Zum Tod von David Bowie:

„Er war ein pures Energiebündel“

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Sein letztes eigenes Konzert: David Bowie begeistert auf dem Hurricane 2004 die Massen.

Scheeßel - Von Lars Warnecke. Es ist Samstag, der 26. Juni 2004. Kurz nach 22 Uhr betritt mit David Bowie eine Musikerlegende die Hurricane-Bühne auf dem Scheeßeler Eichenring. Die Massen grölen, sind außer sich angesichts des charismatischen Typen, auf den die Schweinwerfer gerichtet sind.

Bowie ist der Headliner, legt einen grandiosen Auftritt hin. Nach 17 Songs und den letzten Klängen von „Ziggy Stardust“ ist Schluss. Am Sonntag starb der Musiker mit 69 Jahren an Krebs. Bis zu seinem Tod sollte der Gig in Scheeßel sein letzter Konzert-Auftritt bleiben. Zeitzeugen erinnern sich.

Es war eine regelrechte Schockwelle, die am Tag nach dem gefeierten Konzert durch die Welt schwappte: Bowie, damals 57 Jahre alt und nach seinen musikalischen Hochzeiten in den 1970er und 1980er Jahren längst mit dem Status einer lebenden Legende versehen, musste notoperiert werden. Der britische Sänger („Heroes“, „Let‘s Dance“) hatte während seines Auftritts fast einen Herzinfarkt erlitten. „Dass irgendwas mit ihm nicht stimmte, zeichnete sich wohl schon vier Tage vorher bei einer Show in Prag ab“, erzählt der Scheeßeler Bowie-Fan Detlev Kaldinski. Als langjähriger Pressesprecher und Organisator der Polizeieinsätze beim Festival kam er den Künstlern oft sehr nahe – so auch dem Sänger. „Ich habe mir damals das Konzert nach meinem Feierabend natürlich angeschaut – bin anschließend noch kurz zur Einsatzleitung gegangen, um zufällig Bowie im Backstage-Bereich hastig in seine schwarze Limousine einsteigen zu sehen“, erinnert sich Kaldinski an den für ihn unvergesslichen Moment.

Zu jenem Zeitpunkt sei dem Polizeibeamten noch nicht bekannt gewesen, was Bowie zur Eile angetrieben hatte. „Der Mann war auf der Bühne ein pures Energiebündel!“ Und doch plagten ihn starke Schulterschmerzen. So stark, dass sich Bowie in ärztliche Behandlung begab. „Zu seinem großen Glück, denn der Doktor diagnostizierte bei ihm eine verstopfte Arterie“, lässt Kaldinski die Ereignisse Revue passieren.

Was unmittelbar folgte, war eine in einem Hamburger Krankenhaus durchgeführte Not-OP, bei der dem Briten ein sogenannter Stent eingesetzt wurde, der so einen beinahe aufgekommenen Herzinfarkt vereitelte. Der geplante Auftritt am Folgeabend auf dem Southside-Zwillingsfestival fand nicht mehr statt – ebenso mussten alle restlichen zehn Europa-Auftritte kurzerhand abgesagt werden. Für Bowie sprang damals die Band Placebo in die Bresche.

Um den Sänger wurde es – trotz anfänglicher Ankündigungen, wieder live auf der Bühne stehen zu wollen – ruhig. Bis zu seinem Todestag spielte David Bowie kein eigenes Konzert mehr. Die Show auf dem Eichenring – sie sollte die letzte bleiben. Sehr zum Bedauern von Folkert Koopmans. Der Chef vom Festivalveranstalter FKP Scorpio, selbst ein großer Anhänger seiner Musik, hatte Bowie seinerzeit über dessen Management höchstselbst für den Auftritt verpflichtet. „Ich hatte gehofft, dass wir ihn irgendwann nocheinmal auf Tournee sehen würden“, so Koopmans, der gerade in Miami weilt.

Dass der Deal mit Bowie überhaupt zustande gekommen war, sei seinen Worten nach gar nicht so sehr den eigenen Bemühungen geschuldet gewesen. Koopmans: „Wir waren zwar gerade auf der Suche nach einem Headliner, den Bowie hatten wir aber gar nicht so richtig dabei im Blickfeld, da er für unser Publikum quasi schon zu alt war.“ So sei es der Sänger selbst gewesen, der gerne mit jüngeren Gruppen auf der Bühne stehen wollte – und somit auch das Hurricane-Festival in seine engere Auswahl geriet. „Wir haben uns dann überzeugen lassen und gesagt, dass man ihn – obwohl seine Erfolge schon lange zurücklagen – gut präsentieren könne“, blickt der Festivalveranstalter zurück.

Auch Koopmans sei der Auftritt in guter Erinnerung geblieben: „Er hat das professionell durchgezogen.“ Persönlich getroffen habe er Bowie während des Festivals jedoch nicht. „Er ist ja dann wirklich schnell wieder abgefahren und war auch erst kurz vor dem Auftritt vor Ort.“

Einer, der den Sänger genauer ins Visier genommen hatte, war der Kreiszeitung-Redakteur und Fotograf Guido Menker: „Es war schon etwas ganz Besonderes, einen Mann wie David Bowie vor die Linse zu bekommen. Deshalb war ich auch zuerst etwas enttäuscht, weil keine Fotografen in den Bühnengraben durften. Vom Mischpult aus – gefühlte 150 Meter entfernt – hatten wir während der ersten drei Songs Gelegenheit, Aufnahmen zu machen. Für mich bis heute der größte Moment dieses Festivals – nicht nur wegen der Fotos, sondern auch, weil dieser Auftritt einfach absolut packend war.“

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