Internationale Trachtenbegegnung

Tradition und Völkerverständigung beim Tanz

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Beim großen Finale am Samstagabend singen die Teilnehmer gemeinsam mit dem Publikum „Kein schöner Land“.

Scheeßel - Samstag, am fortgeschrittenen Abend auf dem Meyerhof in Scheeßel, wo bunte Röcke mit Blaudruckmustern gewirbelt, Holzschuhe schnelle Takte aufs Parkett geklopft und Instrumente von Akkordeon bis zu kettenbetriebenen Bierfässern Musik gemacht haben. Wenn nach knapp vier Stunden Mammutprogramm zwei junge Portugiesinnen, inzwischen in „Räuberzivil“ statt Tracht, vergnügt am Rand der Bühne zu den Klängen der polnischen Gruppe hüpfen, dann lässt sich das Szenario mit einem Begriff zusammenfassen: Internationale Trachtenbegegnung.

Insgesamt fünf Gruppen aus ebenso vielen europäischen Ländern geben sich auf Einladung der Original Scheeßeler Trachtengruppe an diesem Wochenende auf dem stimmungsvollen Meyerhofgelände die Ehre. Es gibt ein Wiedersehen mit den humorvollen älteren Semestern der holländischen Gruppe „Wi‘j eren’t olde“ mit ihren Holzschuhen, die es eher gemächlich angehen lassen, ebenso wie mit den Portugiesen aus Ulmeiro, die neben Trachten und Tänzen auch allerlei Alltagsgegenstände des früheren dörflichen Lebens mitgebracht haben, von Brotkörben bis zur Sense.

Einen musikalischen Schwerpunkt setzt die polnische Gruppe „Koleczkowianie“ mit gut doppelt so vielen Sängern und Musikanten wie Tänzern. Dieser neue Kontakt ist über Eva Milosch entstanden, die seit 20 Jahren in Sottrum lebt. Sie übernimmt, wie so viele hier, die ehrenamtliche Sprachmittlung, genau wie beispielsweise Elvira Braun für die ukrainische Gruppe.

Trachtenbegegnung: Das Fest am Sonntag

Trachtenfest auf dem Meyerhof

Und um praktizierte Völkerverständigung geht es denn auch an diesem Wochenende. Wie wichtig die gerade in heutigen Zeiten ist, betont Bürgermeisterin Käthe Dittmer-Scheele in ihrem Grußwort: „Auf einem Weg, wo viele Staaten sich nicht mehr zuhören, ist Austausch besonders wichtig!“ Die stellvertretende Landrätin und „Trachtenwechslerin“ Elke Twesten freut sich über „die Völkerverständigung durch Brauchtumspflege“ und über den „Ausschnitt an europäischer Vielfalt“.

Davon gibt es an diesem Abend eine große Portion, etwa die farbenprächtigen sorbischen Trachten, die Einblicke in den Status der Frau geben. Jung und ungebunden, verheiratet – sogar eine Kategorie „für die Frauen, die vorher schon einmal genascht haben“, also ledig mit Kind, wird vorgeführt. Die Niederländer geben Nachhilfe im Sauberhalten von Holzschuhen und dem Stärken der Falten in der Tracht.

Ein Höhepunkt für die meisten der vielen hundert Besucher ist unbestrittenermaßen der Auftritt der Ukrainer – nicht nur, weil sie den Altersschnitt des Abends deutlich senken. Mit fast akrobatischen Sprüngen, stimmigen Choreografien, schönen Bildern und bestens ausgebildeten, äußerst disziplinierten 30 Jungen und Mädchen, die die insgesamt 400 des Vereins repräsentieren, verwischen sie die Grenze zwischen Hobbytänzern und Profis.

Vereint sind alle Länder beim „Söbensprung“ – so manchem Gasttänzer merkt man das Erstaunen an, dass dieser mit einem Purzelbaum endet –, und beim großen Finale, zu dem auch das Publikum „Kein schöner Land“ anstimmt. Tradition und Völkerbegegnung – an diesem Abend ist das für niemanden ein Widerspruch.

Lesen Sie auch das Interview: „Mehr als nur ein Treffen“

hey

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