Moderatorin des Informationsabends der „Beeke-Löwen“ berichtet über Vorbereitung

Anna Witte: „Das wird eine schöne Sache“

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Anna Witte hat vor ihrem Moderationsjob eine Menge Eindrücke im Jugendhospiz gewonnen. 

Scheeßel - Ein Abend über das Sterben von Jugendlichen als abendfüllendes Unterhaltungsprogramm? Der Scheeßeler Unterstützerkreis „Beeke-Löwen“ des Jugendhospizes Löwenherz in Syke wagt den Spagat und mischt Musik mit Film, Informationen und dem Gespräch mit einem Betroffenen beim Infoabend für das Hospiz am 5. November im Forum der Beeke-Schule. Warum trotzdem gelacht werden darf und wie man sich auf so eine Veranstaltung vorbereitet, verrät Moderatorin Anna Witte.

Sie moderieren die Info-Veranstaltung obwohl Sie selbst ja keine „Beeke-Löwin“ sind – wie hat sich das ergeben?

Anna Witte: Bei dem ersten Scheeßel-Tag, den mein Mann Thorsten 2007 mitorganisiert hat und den ich moderiert habe, hatten die Beeke-Löwen einen Stand. Auf den habe ich immer wieder hingewiesen. Vorher hatte ich mich mit den „Beeke-Löwen“ schon unterhalten. Danach sind wir uns immer wieder begegnet. Beim „Feuerfest“ 2011 haben wir eine Becherpfandaktion für das Hospiz gemacht. Als ich 2008 aus der Kirche ausgetreten bin, habe ich ab dann den Betrag dorthin gespendet – denn beim Austritt ging es nicht darum, Geld zu sparen. Seitdem bekomme ich die Info-Briefe und bin auf dem Laufenden.

Ist es eher das Engagement der Menschen oder der gute Zweck, der dahinter steht, der Sie fasziniert?

Witte: Beides. Am Anfang war es eher der gute Zweck – ich hatte mich schon informiert, wo mein Geld hinfließt. Jetzt, wo man mehr hinter die Kulissen blickt, beeindruckt mich immer mehr das Engagement. Das lebt schon durch Ilse-Marie Voß und ihre Mitstreiter – egal, ob Halloween-Shopping oder Weihnachtsmarkt. Durch die offene Art der Unterstützer kommt man immer wieder ins Gespräch – und die Begeisterung für den guten Zweck springt über.

Sie waren unlängst beim Tag der Offenen Tür im Jugendhospiz in Syke – gehörte das zur konkreten Vorbereitung auf die Moderation?

Witte: Jein – ich wollte immer schon mal hin, war bisher aber immer beruflich verhindert. Ich wäre dieses Jahr so oder so hingefahren, aber es war mir schon ein Anliegen als Vorbereitung. Ich kann nicht den Abend moderieren, ohne das Haus zu kennen.

Wie würden Sie Ihre Eindrücke dort zusammenfassen?

Witte: Ich bekomme jetzt noch eine Gänsehaut, wenn ich daran denke. Es war so schön, so nett – man ist da so toll aufgenommen worden mit Lale (die achtmonatige Tochter, Anm. d. Red.). Sie durfte da gleich alles ausprobieren – die Schaukeln, den Snoezelraum, das Wasserbett. Gerade für so Kleine sind diese Sinnesanregungen total toll. Man ist sofort mit allen ins Gespräch gekommen.

Es gab also keine Hemmschwellen oder Berührungsängste?

Witte: Ich hatte immer einen großen Respekt davor und war auch irgendwie erleichtert, dass dort keine erkrankten Kinder und Jugendlichen wie im Zoo „vorgeführt“ werden. Dann waren da aber betroffene Kinder und Jugendliche aus der Nähe beim Tag der Offenen Tür, die wurden schon von Weitem mit Namen begrüßt.

Dass ein Betroffener bei der Veranstaltung Rede und Antwort steht, ist ja auch ein wichtiger Punkt des Abends; haben Sie Dennis schon kennen gelernt?

Witte: Persönlich nicht. Wir haben seit einigen Wochen E-Mail-Kontakt. Ich hätte gern mit ihm telefoniert, aber das ist schwierig, weil er sich mitunter nicht so gut artikulieren kann. Und ich habe viel über ihn gelesen. Wenn es ums Jugendhospiz geht, ist er ganz oft in der Presse.

Wie haben Sie sich generell auf Ihre Aufgabe als Moderatorin des Abends vorbereitet?

Witte: Ich mache das ja gemeinsam mit Thomas Voss. Alles über die Beeke-Löwen erzählt er. Ich selbst habe im Vorfeld sehr viel Infomaterial ausgewertet – Broschüren, sämtliche Zeitungsausschnitte der vergangenen zehn Jahre. Und da ich einige der Förderer, die wir vorstellen, persönlich kenne, fällt es mir leicht, weil ich weiß, wer mir da begegnet. Und über Dennis gab es sehr viel in der Chronik und Presse – er läuft einem auch im Jugendhospiz in Fotos immer wieder über den Weg. Und ich habe mich beim Besuch im Jugendhospiz eine Stunde lang mit der Leiterin Gaby Letzing unterhalten, die ja auch beim Info-Abend dabei ist.

