Mehr als 1.000 Mitglieder

Virtueller Stammtisch verbindet Scheeßeler Generationen

1 003 Mitglieder, die zumeist ihre Wurzeln in der Gemeinde haben: Die Facebook-Gruppe „Wenn Du in Scheeßel aufgewachsen oder zugezogen bist ...“ besteht seit fünf Jahren. - Foto: Warnecke

Scheeßel - Von Lars Warnecke. Besonders häufig ist Olaf Voigt nicht mehr in seiner alten Heimat. Jedenfalls nicht wirklich. Ab und an kommt er aus Bad Münder (Landkreis Hameln-Pyrmont) auf Verwandtschaftsbesuch. Virtuell aber ist er fast täglich hier.

Der 50-Jährige leitet das Facebook-Forum „Wenn Du in Scheeßel aufgewachsen oder zugezogen bist ...“ . Das hat mittlerweile mehr als 1.000 Mitglieder mit Wurzeln in der Gemeinde. Sie posten, teilen und kommentieren Fotos, Videos und andere Erinnerungen.

Man kann ja über die neuen Medien denken, was man will. Doch hinter Datenschutz, Internet-Mobbing und vielen weiteren kritischen Debatten rund ums Web 2.0 finden sich auch schöne Geschichten. Eine dieser ist gespickt mit einer ordentlichen Portion Nostalgie – und mit einem kleinen Hauch Lokalpatriotismus.

„Mal schauen, was es so in der Heimat gibt“ – mit diesem Vorhaben gab Voigt, der 1999 aus dem Beeke-Ort wegzog, vor fünf Jahren „Scheeßel“ bei Facebook als Suchwort ein. Und fand nicht viel. Keine gemeindliche Präsenz, keinen Treffpunkt für Scheeßeler.

Also gründete er „einfach mal eine Gruppe, die mit Scheeßel zu tun hat – vor allem aus reiner Sentimentalität“, erzählt er im Gespräch mit unserer Zeitung – selbstverständlich stilecht via Facebook-Chat. Als Vorbild hätten ähnliche Gruppen aus Springe, wo er im realen Leben für den DRK-Blutspendedienst als EDV-Administrator arbeitet und Bad Münder, seiner jetzigen Heimatstadt, gedient.

Auch die Kreiszeitung ist immer mit dabei

Zugegeben, anfangs sei die Resonanz eher mau gewesen, erinnert sich Voigt an die Anfänge. „Hauptsächlich kamen Mitglieder meiner Altersgruppe dazu, die sich sehr rege über alte Scheeßeler Zeiten ausgetauscht haben.“ Nach einiger Zeit drohte das Forum wieder einzuschlafen. „Irgendwann wurde es dann aber doch zu einem Selbstläufer“, erzählt der Exil-Scheeßeler. Dass das Forum „auf einmal explodiert“ sei, damit habe er nicht mehr gerechnet. Sowohl was die Mitgliederzahl betrifft, als auch die behandelten Themen.

Dass jemand historische Bilder, angefangen von Klassenfotos aus vergangenen Zeiten über alte Orts- und Gebäudeansichten bis hin zu schwarz-weiß Postkarten, postet, was eigentlich auch Intention der Gruppe war – das ist längst die Ausnahme. Eine Katze ist verschwunden? Der Containermüllplatz in Jeersdorf ist mal wieder völlig verdreckt? Jemand ist auf Wohnungssuche? 1 003 Mitglieder im Alter von zwölf bis 78 Jahren halten die Augen auf. 

Auch Berichte aus der Rotenburger Kreiszeitung werden generationenübergreifend in dem Forum diskutiert – oft auch heiß. So heiß, dass die Administratoren – neben Olaf Voigt sind das Claudia Richter und Bernhard Detjen – auch mitunter die Einhaltung der Facebook-Statuten anmahnen müssen: „Bei über tausend Leuten gibt es auch über tausend verschiedene Meinungen.“ In der Anonymität des Internets fielen eben auch Beleidigungen leichter – „dann müssen wir eingreifen“, so der 50-Jährige.

1.000. Mitglied ist 76 Jahre alt

Erst am Wochenende hat die Gruppe die 1 000-Mitglieder-Marke geknackt – mit dem Beitritt der ehemaligen Seniorenbeiratsvorsitzenden und Buchhändlerin Margret Harmsen. Sie habe immer zu jenen Zeitgenossen gehört, die den Sozialen Netzwerken skeptisch gegenüberstehen, räumt die 76-Jährige ein. 

„Hier gibt es aber so viel Material, um nostalgisch in Erinnerungen zu schwelgen, dass ich auf meine alten Tage nun doch noch den Umgang mit den neuen Medien kennen lerne.“

Mehr zum Thema:

Leipzig bleibt Erster vor Bayern und Hertha

Leipzig bleibt Erster vor Bayern und Hertha

Nikolausmarkt rund um die Kirche in Dörverden

Nikolausmarkt rund um die Kirche in Dörverden

Bartels hält Werder am Leben

Bartels hält Werder am Leben

40 Jahre „Break Out“ - Party in Asendorf

40 Jahre „Break Out“ - Party in Asendorf

Meistgelesene Artikel

Zwei Unfälle auf der A1 - Vollsperrung Richtung Bremen

Zwei Unfälle auf der A1 - Vollsperrung Richtung Bremen

Diskussion im Rathaus über Umbenennung der Lent-Kaserne

Diskussion im Rathaus über Umbenennung der Lent-Kaserne

Engel mit Kaugummi

Engel mit Kaugummi

Kreisumlage wieder im Fokus: Zurück auf 49 – mindestens

Kreisumlage wieder im Fokus: Zurück auf 49 – mindestens

Kommentare