Landkreis beantragt Erzwingungshaft

Mutter von Schulschwänzerin: Muss sie doch ins Gefängnis?

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Corinna Brecht bleibt stur. Die 48-Jährige weigert sich weiterhin, das Bußgeld zu zahlen. 

Scheeßel - Von Matthias Röhrs. Muss sie nun doch ins Gefängnis? Im Fall um Corinna Brecht hat der Landkreis jetzt eine Erzwingungshaft beim Amtsgericht Rotenburg beantragt. Die Schulverwaltungsbehörde fordert von der Scheeßelerin ein Bußgeld in Höhe 273,50 Euro, die sie nicht zahlen will.

Der Vorwurf: Selbst nach mehrmaliger Aufforderung soll die 48-Jährige nicht ausreichend Sorge dafür getragen haben, dass ihre Teenager-Tochter der Schulpflicht nachkommt. Dass sie das in der Vergangenheit nicht tat, belegen unzählige unentschuldigte Fehltage bei ihrer Schule, der Kooperativen Gesamtschule in Sittensen.

Brecht ist sich keiner Schuld bewusst, sie habe alles Erdenkliche getan, dass ihre Tochter auch tatsächlich die Schule besucht, vergebens. Das Bußgeld will sie deshalb partout nicht zahlen – selbst unter der zwischenzeitlichen Androhung der Erzwingungshaft nicht. Und diese Drohung hat die Landkreisverwaltung nun in die Tat umgesetzt.

Mutter ist bereit, Haft anzutreten

Eine Woche hatte Brecht laut dem Schreiben aus dem Amtsgericht – das der Kreiszeitung vorliegt – nun Zeit, sich nochmals in dieser Sache gegenüber der zuständigen Richterin zu äußern oder das Bußgeld doch noch zu bezahlen. Die Scheeßelerin gibt sich weiter kämpferisch, hat – wie schon bei allen Bescheiden zuvor – Widerspruch eingelegt. „Dann werden wir sehen, was passiert“, sagt Brecht. Sie ist weiterhin bereit, im Zweifelsfall die Erzwingungshaft anzutreten.

Beim Landkreis Rotenburg schätzt man die Möglichkeit, dass sie ins Gefängnis muss, aus der Erfahrung heraus gering ein. „Spätestens wenn der Hafttermin festgelegt ist, wird dies in der Regel dann auch von den Betroffenen genutzt. Nur selten geht jemand wirklich ins Gefängnis“, so Kreissprecherin Christine Huchzermeier.

Es gibt auch andere Möglichkeiten, wie die Sache am Ende ausgehen kann. „Das Amtsgericht kann Jugendliche alternativ auch zur gemeinnützigen Arbeit verpflichten, um das Bußgeld abzuarbeiten. Bei Erwachsenen ist die Erzwingungshaft kein Ersatz für das Bußgeld, sie müssen trotz Haft das Geld bezahlen“, so Huchzermeier weiter.

In ihrem Widerspruch verweist Brecht auf ihre Versuche, dass ihre Tochter tatsächlich den Unterricht besucht: Von einer psychologischen Behandlung bis zum täglichen persönlichen Transport ihrer Tochter zur Schule, bis in die Klasse. Auch soll eine ehemalige Lehrerin dem Landkreis bestätigt haben, dass Brecht alle Möglichkeiten ausgeschöpft hat.

Huchzermeier will auf Nachfrage nicht ausschließen, dass es einen derartigen Passus gegeben hat. Konkret bestätigen könne sie das aufgrund des immensen Schriftverkehrs in dieser Sache nicht. Auch die Schule möchte sich nicht weiter dazu äußern. Nur, dass Brecht und ihre Tochter sich mittlerweile „sehr kooperativ verhalten“, so der Leiter des zuständigen Schulzweigs, Michael Hensel.

Mit dem Einschalten des Amtsgerichts ist der Fall um Brecht für die Landkreisverwaltung erledigt. Laut Huchzermeier ist der Fall an das Amtsgericht abgegeben. Das bearbeite diesen dann eigenständig.

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