Anja Schürmann ist seit einem Jahr als Scheeßels Gleichstellungsbeauftragte aktiv

„Ein neutrales Ohr haben“

Seit dem 1. Juli vergangenen Jahres ist Anja Schürmann Gleichstellungsbeauftragte der Gemeinde Scheeßel - Foto: Ujen

Scheeßel - Eine Arbeitsstelle und die Familie unter einen Hut zu bringen, das ist eine Herausforderung. Anja Schürmann kennt diese Schwierigkeiten aus eigener Erfahrung. Seit über einem Jahr ist sie als ehrenamtliche Gleichstellungsbeauftragte der Gemeinde Scheeßel im Dienst. Wie sind die ersten Monate für die Wittkopsbostelerin gelaufen? Was hat sie schon in die Tat umsetzen können, was nicht? Darüber haben wir uns mit der 39-Jährigen unterhalten.

Frau Schürmann, Ihre Motivation zum Amtsantritt damals war, allen zu helfen, die Hilfe und Unterstützung brauchen – wurde Ihre Hilfe denn überhaupt gebraucht?

Anja Schürmann: Ja, durchaus. Auf einige Leute bin ich auch selbst zugegangen, wenn ich wusste, dass das okay war. Andere haben selber den Mut aufgebracht, mich zu kontaktieren. Vieles entsteht im Laufe eines Gesprächs über ursprünglich etwas ganz anderes. Ich denke, viele kennen diese Situation: Man trifft sich auf einer Fete und kommt ins Gespräch – spätestens, wenn die Frage nach dem Beruf geklärt ist, folgt die Frage: „Gleichstellungsbeauftragte? Was ist das denn? – ich wusste gar nicht, dass Scheeßel so etwas hat ...“ Ja, und dann kommt der Stein ins Rollen oder ich werde zu einem späteren Zeitpunkt noch einmal kontaktiert – wenn nicht so viele Zuhörer dabei sind.

Wer hat denn bisher überhaupt Rat bei Ihnen gesucht?

Schürmann: Zum Beispiel Alleinerziehende, die Fragen zum Unterhalt und zu finanzieller Unterstützung haben – oder einfach nur mal ein neutrales Ohr brauchen. Aber auch Fragen zum Thema Altersvorsorge bei Frauen im Erziehungsurlaub oder in der Zeit danach, wenn zunächst ein Job auf 450-Euro-Basis oder in Teilzeit angestrebt wird – die Gleichstellungsbeauftragten der Stadt Rotenburg und Zeven haben zu diesem Thema übrigens eine ganz tolle Aufklärungsbroschüre erarbeitet – sie liegt auch im Scheeßeler Rathaus aus.

Wie konnten Sie den Ratsuchenden helfen?

Schürmann: Ich habe sie an Beratungsstellen vermittelt und sie zum Teil auch begleitet, wenn dieses gewünscht war. Zudem wurden sie mit den entsprechenden Antragsformularen versorgt. Im Landkreis haben wir ein gut ausgebautes Netzwerk von solchen Stellen beziehungsweise Organisationen, die in vielen Bereichen sowohl praktisch unterstützen als auch seelsorgerische Hilfe leisten. Man muss sich nur trauen, diese Hilfe auch in Anspruch zu nehmen. Zu vielen Themen gibt es bereits gutes Infomaterial, welches ich dann weiter gebe – so zum Beispiel zum Thema Minijob, Erziehungsgeld oder Hilfe bei sexualisierter Gewalt.

Sie haben vor einiger Zeit das Café Refugium im Meyerhof zusammen mit Anouschka Stooff initiiert und zu einem Treffpunkt für Asylsuchende und Scheeßeler Bürgern gemacht – wie konnten Sie diese Idee realisieren und wie werden diese Nachmittage angenommen?

Schürmann: Wir hatten die Idee und haben es einfach gemacht. Im Großen und Ganzen wird das Café gut angenommen. Wir würden uns natürlich sehr freuen, wenn noch mehr Scheeßeler kommen. Es ist vor allen Dingen ein Ort geworden, an dem sich die Flüchtlinge treffen und auch selber die unterschiedlichen Nationalitäten kennen lernen – es kommen ja nicht alle aus dem selben Land oder der selben Kultur. Aber das klappt ganz gut. Das Café bietet zum einen ein bisschen Zerstreuung, ist aber auch Anlaufstelle bei Fragen und Nöten. Leider hat nicht mehr jede WG oder Familie einen so genannten Paten. Es sind einfach zu viele Flüchtlinge und zu wenige Ehrenamtliche. Da ist das Café eine gute Unterstützung für beide Seiten.

Wo gab es die größten Schwierigkeiten, Ihre Arbeit zu verwirklichen?

Schürmann: Ich musste erst einmal den genauen gesetzlichen Rahmen einer Gleichstellungsbeauftragen kennen lernen. Ich wurde entsprechend geschult – und, was ganz wichtig für mich ist, wir sind untereinander sehr gut vernetzt. Nicht nur hier im Landkreis, sondern in ganz Deutschland. Regelmäßig finden Treffen und auch Fortbildungen statt, und im Zeitalter des Internet ist es ja überhaupt gar kein Problem, auf dem Laufenden zu bleiben und sich untereinander auszutauschen.

Welche weiteren Ziele und persönliche Wünsche haben Sie für Ihre weitere Tätigkeit?

Schürmann: Ich habe im nächsten Jahr für den Freitag nach Ostern einen Autoren eingeladen – Björn Süfke. Er hat eine ganze Menge zum Thema Männer und deren (Nicht-)Emanzipation geschrieben. Das neueste Buch „Männer Erfindet. Euch. Neu. Was es heute heißt, ein Mann zu sein“ habe ich gerade gelesen und kann dies nur empfehlen. Es ist superinteressant – auch für Frauen – und nicht so trocken geschrieben. Dann bin ich ja auch Mitglied der AG Jugend in Scheeßel. Dort werden gerade viele neue Ideen erarbeitet und ich hoffe, dass wir vieles davon auch umsetzen können. Ansonsten wird das Café bis auf Weiteres stattfinden. Ich hoffe, dass unser Team weiterhin so harmonisch miteinander arbeitet und dass uns nicht die Puste ausgeht.

Persönliche Kontaktaufnahme beziehungsweise Terminvereinbarungen mit Anja Schürmann sind möglich unter der Telefonnummer 04263 / 9308-1800 zu den Öffnungszeiten des Scheeßeler Rathauses sowie jederzeit per E-Mail: gleichstellungsbeauftragte@scheessel.de oder gstg.schuermann@gmail.com.

Von Ursula Ujen

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