Landkreis droht mit Erzwingungshaft

16-Jährige schwänzt Schule - ihrer Mutter droht deshalb Gefängnis

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Corinna Brecht weigert sich, für die Schulversäumnisse ihrer 16-jährigen Tochter ein Bußgeld zu zahlen. Nun droht ihr eine Gefängnisstrafe. 

Scheeßel - Von Lars Warnecke. Corinna Brecht versteht die Welt nicht mehr. Weil ihre 16-jährige Tochter eine notorische Schulschwänzerin ist, muss die Scheeßelerin 273,50 Euro Strafe bezahlen. Das will die dreifache Mutter aber so nicht hinnehmen. Inzwischen droht ihr sogar der Gang ins Gefängnis.

Noch immer ruft die vom Schulverwaltungsamt des Landkreises Rotenburg angedrohte „Anordnung der Erzwingungshaft“ bei Corinna Brecht Kopfschütteln hervor: Innerhalb einer Woche müsse sie die von der Behörde auferlegte Geldbuße an die Kreiskasse überweisen, steht darin – andernfalls würde das Amtsgericht eingeschaltet werden. Im Klartext: Brecht müsste für einen Tag in den Knast.

Es wäre das Ende einer Geschichte, die schon im Sommer vergangenen Jahres ihren Anfang nahm. Damals erhielt Brecht Post von der Kooperativen Gesamtschule Sittensen, an der ihre Tochter den Hauptschulzweig besucht. „Ich bin aus allen Wolken gefallen“, sagt sie und deutet auf das Schreiben der Schule, auf dem sämtliche Verspätungen und unentschuldigte Fehltage ihrer Tochter vermerkt sind. Demnach sei das Mädchen allein im ersten Schulhalbjahr 15 Mal dem Unterricht ferngeblieben, ohne ein Attest vorgelegt zu haben.

„Was soll ich noch machen?“

Fast täglich bringe sie ihre Tochter nunmehr morgens persönlich mit dem Auto zur Schule – und sieht damit ihre Pflicht getan. „Ich kann das Kind doch nur hinbringen und hoffen, dass es da bleibt“, meint Brecht. „Was soll ich darüber hinaus denn noch machen – etwa die ganze Zeit vor dem Klassenzimmer sitzen und darauf aufpassen, dass sie nicht schon wieder schwänzt?“ Die Schule zumindest habe Nägel mit Köpfen gemacht. „Wir haben die Auflage bekommen, dass meine Tochter für jeden Fehltag ein ärztliches Attest vorlegen muss – ich darf das nicht mehr ausstellen“, sagt Brecht.

Kurz vor Weihnachten flatterte der Scheeßelerin schließlich vom Kreis ein Bußgeldbescheid ins Haus. „Ein ganzes halbes Jahr haben sie gebraucht, mir etwas zur Last zu legen“, wundert sich Brecht, die prompt Widerspruch gegen die Zahlungsaufforderung eingelegt habe. „Ich bin mit dem Bogen sogar persönlich zum Amt gegangen – allerdings wird mir nun unterstellt, ich hätte nie Widerspruch eingelegt.“

Was stattdessen folgte, waren Belehrungen, eine Mahnung der Kreiskasse sowie mehrere Vollstreckungsversuche. Überwiesen hat Corinna Brecht bisher aber keinen einzigen Cent. Das Schulverwaltungsamt deutet das in seinem Schreiben, das der Mutter erst kürzlich zugegangen ist, wie folgt: „Möglicherweise sind Sie in der Lage, aber nicht willens, die Geldbuße nebst Einziehungskosten zu zahlen.“ Und weiter heißt es darin: „Daher wird beabsichtigt, beim Amtsgericht in Zeven gegen Sie [...] die Anordnung der Erzwingungshaft zu beantragen.“ Sollte das Geld nicht innerhalb einer Woche bezahlt werden, drohe ihr der Gang ins Gefängnis.

Mittlerweile habe sich Corinna Brecht nochmals mit der Behörde in Verbindung gesetzt, „allerdings ist die zuständige Sachbearbeiterin bisher noch nicht zu greifen gewesen“, sagt die Scheeßelerin. Der Ausgang ist also noch offen. „Hinter Gittern werde ich aber ganz gewiss nicht gehen.“

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