Florian von Bothmer: „Ein ,Vielleicht‘ in der Tasche reicht nicht aus“

Pyroland-Chef äußert sich zur Absage des Silvesterspektakels

Tausende von Zuschauern, viele Hobbyfotografen und einige Fernsehsender wohnten 2015 dem Pyrospektakel bei. - Fotos: Heyne

Scheeßel - Von Ulla Heyne. Der Jahresausklang sah verheißungsvoll aus: Nach dem Auftakt des zweitägigen Pyrospektakels, das 2015 erstmals mit vielen tausend Besuchern aus ganz Deutschland auf dem Eichenring über die Bühne ging, war eine Wiederholung bereits angekündigt. Mitte dieser Woche hieß es aus dem Haus Pyroland dann überraschend: „Das Event fällt aus.“

Bereits 2014 war die Erstauflage noch während der Planungsphase abgesagt worden. Auch dieses Mal blieben die Ursachen bisher im Dunkeln. Wir sprachen mit Florian von Bothmer, dem geistigen Vater der beliebten Feuerwerke, über die Hintergründe.

Herr von Bothmer, in Ihrer Pressemitteilung nannten sie als Grund für die Absage der diesjährigen Feuerwerke am Eichenring kryptisch, Sie hätten nicht „alle unmittelbar beteiligten Kräfte“ von einer Wiederholung überzeugen können – was steckt konkret dahinter?

Florian von Bothmer

Florian von Bothmer: Es ist natürlich absichtlich kryptisch formuliert. Nur weil man uns auf den Schlips getreten ist, bedeutet das ja nicht, dass man gleich zurücktreten muss. Natürlich gibt es Instanzen, denen wir in aller Öffentlichkeit die Schuld zuweisen könnten. Ob das allerdings besonders klug wäre, sei dahingestellt. Es bringt ja nichts, jetzt mit dem Finger auf Leute zu zeigen, die uns den Spaß verdorben haben. Denn diese Leute müssen wir auch nächstes Jahr wieder um Erlaubnis bitten. Eventuell erreichen wir ja mehr, wenn wir versuchen, die Steine durch guten Umgang miteinander aus dem Weg zu räumen, als jemanden anzuprangern. Wir haben jetzt ein weiteres Jahr dazu gewonnen, in dem wir versuchen können, Skeptiker und Unschlüssige auf unsere Seite zu ziehen. Versuchen werden wir es auf jeden Fall.

Die Spekulationen, die Vorstellungen von Landkreis, Gemeinde und Behörden bezüglich der Auflagen seien nicht erfüllbar gewesen, sind also unbegründet?

von Bothmer: Wenn man genug Zeit hat, dann kann man sicher fast jede Auflage erfüllen. Man kann aber eben auch auf Zeit spielen. Und einige Leute, von denen wir letztendlich abhängig sind, haben genau das getan. Einfach keine eindeutige Antwort geben, ob das, was wir erbringen ausreichend ist, um die Veranstaltung durchzuführen. Eine perfekte Methode, um späterem Ärger aus dem Weg zu gehen. Ich halte dieses Vorgehen für nahezu brillant. Fairerweise muss ich aber auch erwähnen, dass wir von vielen Seiten unglaublich viel Unterstützung, ganz besonders durch den Landkreis Rotenburg, erfahren haben.

Waren denn, sieben Wochen vor der Großveranstaltung, die Genehmigungen noch nicht beantragt und erteilt worden? Im Prinzip wich das, was Sie dieses Jahr vorhatten, doch nicht elementar vom Vorjahr ab?

von Bothmer: Jedem Beteiligten war nach dem Erfolg von 2015 klar, dass wir das Ereignis wiederholen wollen. Dementsprechend zeitig haben wir uns um alles gekümmert. Natürlich waren Verbesserungen im Ablauf vorgesehen, man lernt ja nie aus. Das Konzept war aber deckungsgleich. Und obwohl 2015 nichts Ungewöhnliches geschehen ist, war man bis zum Ende hin nicht bereit uns zu sagen, ob ein einzelner Anwohner oder Waldbesitzer, der sein Veto einlegt, die Veranstaltung kippen kann oder nicht. Mit einem „Vielleicht“ in der Tasche kann man doch kein Event planen! Stellen Sie sich vor, Sie haben da Hunderte Mitwirkende im Rücken, die auch dann bezahlt werden müssen, wenn nichts stattfindet. Also haben wir das getan, was jeder Pilot in gefährlichen Situationen tut: Die Landung abgebrochen, damit niemandem etwas passiert. Wir kreisen jetzt noch ein Jahr über Scheeßel und setzen dann erneut an. Vielleicht hat der Tower dann klare Anweisungen für uns.

