Ernährung im Jahr 2030

Auf die Werte kommt es an

Mehr als 130 Mitglieder des Landfrauenvereins Rotenburg und Umgebung wohnten der Erntedankversammlung im Jeersdorfer Hof bei. - Foto: Rutzen

Jeersdorf - Von Hannelore Rutzen. Wie wird der Tisch eigentlich im Jahr 2030 gedeckt sein? Wovon ernähren wir uns in Zukunft? Und wie tun wir es? Diese Fragen interessierten mehr als 130 Mitglieder des Landfrauenvereins Rotenburg und Umgebung. Die beiden Vorsitzenden Irmtrud Hesse-Stegmann und Regina Meyer begrüßten die Gäste auf der Erntedankversammlung im Jeerdorfer Hof zu einem top-aktuellen Thema.

Lebensmittel im Internet einkaufen? Pizza aus dem Automaten ziehen? – Alles schon längst möglich, gab Referentin Karin Reinking von der Landwirtschaftskammer Niedersachsen / Bezirksstelle Bremervörde Auskunft. Noch seien dem Verbraucher das Wissen um die Herkunft, die Qualität und Zubereitung, der gesundheitliche Wert, der Genuss und die Nachhaltigkeit wichtig. Allerdings würde heutzutage häufig nebenbei gegessen, unterwegs, der gemeinsame Familientisch habe Seltenheitswert. 

Ernährung, so Reinking, entwickele sich mehr und mehr zur Nebensache. „In den vergangenen 60 Jahren veränderte sich die Esskultur immens, denken wir nur daran, welche Rolle sie nach dem Zweiten Weltkrieg spielte – von den damaligen Ersatzrezepten über die Wirtschaftswunderküche und die ersten Fertigprodukte bis hin zum heutigen Fast-Food, zu der Multi-Kulti-Küche und zu veganen Lebensmitteln.“

Und 2030, was werden wir essen, was wird auf dem Tisch stehen? Laut der Expertin zeichne sich ein Wertewandel in der deutschen Küche ab, „hoffentlich häufiger hin zum Bewusstsein für frisches, regionales, saisonales und selbstgemachtes Essen“. Fertiggerichte würden zwar weiterhin den Markt erobern, „das bedeutet aber nicht, dass sie schlechter sind als das Vorhandene, wichtig sind ihre Zutaten und die Zusammensetzung“, betonte die Rednerin. Das Essen werde zur Weltanschauung. Jeder müsse für sich entscheiden, was er isst und was nicht. Es gelte das Prinzip „Werte statt Wert“.

Dass gesunde Ernährung bei den Landfrauen nach wie vor einen hohen Stellenwert habe, sei gut so. Reinkings Tipp für ihr Publikum: ,,Kochen Sie ihr eigenes Süppchen, dann wissen Sie, was drin ist!“

Auch die Landwirtin Regina Meyer, eine der beiden Vorsitzenden, ergriff das Wort. Sie vermisse die Wertschätzung für ihren Berufszweig, der immerhin die Lebensmittel für alle produziere. „1950 erzeugte ein Landwirt genügend Lebensmittel, um zehn Personen zu ernähren, heute kann er 145 Personen beköstigen“, gab sie zu bedenken. Landwirte seien durch den Agrarstrukturwandel zu einer Minderheit geschrumpft. Weniger Betriebe würden mehr Tiere als früher halten. Ohnmacht und Resignation mache den Landwirten zu schaffen, die haftbar gemacht würden für Umweltschäden und Lebensmittelskandale, sagte Meyer. Alles müsse leistbar und mit den berechtigten Ansprüchen derer vereinbar sein, die in und von der Landwirtschaft leben.

Ihr persönlicher Wunsch sei es, „mehr Verständnis für die Landwirtschaft aufzubringen und dass sich die Landwirtschaft nicht dem Fortschritt verschließt“.

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