Jeersdorferin Thea Gerken über ihre Zeit als Kinderbürgermeisterin

„Man darf nicht schüchtern sein“

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Ein Jahr lang „regierte“ Thea Gerken als Scheeßels Kinderbürgermeisterin. 

Scheeßel - Von Lars Warnecke. Ihr erstes Interview gab Thea Gerken vor gut einem Jahr. Damals war die heute Elfjährige gerade erst zu Scheeßels neuer Kinderbürgermeisterin gewählt worden. Mit der Wahl eines Nachfolgers oder einer Nachfolgerin, die stets im Kinderferienprogramm der Gemeinde stattfindet, endet nun die Amtszeit der Jeersdorferin. Vorab sprach die aufgeweckte Eichenschülerin mit uns über ihre Eindrücke.

Frau Kinderbürgermeisterin, oder darf ich besser Thea sagen?

Thea Gerken: Nein, Thea ist schon in Ordnung. So alt bin ja nun auch wieder nicht.

Also Thea, ein Jahr als Scheeßels Kinderbürgermeisterin liegt hinter dir. Was war damals deine Motivation, dich um das Amt zu bewerben?

Als ich hörte, was meine Vorgängerin, mit der ich damals noch in eine Klasse ging, alles gemacht hat, bin ich neugierig geworden. Sie hat ja die echte Bürgermeisterin einige Male zu öffentlichen Anlässen begleitet, mit ihr auf dem Jahrmarkt gratis Fahrchips an die Kinder verteilt. Das wollte ich auch einfach einmal ausprobieren.

Aus welchen Gründen hast du dich deiner Meinung nach gegen deine Mitbewerber damals durchgesetzt?

Als wir damals alle unser Wahlprogramm vorgestellt haben, schlug ich vor, die Schulpausen verlängern zu lassen, sollte ich Bürgermeisterin sein. Das hat den anderen Kindern offenbar ganz gut gefallen.

Daraus geworden ist aber nichts...

Nein, obwohl ich aus eigener Erfahrung weiß, dass 20 Minuten Pause einfach zu kurz sind. Da blieb früher einfach viel zu wenig Zeit für uns zum Spielen. Letztlich wäre das aber auch gar nicht möglich gewesen. Da haben die Schulen schließlich auch noch ein Wörtchen mitzureden. Im Übrigen müssten dann die Busfahrpläne allesamt geändert werden.

Mit welchen Erwartungen bist du damals angetreten?

Vieles wusste ich ja schon über meine Schulfreundin. Und genauso ist es dann auch gekommen. Zweimal habe ich die Bürgermeisterin beim Jahrmarkt begleiten können. Der Scheeßel-Tag ist ja im vergangenen Jahr ausgefallen. Da bot sich keine Gelegenheit. Und gleich nach meiner Wahl durfte ich als Kinderbürgermeisterin im Sitzungssaal sogar eine nachgespielte Ratssitzung leiten. Das war schon echt spannend. Ich habe mir aber vorgestellt, im Laufe meiner Amtszeit auch einmal ein bisschen hinter die Kulissen im Rathaus blicken zu dürfen, um so die Abläufe in einer Verwaltung kennenzulernen. Dazu ist es leider nicht gekommen. Wie ich jetzt noch erfahren habe, möchte mich die Bürgermeisterin demnächst einmal zu einer Ortsratssitzung mitnehmen. Vielleicht nach Jeersdorf, da ist mein Vater auch engagiert.

Wie haben denn deine Freunde darauf reagiert?

Die fanden das cool, waren neugierig, was ich als Kinderbürgermeisterin mache. Selbst die Lehrer haben mich im Unterricht hin und wieder gefragt: „Na, Frau Bürgermeisterin, wie lautet denn jetzt die richtige Lösung?“ Natürlich war das nicht ganz ernst gemeint.

Es heißt doch immer, die Jugend interessiere sich nicht für Politik. Wie siehst du das?

In meinem Alter mag das wohl auch noch so sein. Ich selbst bin es aber schon, lese so oft es geht die Zeitung. Mich hat bei der Wahl zur Kinderbürgermeisterin aber gar nicht so das Politische interessiert, sondern eher das, was man als echte Bürgermeisterin alles machen müsste.

Könntest du dir denn vorstellen, selbst einmal hauptamtliche Bürgermeisterin zu sein?

Nein, ich glaube ich nicht. Ich möchte lieber etwas mit Tieren machen. Mit Pferden oder vielleicht mit Kleintieren.

Wie stehst du zu einem Jugendparlament für Scheeßel? Sollte es so etwas geben?

Das fände ich schon ganz gut, wenn auch Kinder ein Mitspracherecht in der Politik hätten. Immerhin haben wir genauso viele Wünsche wie die Erwachsenen. Möglicherweise könnte man es dann unter einen Hut bringen, dass es allen gut geht.

Was glaubst du, woran liegt es, dass es bisher noch kein Junge in das Amt geschafft hat?

Weil es nun einmal Bürgermeisterin in Scheeßel heißt (lacht). Und weil die Jungs viel lieber Fußball spielen wollen.

Welchen Rat hast du für deinen Nachfolger oder deine Nachfolgerin übrig?

Ich glaube, man darf nicht schüchtern sein und keine Angst davor haben, vor anderen zu sprechen. Mir hat es zum Beispiel gut geholfen, dass ich in der Schule Theater spiele. Und man sollte gerecht sein. Wer wie ich die Fahrchips ausgibt, sollte darauf achten, dass jeder die gleiche Menge bekommt. Nur ist das in dem Getümmel oft gar nicht so einfach.

Würdest du noch einmal als Kinderbürgermeisterin kandidieren?

Noch dürfte ich, ich bin ja erst Elf. Aber ehrlich gesagt ist es jetzt auch genug.

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