Benefizabend für Hospizarbeit im Autohaus Holst

Aus prominentem Mund

Ein gutes Dutzend Rezitatoren aus der Lokalprominenz hatte sich gern für die Hospizarbeit zur Verfügung gestellt. - Fotos: Heyne

Scheeßel - Können Gedichte noch Menschen hinter dem Ofen hervor locken? Die Antwort lautet definitiv „Ja“. Zumindest, wenn es sich bei den Rezitatoren um ein gutes Dutzend lokaler Persönlichkeiten mit einigem Bekanntheitsgrad handelt und noch dazu um einen guten Zweck. Und der war am Dienstagabend bei der Veranstaltung „Mein Lieblingsgedicht“ im Autohaus Holst unbedingt gegeben, fließen die Erlöse aus dem dreistündigen Streifzug in die Gedankenwelt der Dichter und Denker doch in die „Hospizarbeit im Bereich Rotenburg/Wümme“.

Dessen Arbeit unterstützt das Ehepaar Meyer/Holst auch „von Anbeginn – deshalb war es für uns keine Frage zuzusagen, als man anlässlich des zehnjährigen Bestehens nach einem geeigneten Ort für einen Rezitationsabend suchte“, so Gastgeber Torsten Meyer.

Der „Einladung ins Wohnzimmer“, wie der Moderator des Abends, Hermann Koopmann, es launig formulierte, folgten rund 150 Gästen gern. Passender Auftakt: Hausherrin Heide Holst brach mit „Maus Frederik“ von Leo Leonie, der statt essbarer Vorräte Worte sammelt und so den Mitmäusen den Winter erwärmt, eine Lanze für das geschriebene und gesprochene Wort. Und das sollte in den folgenden drei Stunden nicht zu kurz kommen. Während Gärtner Reinhard Wahlers aus Westeresch unter großem Beifall nicht nur seinen Vortrag, sondern auch gleich die gesamte Moderation auf Plattdeutsch gestaltete, fiel ausgerechnet das eigene Gedicht von Platt-Urgestein Hein Benjes alias „Hein Botterblom“ hochdeutsch aus.

Mindestens ebenso spannend wie das (Wieder-)Entdecken alter und neuer Reime waren die Einblicke, die die Lokalprominenz mit der Auswahl ihres jeweiligen Lieblingsgedichts in die eigene Lebenswelt zuließ: Bei Sparkassen-Direktor Olaf Achtabowski war das mit „Derbyzeit“ eine Huldigung der schönsten Nebensache der (männlichen) Welt, des Fußballs, ebenso wie bei Multitalent Michael Schwekendiek, der statt der „Glocke“ einige Gedichte aus dem Satiremagazin „Pardon“ zum Besten gab. Und auch Pantomime „Luffy“ Reinhard Lüdemann ließ sich zu Verbalem hinreißen.

Eher ungewohnte Töne schlugen auch „Take This“-Tenor Stephan Anders und Brigitte Borchers an – letztere sogar wortwörtlich, kam der Bühnenprofi und Hälfte des Duos „Hin und Weg“ einem Texthänger doch bei, indem sie das Klaus-Groth-Gedicht kurzerhand sang. Statt Friedrich Holländer hatte sie sich aus gegebenen Anlass für etwas „Melanklötigeres“ entschieden, und auch von Anders, wie der von ihm rezitierte Ringelnatz „pathologischer Wortspieler“, gab es Nachdenkliches zu hören.

Die Veranstaltung „Mein Lieblingsgedicht“ in Scheeßel

Für einen musikalisch stimmigen Rahmen sorgte Percussionist Otto Maier, der seinem Steel-Drum-ähnlichen „Hang“ meditative Töne entlockte. Gerhard Eimer vom Vorstand des Hospizvereins konnte sich freuen: „Mit dieser Veranstaltung zeigen wir, dass wir in der Mitte des gesellschaftlichen Lebens angekommen sind.“ 

hey

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