Parteien dürfen auf Parkplatz vor dem Edeka-Markt keine Wahlkampfstände mehr aufschlagen

Hausverbot für Combi-Befürworter

Nach dem Platzverweis bezogen die SPD-Wahlkämpfer Uta Hoops (v.l.), Wilfried Luckfiel, Kerstin Holsten und Wolfgang Kirschstein kurzerhand am neuen Standort vor dem Edeka Quartier.

Scheeßel - Helmut Lieder, Seniorchef des Edekas am Vahlder Weg, ist wütend. Wütend auf die Parteien, die seit einigen Wochen kräftig die Werbetrommeln vor seinem Markt rühren. Es ist Wahlkampfzeit. Und wo, wenn nicht vor Scheeßels einzigem Vollsortimenter, ließe sich an einem Samstagvormittag am effektivsten auf Stimmenfang gehen?

Den hiesigen politischen Parteien und Gruppen konnte der publikumswirksame Standort zumindest bisher nur lieb und teuer sein. Bisher. Denn auf der Zielgeraden bis zum Wahlsonntag werden sie ihre Infostände wohl an anderer Stelle aufschlagen müssen. „Bei mir auf dem Grundstück wird auf jeden Fall keine Partei mehr für ihre politische Arbeit werben“, beteuert Lieder. „Hausierer schmeißt man ja auch vom Hof.“

Was den Einzelhändler so in Rage bringt, sind die von der örtlichen Politik quer durch alle Reihen hinweg verfolgten Pläne, im Kernort – genauer an der Mühlenstraße – mit einem Combi-Markt einen zweiten Vollsortimenter ansiedeln zu lassen. „Wer so etwas zulässt und damit auch noch vor meiner Tür Werbung macht, muss gleichzeitig auch gegen mich sein“, ist Lieder, überzeugt, der mit seinem Markt über Jahre hinweg eine Art Monopolstellung in Scheeßel genoss. Für seine Mitarbeiter seien die Auswirkungen zumindest „katastrophal“, wie er sagt. „Ich müsste 25 Prozent meiner Leute entlassen.“

Am Samstag, kurz vor 11 Uhr, wurde es Helmut Lieder schließlich zu bunt. Nachdem er eigener Auskunft nach bereits mehrfach die Wahlkämpfer darauf aufmerksam gemacht hatte, sie mögen ihre Stände woanders aufstellen, machte er Nägel mit Köpfen und verwies die Genossen der SPD, die zu jener Zeit als einzige Partei vor Ort war, von seinem Parkplatz. „Ich hätte das genauso mit der CDU, den Grünen oder anderen gemacht, die den Combi unterstützen“, versichert er.

Ins Boxhorn jagen ließ sich das Wahlkampfteam mit dem Ratsvorsitzenden Wolfgang Kirschstein, dem Ersten Stellvertretenden Bürgermeister Detlev Kaldinski, den Ratsfrauen Uta Hoops und Kirsten Holsten sowie Kandidat Wilfried Luckfiel von der deutlichen Ansage nicht – kurzerhand schlug das Quintett auf einer Fläche im Eigentum der Gemeinde, die direkt am Parkplatz liegt, ihr Quartier wieder auf. Dabei hätten viele passierende Bürger durchaus mit Unverständnis auf die Forderung von Lieder reagiert, gibt Detlev Kaldinski Auskunft. „Immerhin haben wir Sozialdemokraten seit mehreren Wochen unbeanstandet vor dem Geschäft informiert.“

Für ihn und seine Parteimitstreiter sei das Gebahren des Markt-Seniorchef ohnehin nicht nachvollziehbar. „Das vom Gemeinderat in Auftrag gegebene Einzelhandelsgutachten hatte doch ganz klar ergeben, dass unsere Bürger weit mehr als zehn Millionen Euro außerhalb Scheeßels für Lebensmittel und Dinge des täglichen Bedarfs ausgeben“, so Kaldinski. „Es ist also ausreichend Kaufkraft vorhanden, um einen zweiten Vollsortimenter zu verkraften, ohne dass es an den Bestand geht.“ Kleinere, mit Scheeßel vergleichbare Gemeinden wie Sittensen, Tarmstedt oder Gnarrenburg hätten längst zwei Vollsortimenter, die gut nebeneinander bestehen können. - lw

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