Renate Spiecker aus Veersebrück verarbeitet in Gedichtband Echtes und Erlebtes

Mit sich in Reimen

Renate Spiecker hat ihr zweites Buch veröffentlicht. - Foto: Röhrs

Veersebrück - Von Matthias Röhrs. Renate Spiecker ist eine aufmerksame Frau. Muss sie auch sein, schließlich sind die „Geschichten, wie man sie erlebt“, so die Veersebrückerin, der Nährboden ihrer Arbeit. Seit sie sich vor etwa zwölf Jahren als Juristin in den Ruhestand verabschiedet hat, schreibt die 77-Jährige. Meistens Kurzgeschichten so mitten aus dem Alltag – und nicht nur ihrem eigenen. Auch Gedichte hat sie in den vergangenen Jahren immer häufiger aufs Papier gebracht. Die würde sie zwar nicht als solche bezeichnen, trotzdem hat sie sie nun in einem Buch veröffentlicht.

Es ist ihr zweites Buch. Wieder im Selbstverlag veröffentlicht, das geht heutzutage ganz einfach. Ihr erstes Buch, „Menschen, Macken, Mord“, bestand aus 22 Kurzgeschichten aus dem Leben. „Ich bin niemand, der einen Roman schreiben könnte“, behauptet Spiecker. Eine Idee müsse schnell abgehandelt werden können, denn sie kann nicht lange genug still sitzen. Das merkt man ihr an, während sie auf dem weißen Sessel in ihrem Wohnzimmer sitzt. Sie ist ein wahrer Aktivposten. Spiecker unterstützt im Gespräch beinahe jedes Wort und jede Wendung mit einer passenden Geste. Also keine Kurzgeschichten mehr – zumindest in „Liebe, Diebe, Triebe“ hat sie sich ganz auf das Dichten verlegt.

Gedichte? Spiecker protestiert beinahe gegen diesen Terminus. „Ich bin keine Dichterin“, sagt sie, und fügt kurz darauf hinzu: „Leider. Ich bin kein Heine, kein Goethe, kein Schiller. Ich bin eine Beschreiberin.“ Alles, was sie in ihren Werken anspricht habe sie persönlich schon mal gesehen oder gehört, alles habe einen realen Hintergrund. Bestenfalls handele es sich bei ihren Texten um Gedichtgeschichten. Oder doch nicht? Sie hält einen kurzen Moment lang inne. „Nein, das sind Reime“, legt sie sich fest, „das steht auch schon so auf dem Titel.“

Also Reime. Auf dem Tisch liegt ein Exemplar von „Liebe, Diebe, Triebe“. Spiecker beugt sich vor, nimmt es, will es durchblättern, doch stoppt gleich beim ersten Reim. Sie blickt hoch. „Manchmal bin ich auch belehrend“, sagt sie ernst und zeigt auf den Text. Er heißt „Liebe“. „Hier zum Beispiel, hier beschreibe ich die Liebe, wie ich sie verstehe.“ Das könne und dürfe sie ja jetzt. „Endlich“, wie sie hinzufügt, schließlich sei sie schon etwas älter – erfahrener.

Sie liest die erste Strophe vor. „Sex, Leidenschaft und Lust, in den Betten Freud und Frust. Unterwerfen und beherrschen, all das nennt man Liebe.“ Und danach gleich weiter die Strophen zwei, drei und vier. „Sehen Sie?“, sagt Spiecker, beinahe ein wenig triumphierend, und blättert ein paar Seiten weiter. Sie ist auf der Suche nach einem bestimmten Reim, ein weiteres Beispiel für ihre Methode.

„,Trennung per SMS‘ ist auch so eine Geschichte, die ich mal mitbekommen habe“, sagt sie schließlich. In einem Café habe sie einmal das Gespräch zweier Freundinnen verfolgen können, währenddessen eine der beiden per Textnachricht mit ihrem Freund Schluss machen wollte. Spiecker selbst – wie übrigens auch die andere Freundin – findet so etwas nicht so gut. Trotzdem habe sie sich gefragt, wie eine solcher Trennungstext wohl aussehen könnte. Am Ende ist ein Achtzeiler daraus entstanden. Sie liest auch ihn vor, danach scheinbar wahllos ein paar andere ihrer Reime.

Wie sie selbst schon sagte, oft belehrt sie in diesen und gibt dem Leser den einen oder anderen Ratschlag mit auf seinem Weg durch die Seiten. Doch auch nachdenkliche oder auch kritische Zeilen gibt es, auf der anderen Seite hat sie häufig zudem einen ganz pragmatischen Blick auf ernste Situationen, was manchem Reim eine schwarz-humorige Note verleiht – trocken, könnte man sagen. So im „Stoßgebet“: „Heiliger St. Florian, verschon’ mein Haus. Zünd’ das des Nachbarn an.“

„Liebe“ ist nicht nur der erste Reim des Buches, sondern in dieser Eigenschaft gleichzeitig der Auftakt zu dessen ersten Teil „Reime über Liebe im engeren und weiteren Sinn“. In mehrere dieser Abschnitte hat Spiecker das Buch unterteilt. Insgesamt 51 Reime behandeln Glück Jahres- und Tageszeiten, einfach Beschreibungen, Gefühle, Freches und Provokationen. Diese möge sie am liebsten, sagt Spiecker, und blättert sogleich zu ihnen ans Ende des Buches. Besonders der „Arztkittel“ gefalle ihr – ein kritischer Reim – , obwohl sie dafür von manchem Leser bestimmt auch einen „auf den Deckel“ kriegen würde, glaubt sie. Egal. „Man muss auch mal etwas auf den Punkt bringen“, so die Veersebrückerin trotzig, „ganz kurz und knapp.“

„Liebe, Diebe, Triebe“ ist bei „Books on Demand“ erschienen und bei den Buchhandlungen Wandel und Harmsen in Scheeßel für neun Euro erhältlich. ISBN: 978-3-7412-4335-6

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