Dispozinsen liegen weit auseinander

Sparkasse in Scheeßel verlangt bundesweit höchste Zinsen

Banken und Sparkassen stehen wegen ihrer Preispolitik unter Druck. Aus Sicht von Verbraucherschützern sind bei vielen Kreditinstituten die Dispozinsen zu hoch. - Foto: Sparkasse

Frankfurt/M. - Die Sparkassen in Deutschland verlangen von ihren Kunden höchst unterschiedliche Dispozinsen. Erstmals können Verbraucher diese Sätze nun vergleichen. Correktiv und die Frankfurter Allgemeine Zeitung haben die Dispozinsen der deutschen Sparkassen ausgewertet – „zum Teil gegen anhaltenden Widerstand der Institute“, berichten die Autoren der Vergleichsstudie.

Am günstigsten ist die Sparkasse Holstein, nördlich von Lübeck. Dort zahlen liquide Sparer und Neukunden – laut einem Sprecher rund ein Drittel der Kunden – 5,71 Prozent Dispozinsen. Den höchsten Dispozins in Deutschland verlangt die Sparkasse Scheeßel im Landkreis Rotenburg mit 12,750 Prozent.

Jürgen Lange, Vorstandsvorsitzender der Sparkasse Scheeßel, bestätigt den Dispozinssatz in Höhe von 12,750 Prozent. Allerdings nähmen Kunden ihn „nur selten“ und – wenn doch – nur kurzfristig in Anspruch, sagt Lange. Wer am Monatsende den Dispositionskredit für einige Tage ausnutzt, also das Konto überzieht, zahle einen überschaubaren absoluten Betrag.

Braucht ein Kunde einen Kredit, weil zum Beispiel die Waschmaschine unerwartet kaputt geht, dann rate die Sparkasse Scheeßel zu einem Konsumentenkredit. Der sei viel günstiger als der Dispokredit. Lange verweist auf den „hohen Verwaltungsaufwand“, den der Dispositionskredit für die Sparkasse mit sich bringt und höhere Zinsen als für andere Finanzierungsformen rechtfertige.

Bei der Höhe des Dispozinses orientiere sich die Sparkasse Scheeßel am Referenzzins, den die Deutsche Bundesbank zur Verfügung stellt. Der Vorstandsvorsitzende rechnet damit, dass dieser im kommenden Monat sinkt und auch die Sparkasse Scheeßel den Dispozins um 0,25 Prozent günstiger anbieten kann.

Verbraucherschützer und Politiker und fordern seit langem eine Obergrenze für den Dispokredit. „Wir wollen Abzocke vermeiden“, so Peter Knitsch, Staatssekretär des SPD-geführten Verbraucherschutzministeriums in Nordrhein-Westfalen. Maximal acht Prozent über dem Richtzins – der derzeit sogar negativ ist – dürfe der Dispo liegen, forderten die SPD-geführten Länder im September im Bundesrat. Sie konnten sich aber nicht gegen die CDU durchsetzen. So lange die Große Koalition regiert, wird dieser „Zinsdeckel“ nicht kommen.

„Eine Dispo-Deckelung würde eine faire Kalkulation erschweren“, meint der Dachverband der Sparkassen. Markt-Kräfte würden ignoriert. „Die unterschiedlichen Zinssätze zeigen, dass der Markt funktioniert.“

Unter der zuletzt diskutierten Obergrenze von acht Prozent würden aktuell nur fünf der 391 ausgewerteten Sparkassen liegen. Der Durchschnitt bei den Sparkassen ist 10,75 Prozent. Zum Vergleich: Kunden der Commerzbank zahlen ebenfalls 10,75 Prozent und die Deutschen Bank berechnet zwischen 7,95 und 10,95 Prozent. Deutlich günstiger ist es bei der Direktbank ING-Diba – sie berechnet derzeit nur 7,76 Prozent.

Correctiv.org ist das erste nicht-kommerzielle Recherchezentrum in Deutschland. Die 20-köpfige Redaktion will Missstände aufdecken und unvoreingenommen berichten. Sie finanziert sich über Spenden und Mitgliedsbeiträge.

pe

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