Alte Schuluhr in Ostervesede restauriert

„Eine ziemliche Fummelarbeit“

Marco Soltau bei der Arbeit: Jahrzehntelang standen die Zeiger still, jetzt zeigt die Uhr an der renovierten alten Schule in Ostervesede wieder die Zeit an.

Ostervesede - Von Hannelore Rutzen. Ein Blick nach oben genügt – und die Osterveseder kennen die Uhrzeit. Denn seit wenigen Tagen zeigen die Zeiger an der großen, alten Turmuhr der ehemaligen Schule nach Jahrzehnten des Stillstands wieder die richtigen Stunden und Minuten an. Zu verdanken ist das Marco Soltau. 2014 hatte er das Gebäude erworben, um darin eine Jagdschule einziehen zu lassen. Mit Hilfe des Hobby-Uhrmachers Jan-Hendrick Dittmer erstrahlt nun der Zeitmesser wieder in neuem Glanz.

Herr Soltau, wie kam es dazu, dass Sie die Uhr ins Visier genommen haben?

Marco Soltau: Als ich und meine Familie das Schulgebäude erwarben, fiel uns natürlich die völlig verwitterte Uhr ins Auge. Wir sagten uns, wenn wir aus dem Gröbsten heraus sind, kümmern wir uns um ihre Restaurierung. Sie ist kurz nach 1912 eingebaut worden und ging bis 1955 – so viel habe ich von Frau Feldmann, die früher hier im Schulhaus lebte, erfahren. 

Irgendetwas war kaputt gegangen, und man hatte damals wahrscheinlich weder Zeit noch Geld, die Uhr zu reparieren. Wie es der Zufall will, hatte ich unter meinen Schülern mit Jan-Hendrick Dittmer jemanden, der sich in seiner Freizeit mit der Restaurierung von Zeitmessern beschäftigt. Er ist im Beruf Tischler. Der schaute sich die Uhr und ihr ehemaliges Gangwerk genauer an – und war Feuer und Flamme. 

Jan-Hendrick Dittmer: Das stimmt, mich hat auch ehrlich gesagt sofort der Ehrgeiz gepackt. Mit einer Turmuhr wie dieser hatte ich bisher noch nie zu tun. Ich schaute sie mir ihr an und studierte ihr Innenleben. Dabei bin ich bei meinen Recherchen auch auf den Hersteller gestoßen, eine Firma, die es sogar heute noch gibt.

In welchem Zustand hat sich die Uhr denn befunden?

Dittmer: Nachdem alles ausgebaut und gründlich gereinigt war, habe ich die Einzelteile zu Hause erfasst und begutachtet. Leider waren die meisten Teile nicht mehr zu gebrauchen und mussten ersetzt werden, natürlich alles in Handarbeit. Die beiden Gewichte brachten jeweils etwa 150 Kilogramm auf die Waage. Die mussten immer gekurbelt werden. Die Zeiger werden jetzt über einen speziellen Motor elektrisch angetrieben. Dieser ist mit einer funkgesteuerten Mutteruhr verbunden. So läuft sie auf die Sekunde genau.

Wie originalgetreu ist die Uhr jetzt?

Dittmer: Das Problem bestand ja darin, dass uns genaue historische Vorgaben nicht mehr vorlagen. Etwas mit Grün entdeckten wir, als wir das alte Zifferblatt abnahmen. Meine Recherche ergab das gleiche. Die Größe der Ziffern und des Minutenrings konnte ich vom alten Blatt abnehmen, das war gerade noch zu erkennen. Auch die ursprünglichen Zeiger in dreidimensionaler Form sind extra bei einer Metallbaufirma nach altem Vorbild geprägt worden. Wir entschieden uns, die aus Edelstahl gefertigten Zeiger und Ziffern mit echtem Blattgold zu veredeln. Für jedes Zifferblatt brauchte ich so ungefähr fünf Stunden – eine ganz schöne Fummelarbeit. Aber als alles fertig war, entschädigte der Anblick die vielen Stunden.

Als das alles geschafft war, kam der Tag des Einbaus und sozusagen der Tag der Bewährung.

Soltau: Meine Frau und ich waren erst einmal begeistert, und wir können Jan-Hendrick gar nicht genug für seine Arbeit danken. Ich besorgte einen Kran mit Ausleger. Und los ging’s. Wir mussten alles von außen einbauen, von innen war das nicht möglich. Freunde und Einwohner aus dem Ort waren gekommen und verfolgten unser Tun. Wir sind jedenfalls stolz. Wir haben die Restauration der Uhr nicht nur für uns getan, sondern für das ganze Dorf Ostervesede, für den Erhalt historischer Traditionen.

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