut sich über das unerwartete Interesse: „In einem Vierteljahr haben wir bereits mehr als 500 dieser Bücher verkauft“, so der pensionierte Lehrer und Biologe.

Zwischen 12.000 und 15.000 Kraniche im Bereich des Moores

Informationen über den Kranich gehören zu den zentralen Themen der reich bebilderten Information. Alfred Nottorf weist darauf hin, dass sich das Spannungsfeld zwischen den Landwirten und der wachsenden Zahl von Kranichen inzwischen mehr und mehr abgebaut hat. Die Aufnahme von Mais auf den abgeernteten Feldern, so Nottorf, würden problemlos von den Bauern toleriert. „Anders ist die Situation hingegen im Frühjahr“, ergänzt er. „Die Kraniche neigen dazu, eingedrillten Mais in der Reihe systematisch aufzunehmen oder die frisch gekeimten Sämlinge herauszuziehen. Es ist verständlich, dass von Fall zu Fall der Ruf nach Schadensersatz laut wird. Rechtlich ist hierzu niemand verpflichtet.“

Bernd Herzig aus Tiste ist eines der Gründungsmitlieder des Moorbahnvereins und gleichzeitig einer der ehrenamtlichen Kranichzähler. Nach seinen Informationen befinden sich zur Zeit zwischen 12.000 und 15.000 Kraniche im Bereich des Tister Bauernmoores. Sie werden in einigen Wochen ihren großen Flug in den Süden antreten.

Die Zahl der Kraniche, so Herzig, die im Bauernmoor überwintere, wachse auf Grund der relativ milden Winter langsam aber ständig: etwa 400 Tiere seien es im vergangenen Jahr gewesen.

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