Tochter schwänzt Schule - Mutter droht Gefängnis

„Dann gehe ich eben in den Knast!“

Corinna Brecht

Scheeßel - Corinna Brecht gibt nicht nach. Weil ihre 17-jährige Tochter, die die Kooperative Gesamtschule in Sittensen besucht, eine notorische Schulschwänzerin ist, soll die Scheeßelerin als Erziehungsberechtigte ein Bußgeld über 273,50 Euro auf das Konto des Landkreises überweisen. 

Einen ganzen Aktenordner füllt der Schriftverkehr zwischen ihr, der Schulverwaltungsbehörde und dem Jugendamt mittlerweile. Doch trotz mehrfacher Zahlungsaufforderung bleibt die dreifache Mutter stur. „Warum soll ich für etwas zur Rechenschaft gezogen werden, wofür ich gar nichts kann?“, fragt sie. Selbst die Androhung einer Erzwingungshaft, sollte Brecht nicht bis Montag das Bußgeld gezahlt haben, lässt sie kalt. „Dann gehe ich eben in den Knast!“ Damit, ist sie überzeugt, würde sie ein Zeichen setzen. „Es muss sich etwas ändern, nicht allein mit Blick auf die Rechtsprechung, sondern auch in der Behandlung der Kinder“, ergänzt Brechts Lebensgefährte Kurt Bankowski. Er steht voll hinter seiner Partnerin.

Konkret geht es in dem Fall um eine hohe Anzahl an unentschuldigten Fehltagen der Tochter. Allein im vergangenen Schuljahr, geht aus einem der Redaktion vorliegenden Schreiben des Schulverwaltungsamtes an die Mutter hervor, seien von insgesamt 59 Tagen, die die 17-Jährige dem Unterricht fernblieb, 41 unentschuldigt gewesen. „Das aktuelle Verfahren bezieht sich aber noch auf das zweite Schullhalbjahr 2014/15, in dem von 15 unentschuldigten Fehltagen die Rede ist“, erklärt Brecht.

Sie fahre inzwischen die Tochter zur Schule

Mehrfach schon hätten Gespräche zwischen ihr, dem Schulzweigleiter und der Klassenlehrerin stattgefunden. Auch das Jugendamt sei eingeschaltet. „Doch statt an konkreten Lösungen zu arbeiten, heißt es immer nur, ich würde als Erziehungsberechtigte nicht eingreifend auf meine Tochter einwirken.“ Dabei würde sie inzwischen fast täglich die Tochter mit dem Auto zur Schule fahren. Offenbar ohne, dass sich etwas ändert. „Soll ich mich neben sie in den Unterricht setzen und aufpassen, dass sie nicht wieder abhaut?“ Ihren Worten nach reiche eine schriftliche Bestätigung der KGS aus, „dass ich alles mache, was ich machen kann – dann wäre ich aus der Sache raus“. Immer wieder habe sie das auch von der Schule eingefordert, „zustande gekommen ist das Schreiben nie“.

Brecht gesteht ein, dass ihre Tochter von launischer Natur sei. Warum der Teenager, der sich nach Auskunft der Mutter bereits in psychologischer Behandlung befinden soll, immer wieder die Schule schwänzt – die Mutter zuckt mit den Schultern. „Ich dringe einfach nicht mehr zu ihr durch.“ Weder der Landkreis noch Schule standen gestern für eine Auskunft zur Verfügung. 

lw

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