Gemeinnützige Projekte nutzen alte Zelte und Stühle 

Nach dem Hurricane-Festival: Zurückgelassen – aber hilfreich

Der Transporter der Beeke-Löwen ist nach dem Hurricane-Festival sehr gut mit Zelten und Stühlen gefüllt.

Scheeßel - Von Bettina Diercks. Immer nach dem Hurricane-Festival bleibt eine Menge liegen. Wer weiß, was Landwirte und später wohl Archäologen auf dem Gelände noch entdecken werden. Nach den ersten Aufräumarbeiten verschwinden die Fundsachen bei der Gemeinde, bei dem Veranstalter FKP Scorpio aber auch bei gemeinnützigen Organisationen. Sie sammeln durch Pfandbecher und übriggebliebene Gegenstände Spenden für ihre Arbeit.

Dazu gehören die Beeke-Löwen, konkreter Ilse-Marie und Thomas Voß. Als ehrenamtliche Mitarbeiter für das Kinder- und Jugendhospiz Löwenherz in Syke tätig, nehmen die beiden Scheeßeler schon seit Jahren am Festival teil. An einem eigenen Stand geben sie dort Zelte und Stühle gegen eine Spende ab. „Wir machen die Erfahrung, dass die Besucher zunehmend umfassend ausgerüstet sind und – was für uns sehr schön ist – ein Herz für unsere gute Sache zeigen und vielfach dann doch noch einen Campingstuhl mitnehmen“, sagt Thomas Voß.

Beim allgemeinen Aufräumen am Montag nach dem Festival machten Voß und Helfer dann ebenfalls eine neue Erfahrung: „Unten bis zu den Knöcheln im Schlamm und oben pfeift ein mittelstarker Staubsturm um die Ohren.“ Nichtsdestotrotz haben die Ehrenamtlichen wieder enorme Mengen an zurückgelassenen Zelten und Stühlen eingesammelt. „Auch dank der Hilfe der ,Kaffeeranch‘-Biker aus Westeresch, die uns seit dem vergangenen Jahr tatkräftig bei dieser nicht so beliebten Aktion unterstützen“, ergänzt Ilse-Marie Voß. Eingelagert wurde die „Neuware“ bei Andreas Villwock von der Firma Planen und Zeltbau im Scheeßeler Industriegebiet. Bei gutem Wetter wird alles gesäubert und getrocknet, um die Sachen für das nächste Festival einzulagern.

Ebenfalls tüchtig am Putzen nach dem Extremwochenende sind die Mitglieder von „Hanseatic Help“. Die ehemalige Hamburger Bürgerinitiative „Kleiderkammer Messehallen“ bekam Zelte, Isomatten und Schlafsäcke gespendet, die einen ganzen Lkw füllten. Die Organisation unterstützt mit diesen Fundsachen bedürftige Personen wie Geflüchtete und Obdachlose.

Rainer Sieling von Hanseatic Help: „Die Aktion ,Dein Zelt kann ein Zuhause sein’ auf dem Hurricane war die erste dieser Art. Wir haben mit 40 motivierten Helfern 326 Zelte, 54 Isomatten und 40 Schlafsäcke eingesammelt.“ Die Zelte seien aufgrund des guten Wetters am Sonntag und Montag von außen trocken gewesen, mussten laut Sieling jedoch wegen des Matsches der vorherigen Tage noch einmal gereinigt werden. „Durch das Wetter gab es viele vereinsamte Zelte. Wir denken aber nicht, dass der Regen einen Einfluss auf die Spendenbereitschaft der verbliebenen Teilnehmer hatte. Die ist sehr hoch gewesen, genauso wie das Interesse für das Projekt.“

Sielings abschließende Erfolgsbilanz: „Alle Sachspenden wurden weitervermittelt. Einige wurden schon ausgeliefert, die restlichen befinden sich schon in Bestellung und warten darauf, abtransportiert zu werden.“

Die Zusammenarbeit zwischen Veranstalter FKP Scorpio und „Hanseatic Help“ war erst kurzfristig vor dem Festival zustande gekommen. Pressesprecherin Katja Wittenstein: „Wir haben gemeinsam kurzfristig und unbürokratisch den Startschuss für eine Zusammenarbeit gelegt – und so die Sammelaktion beim Hurricane möglich gemacht. Auf dieser erfolgreichen Premiere werden wir künftig aufbauen.“ Die Fundsachen, die bei FKP Scorpio landen, werden alle an die Gemeinde Scheeßel gegeben.

Für den Hamburger gemeinnützigen Verein „Viva con Agua de St. Pauli“ (VcA) zogen 35 ehrenamtliche Helfer los, um Pfandbecher einzusammeln. „2 .500 Euro sind zusammengekommen“, sagt VcA-Festivalbeauftragte Anna Kuhn. „Erst hatten wir Bedenken, weil in diesem Jahr zwei Euro Pfand pro Becher erhoben wurden. Aber es ist dann doch sehr gut gelaufen. Den einen ausgefallenen Tag merken wir allerdings schon.“

Die Besucher hätten zudem viel Interesse am Verein gezeigt und einige gleich eine Fördermitgliedschaft unterschrieben. „Es kamen auch welche zu uns und fragten, ob sie nächstes Jahr helfen könnten“, so Kuhn. Noch einmal 3.000 Euro sind für die Hamburger Initiative über Spenden der Gästeliste an den Verein geflossen. Erbeten wurde von den geladenen Gästen ein Betrag von fünf Euro aufwärts. „Manche haben gar nichts gespendet“, ist Kuhn enttäuscht. Die Hurricane-Gelder wurden gezielt für ein Projekt in Uganda gesammelt. Dabei werden die Sanitär- und Hygieneversorgung realisiert, um den Zugang zu sauberem Trinkwasser zu gewährleisten, heißt es vom Verein.

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