„Talkin’ ‘bout my generation“: Kulturinitiative bringt Dylan-Fans zusammen

Huldigung einer lebenden Musiker-Legende

Bob Dylan lebt – und das ist auch gut so, befanden die Gäste beim „Talkin’ ‘bout my generation“-Abend am Donnerstag im „Alten Bahnhof“. - Fotos: Warnecke

Scheeßel - Von Lars Warnecke. Draußen rauschen die Züge vorbei, drinnen knistern die alten Platten. „Talkin’ ‘bout my generation“, der zeitlos-schöne The-Who-Evergreen, dröhnt aus den Lautsprechern. Das Publikum wippt mit den Füßen, ist gespannt auf das, was noch kommen mag. Heute Abend wird im Alten Bahnhof auf die musikalische Weltkarriere einer lebenden Legende zurückgeblickt. Ein Held der Popkultur, der demnächst sogar den Literatur-Nobelpreis in sein Regal stellen darf. In heimeliger Wohnzimmer-Atmosphäre dreht sich in den nächsten Stunden alles um einen gewissen Robert Allen Zimmerman – besser bekannt als Bob Dylan.

Erst die Beatles, dann die Stone und jetzt also dieser Mann, dem eine gewisser Hang zur Exzentrik nicht abgesprochen werden kann – und der mit existentiellen Folkrocksongs wie „Blowin‘ in the wind“ und „Times they are a-changin’“ so manches Lagerfeuer begleitet haben dürfte. 75 Jahre hat Dylan auf dem Buckel – von seiner Strahlkraft hat er jedoch oder gerade deswegen nur wenig eingebüßt. Wie sonst ist es zu erklären, dass an diesem kalten Novemberabend mehr als 40 Zuschauer- und hörer an den Tischen Platz genommen haben, um gemeinsam mit dem bewährten Duo Bernd „Bobby“ Meyer und Rainer „Luffy“ Lüdemann dem Rock-Musiker und Lyriker mit der schnarrenden Stimme zu huldigen?

„Talkin’ ‘bout my generation“ – das sei ein echter Exportschlager, bemerkt Detlev Kaldinski von der veranstaltenden Kulturinitiative Scheeßel in seiner Begrüßung nicht ganz ohne Stolz. So habe das Duo sich auch im Rotenburger Kantor-Helmke-Haus und in der Kulturstellmacherei Schneverdingen schon längst eine Fangemeinde erspielt – oder besser gesagt: ersabbelt. Denn darum geht es bei dieser Art von Fan-Huldigung: Meyer und Lüdemann, kongenial begleitet von Thomas Voss an der Gitarre, lassen ihr Publikum an dem teilhaben, wofür ihr Herz schlägt: gute, handgemachte Rockmusik aus den eigenen Jugendjahren.

Episodenhaft erzählt „Luffy“ aus dem Leben Dylans – angefangen vom jungen Mann, der 1961 per Anhalter nach New York fährt, um sein Idol Woody Guthrie zu treffen, der vergessen und schwer krank in einem Hospiz liegt, über seinen Plattendeal bei Columbia und den ersten, von nur wenig Erfolg gekrönten musikalischen Gehversuchen bis hin zum immerwährend auf neuen musikalischen Pfaden wandelnden Popstar, der, so Meyer, stets seinen ganz eigenen Weg gegangen sei.

Meyer ist es denn auch, der zu jeder Karrierestation, zu jeder Anekdote den passenden Song zu Gehör bringt – und nicht selten mit einem „Ist das nicht geil?!“ kommentiert. „Wusstet Ihr, dass die Single ,Like a rolling Stone’ damals mitten im Lied umgedreht werden musste, da der Song Überlänge hat?“, fragt der Wittkopsbosteler in die Runde. Das Publikum wusste es noch nicht.

Dlyan erteilt Woodstock eine Abfuhr

Erstaunen auch darüber, dass Dylan einen Auftritt beim Woodstock-Festival ablehnte – aus Angst, er könne wie schon so oft in den Jahren zuvor für seine Entwicklung weg vom Akustischen hin zum Elektrischen vom Publikum angefeindet werden. „Dabei lebte er 1969 mit seiner Familie nur einen Steinwurf vom Gelände entfernt.“

Gänsehaut ist garantiert, als die Gastgeber einen Einspielfilm vom Marsch auf Washington aus dem Jahr 1963 zeigen, bei dem mehr als 200 000 Menschen vor dem Lincoln Memorial das Ende der Rassendiskriminierung forderten. Mittendrin: Ein damals noch weithin unbekannter New Yorker Folk-Sänger namens Bob Dylan.

Dass dessen Songs im Laufe der Jahrzehnte als Vorlage für unzählige Coverversionen dienten, erfahren die Zuschauer ganz nebenbei in einem Quiz. „Ist das nicht ... Eric Clapton?“, „Ich weiß es: Manfred Mann!“, „Das können ja nur Guns‘ n‘ Roses sein!“ schallt es durch den Saal, als Meyer die Verstärker hochdreht.

Am Ende, nach einem Drei-Stunden-Dylan-Marathon, liegen sich die Gäste in den Armen – etwas müde, aber irgendwie glücklich. „The answer, my friend, is blowin‘ in the wind“, schallt es im Chor aus 40 Kehlen. Diese Textzeile kann wirklich jeder mitsingen. Und dann spannen Meyer und Lüdemann, mit tatkräftiger Unterstützung von Detlev Kaldinski, doch noch einmal den Bogen zur bevorstehenden Preisverleihung: Das Publikum wird belohnt – mit Schokoküssen.

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