Christine Behrens entdeckt Gemeine Wegwarte

Ein botanisch seltener Fund

Christine Behrens ist froh, die verloren geglaubte Zichorie wieder im heimischen Garten zu haben. „Irgendwann werde ich aus ihrer Wurzel Kaffee machen“, sagt die ehemalige Museumsleiterin. - Fotos: Warnecke

Scheeßel - Besonders schön ist sie nicht, in unseren Breitengraden aber dennoch eine wahre Rarität: die „Cichorium intybus“, besser auch bekannt als Gemeine Wegwarte oder Zichorie. Entdeckt hat die blau schimmernde Pflanze Christine Behrens, ehemalige Vorsitzende des Heimatvereins – nicht im Gebirge, wo sie für gewöhnlich am Wegesrand wächst, sondern auf dem Untervogtplatz.

Da war die Verwunderung groß: Noch im vergangenen Jahr blühte die Zichorie in Behrens‘ heimischem Garten in voller Pracht – zwischen Hortensien, Rosen und vielen anderen Gewächsen. Eine im rheinland-pfälzischen Hunsrück lebende Bekannte hatte ihr den Korbblütler einmal mitgebracht. „Doch in diesem Frühjahr war die Pflanze plötzlich verschwunden“, erzählt die 82-Jährige. Verantwortlich dafür sei wohl das zu früh einsetzende Tauwetter und die dazu einsetzenden Nachtfröste gewesen. „Meinen Hibiskus hat es übrigens leider auch erwischt.“

Anfang der Woche dann erspähte Christine Behrens im Vorbeifahren die verloren geglaubte Zichorie in einem an den Untervogtplatz grenzendes Pflanzenbeet, zwischen Rainfarn, Johanniskraut und Schafgarbe. Keine hundert Meter von ihrem Haus an der Zevener Straße entfernt. „Erst habe ich an eine Kornblume gedacht, doch dann schimmerte es mir“, berichtet Behrens. Für sie steht fest: „Die Vögel müssen die Saat aus meinem Garten wohl dort hin getragen haben, denn nirgendwo anders in der Umgebung ist die Wegwarte anzutreffen.

Schnell war die Erlaubnis zum Ausbuddeln im Rathaus geholt. Tatkräftige Unterstützung holte sich die rüstige Seniorin von Wolfgang Opitz, einem der Junghandwerker des Heimatvereins.

Inzwischen hat die Zichorie wieder ihren angestammten Platz gefunden. Was sie besonders macht, sei ihre Pfahlwurzel, erläutert die Pflanzenkennerin. So habe man sie noch im 19. Jahrhundert zur Gewinnung von Landkaffee genutzt. „Dafür gab es den Zichorienbrenner, der von Hof zu Hof ging, um die in Stücke geschnittene Wurzel zu rösten und hernach zu mahlen“, so Behrens. Danach habe die Bäuerin einen Steintopf geholt, worin sie die fein gemahlenen Zichorien mit etwas Salz vermischte und fest stampfte, um alles haltbarer zu machen.

Auch sie wollte sich schon immer einmal im Rösten der Zichorienwurzel ausprobieren, erzählt die ehemalige Museumsleiterin. Die Grundlage dafür hat sie nun. „Nun muss sich die Pflanze nur noch vermehren.“ 

lw

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