Gab es keinen Plan B – etwa eine Rückkehr an den alten Standort, vielleicht eine kleinere Lösung?

von Bothmer: Der Eichenring ist bereits Plan B. Plan A – Lauenbrück – war dem Ansturm ja nicht mehr gewachsen. Ich kann mir nicht vorstellen, wie wir eine kleinere Lösung hätten angehen sollen. Einfach sagen: „Wir machen es, aber bitte bitte, dass nicht wieder 15 000 Leute pro Tag kommen ...“? Wir hatten inzwischen Gäste aus der ganzen Republik, wir sind fast so etwas wie die „Kölner Lichter“ des Nordens geworden. Da hält man niemanden vom Kommen ab.

Wenn Sie in Ihrer Mitteilung von „unüblichen Umständen“ sprechen und das Fehlen einer klaren Position der Beteiligten zu den Feuerwerken reklamieren, klingt das nach einem Mangel an Rückendeckung. Welche Unterstützung würden Sie sich konkret wünschen, damit das Feuerwerk im nächsten Jahr steigen kann?

von Bothmer: Ganz ehrlich? Dass die Exekutive von Scheeßel sich öffentlich zu diesem Event bekennt und sich am Ende nicht darauf zurückzieht, dass es dem Bothmer nicht gelungen ist, alle Auflagen zu erfüllen. Man braucht auch etwas Mut zu sagen: Einige sind dagegen, aber Tausende sind dafür! Und wenn die, die immer Nein sagen, wieder Nein sagen, dann habt ihr trotzdem das Ja von Scheeßel! Das wünsche ich mir: Keine Auflagen mehr, die zum Scheitern verurteilt sind, wie: Wenn alle Ja sagen, dann dürft ihr vielleicht. Es werden niemals alle Ja sagen. Diese Anforderung öffnet ja jedem Tür und Tor für alles, was man sich vorstellen kann. In diesem Moment habe ich die Reißleine gezogen.

Wie sehen Sie die Chancen, dass das Spektakel in dieser oder ähnlicher Form überhaupt noch einmal durchgeführt wird? Gibt es Erwägungen eines weiteren Standortwechsels?

von Bothmer: Kein Plan C mehr, nein. Plan B – der Eichenring – der ist perfekt. Ich kann es nicht in Prozent ausdrücken. Wir wollen es zu hundert Prozent, Tausende Gäste wollen es. Scheeßel muss es wollen. Fragen Sie da mal nach den Chancen. Man wird Ihnen wahrscheinlich sagen, dass wenn ich alle Auflagen erfülle, das Ganze kein Problem ist. Versuchen Sie mal ein klares „Ja“ zu ergattern und reichen Sie es gerne an mich weiter.

Was sagen Sie den vielen Pyrofans, die ihr Bedauern ja schon in den sozialen Medien geäußert haben, und die das Event schon fest eingeplant hatten – nicht nur Privatpersonen, sondern auch Vereine, die Flyer gedruckt und Busse gechartert haben?

von Bothmer: Niemand ist wirklich böse auf uns. Wir haben die besten Fans, die man sich wünschen kann. Wir brauchen gar nichts zu sagen, im Moment erhalten wir ganz viel Zuspruch und man schwört uns die Treue. Die Leute sind ja auch nicht von gestern. Wir haben seit sechs Monaten an zwei gigantischen musiksynchronen Pyromusicals gearbeitet – erstmalig übrigens mit einer Dauer von mehr als 20 Minuten. Wir wollten unseren treuen Seelen ja auch etwas bieten. Man weiß da draußen ganz genau, wie schwer uns diese Entscheidung gefallen ist.

Bereits 2014 gab es eine ähnliche Situation und das Pyro-Highlight wurde, allerdings nicht ganz so zeitnah, abgesagt – zieht man sich da auch Ärger zu?

von Bothmer: Anders, man zieht sich keinen Ärger zu, man ärgert sich. Denn man trifft viele traurige Gesichter, für die man eigentlich nichts kann. Sagen wir, die Absage von 2014 hat gezeigt, dass es ein Jahr später ein Event geben kann.

www.pyroland.de

Pyrospektakel auf dem Eichenring

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