Auch so eine Persönlichkeit ...

Witte: Die ist sagenhaft, sie hat mich sehr beeindruckt. Sehr resolut. Ich hatte ziemlichen Respekt vor ihr. Aber nach einer Stunde haben wir uns schon mit Umarmung verabschiedet. Und schreiben uns regelmäßig E-Mails.

Was wird das für ein Abend? Das Thema ist ja nicht gerade leichte Kost – und der ein oder andere wird sich vielleicht scheuen, sich mit dem Thema zu beschäftigen.

Witte: Das wird ein sehr schöner Abend, der einen sicherlich auch nachdenklich stimmt, aber ganz bestimmt nicht traurig. Es ist ja so eine Mischung aus Informationen, Unterhaltung und Musik – Thomas Voß und Elke Oppermann spielen vor allem aktuelle Musik – es soll ja zum Jugendhospiz passen. In der Pause wird ein Film über die Einrichtung gezeigt, der sehr schön ist. Gerade als junge Mutter bin ich dankbar und froh, dass Lale gesund ist und an manchen Stellen kommen einem schon die Tränen – wenn man sieht, dass man mit seinem Kind, das nicht alt wird, das Leben verbringt, stimmt einen das auch sehr dankbar für das eigene Glück eines gesunden Kindes.

Liegt es für eine junge Mutter mehr auf der Hand, sich mit dem Thema zu beschäftigen oder ist es eher schwerer?

Witte: Ich fand‘s viel schwerer. Als ich noch keine Mutter war, hatte ich eine gesunde Distanz dazu. Bei dem vergangenen Info-Abend, ging es mir schon sehr nahe, als Linda de la Torre gesprochen hat (eine betroffene Mutter eines inzwischen verstorbenen Löwenherz-Gastes, Anm. d. Red.). Aber als Mutter geht es einem noch näher. In der Vorbereitung sind einige Tränen geflossen.

Wie ist der konkrete Ablauf des Abends?

Witte: Schön finde ich, dass der Einlass schon um 17.30 Uhr ist. Da kann man sich die Bilder von Friederike Höfer angucken, kann einfach schon mal ein bisschen da sein, was trinken, erzählen. Los geht es dann um 19 Uhr. Nach einem Gedicht und der kurzen Vorstellung der Beeke-Löwen folgt das Gespräch mit Gaby Letzing und Dennis. Dann folgt eine längere Pause mit Film über das Kinder- und Jugendhospiz im Medienraum. Horst Kuhn macht Schnittchen gegen Spende. Im zweiten Teil sprechen wir mit den unterschiedlichen Unterstützern über ihre besonderen Aktionen für Löwenherz, beispielsweise mit Hans-Erik Meyer über das Halloween-Shopping oder über den Löwensprung. Aber es geht den Beeke-Löwen nicht nur um die großen Förderer, sondern es geht auch darum den Leuten zu danken, die basteln, nähen oder sich statt Geschenken zum Geburtstag Geld für das Löwenherz wünschen. Und alles ist schön beleuchtet und geschmückt. Es soll ein lockerer, familiärer Abend werden.

Also braucht niemand Angst zu haben, deprimiert aus der Veranstaltung zu kommen?

Witte: Das glaube ich schon deshalb nicht, weil Dennis ein ziemlich cooler Typ ist. Ich selbst hatte auch Bammel vor dem Besuch im Löwenherz. Zugesetzt hat mir der Raum, wo die Kinder aufgebahrt werden. Aber ansonsten wird viel gelacht, weil auch viele Storys aus dem Jugendhospiz erzählt werden – zum Beispiel, wie eine Besucherin unbedingt nachts die Live-DVD der „Toten Hosen“ mit Pizza sehen wollte. Ihre Eltern hatten das nie erlaubt, dort haben sie es auf der Riesenleinwand gemacht. Es ist immer ein Fünkchen Humor bei der Sache. Klar stelle ich auch Fragen, was er für eine Krankheit hat und wie er damit umgeht. Aber das ist auch wichtig, zu besprechen, wie man als 21-Jähriger damit umgeht, dass man stirbt – und er stirbt sozusagen seit Jahren. Ich kenne seine Lebenserwartung nicht. Das wird auch eine Frage sein.

Gibt es bei diesem Interview für Sie Tabus?

Witte: Ich habe ihm die Fragen vorab geschickt – wenn er über eine nicht reden will, stelle ich sie nicht, das ist klar. Ich habe mich auch gefragt: Kann ich ihn fragen, wie es ist zu sterben – aber wir müssen alle sterben, allerdings nicht so früh und intensiv.

Zur Person

Anna Witte, geb. Lohmann, ist Marketing-Managerin in einem weltweit agierenden Zevener Unternehmen. Die Scheeßelerin sammelte erste Moderationserfahrungen beim Radio und moderiert gelegentlich Veranstaltungen im Beeke-Ort, zum Beispiel den ersten Scheeßel-Tag 2007 oder das erste Scheeßeler Spargelfest 2015. Die 35-Jährige lebt mit ihrem Mann und der gemeinsamen Tochter in Scheeßel. 

hey

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