Junger Afghane beginnt in Rotenburg eine Lehre als Berufskraftfahrer

Zukunftsperspektive am Lenkrad

Der Leiter des Flüchtlingsheims Stephan Volkmer und Somal Sierat blicken optimistisch in die Zukunft. - Foto: Heyne

Scheeßel - Mangelnde Perspektiven, schwierige Integration, Hürden bei der Arbeitssuche – die Probleme in Verbindung mit der Flüchtlingskrise sind hinlänglich bekannt. Dass es auch anders geht, zeigt das Beispiel von Somal Sierat: Als erster Bewohner des Flüchtlingsheims im ehemaligen Internat am Helvesieker Weg hat der junge Mann aus Afghanistan einen Ausbildungsvertrag in der Tasche. Seit Montag ist der 21-Jährige ganz offiziell „Azubi“ beim Rotenburger Unternehmen Behrens Holz und Bauelemente.

Noch vor gar nicht langer Zeit sah die Lage für den jungen Mann nicht gerade rosig aus: Vor acht Monaten kam er nach Deutschland, in seiner Heimat ohne Perspektive und Hoffnung. Eine abgeschlossene Schulausbildung vergleichbar mit dem Abitur hatte er in der Tasche, Hoffnung auf einen Job oder Ausbildungsplatz jedoch nicht. Außerdem habe es „Probleme im politischen Bereich“ gegeben, antwortet er ausweichend auf die Frage nach dem Fluchtgrund. Die ersten vier Monate verbrachte er im Übergangswohnheim in Visselhövede. Als der junge Mann nach Scheeßel kam, sei es bergauf gegangen, meint der Flüchtling: „Hier habe ich Deutschunterricht bekommen.“ Und er traf auf engagierte Menschen, die sich um ihn kümmerten und um eine Zukunftsperspektive: Sylvia Doberentz-Tews und Stephan Volkmer von der Leitung des Scheeßeler Flüchtlingsheims machten sich auf die Suche nach einer Lehrstelle. Auf einem Internetportal wurden die beiden fündig: Bei einem Rotenburger Holzbaubetrieb war ein Ausbildungsplatz zum Berufskraftfahrer ausgeschrieben. Die beiden Heimleiter halfen bei der Bewerbung – und es klappte: Sierat wurde zum Vorstellungsgespräch eingeladen und bekam die Möglichkeit, sich im Rahmen eines einwöchigen Praktikums in den Job reinzuschnuppern. Das bedeutete: Um fünf Uhr morgens aufstehen, Arbeitsende 17 Uhr – eine Umstellung nach den vielen Monate ohne Verpflichtungen, geregelten Abläufe und mit spätem Aufstehen. Das habe ganz schon viel Disziplin erfordert, gibt der Afghane rückblickend mit einem Schmunzeln zu.

Mit seinem Chef fuhr er in ganz Niedersachsen herum, ging ihm zur Hand, wo immer er konnte. Der war vom Auszubildenden in spe angetan – und gab ihm den Zuschlag für die dreijährige Lehre zum Berufskraftfahrer. Einen Führerschein hatte Sierat schon, „aber nur für kleinere Fahrzeuge.“

„Es hat einfach gepasst!“

Das größte Verdienst an der Erfolgsgeschichte kommt laut Stephan Volkmer jedoch Personalchefin Elisabeth Behrens zu: „Sie hat sich darum gekümmert, dass alle bürokratischen Hürden genommen werden konnten, und das sogar ganz zeitnah“, schwärmt er.

Für die ist der Neuankömmling ein Glücksfall, suchte das Unternehmen doch gerade Auszubildende zum Berufskraftfahrer. Auf die Frage, ob die Entscheidung für den Afghanen eher fachlicher Art war oder man auch ein Zeichen in punkto Integration habe setzen wollen, entgegnet sie: „Es hat einfach gepasst!“ Der junge Mann habe sich in der Praktikumswoche so aufgeschlossen und gelehrig gezeigt, dass man sich einig war: „Wir probieren es!“ Behrens ist sich bewusst, dass die noch fehlenden Deutschkenntnisse anfänglich ein Hindernis darstellen, vor allem beim Besuch der Berufsschule, „aber das sollte langfristig kein Problem sein“. Nichtsdestoweniger würde sie sich wünschen, dass die IHK-Prüfung in Zukunft auch auf Englisch angeboten wird. Behrens ist überzeugt, dass der junge Mann, der „bei der Auslieferung, die ja das Aushängeschild der Firma darstellt“ mit seiner netten, freundlichen Art gut ankommt. Im Team, in dem übrigens viele Staatsangehörigkeiten zusammenkommen, werde er gut angenommen.

Und auch Sierat ist glücklich. Wenn er entschieden meint: „Now my life is really starting“ – „Jetzt fängt das Leben für mich richtig an“, macht das fast ein bisschen betroffen. Eine Hürde muss der junge Afghane neben dem anstehenden Erwerb des Staplerführerscheins jedoch noch nehmen: „In den nächsten Monaten muss ich richtig gut Deutsch lernen – das habe ich meinem Chef versprochen!“ - hey

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