Die Sparkasse Rotenburg-Bremervörde verteidigt Prinzip

Interview zum Weltspartag: Wozu noch sparen?

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Was bleibt der Jugend von heute in ein paar Jahren noch vom Ersparten? Die Sparkasse Rotenburg-Bremervörde setzt auf langfristige Anlagestrategien – die würden auch noch einen vernünftigen Ertrag bringen. 

Rotenburg - Von Michael Krüger. Was bleibt noch vom Ersparten in ein paar Jahren? Am Freitag ist Weltspartag, viele Kinder werden ihr Sparschwein zu ihrer Bank oder Sparkasse bringen. Doch Zinsen auf ein Sparbuch gibt es nicht mehr. Warum also noch sparen? Welche Anlage sollten Eltern für ihre Kinder wählen? Wir haben nachgefragt beim größten Kreditinstitut im Landkreis – Antworten gaben Vermögensberater Walter Lemmermann und Volker Eichler, Leiter des Marktbereichs Süd der Sparkasse Rotenburg-Bremervörde.

Am Freitag ist Weltspartag. Bei null Zinsen fragt man sich aber: Warum sollte ich noch sparen? Was bringt das?

Walter Lemmermann: Solange man Ziele und Wünsche hat, lohnt sich das Sparen. Volker Eichler: Trotz immer niedrigerer Zinsen zahlen die Leute ein. Die Kunden haben Geld. Das ist eine Frage des Vertrauens in das Kreditinstitut. Wenn man nicht spart, erübrigt sich die Frage, was man sich später mal anschaffen kann. Auch für Kinder gilt, scheibchenweise zu sparen, um sich später etwas Größeres zu leisten. Das galt vor zehn oder 20 Jahren, das gilt auch heute noch.

Sie zielen insbesondere auf junge Kunden: Müssen nicht gerade die langfristig umdenken und nicht mehr ans Sparschwein denken?

Lemmermann: Das Sparschwein ist der Anfang. Das Sparbuch ist die Sammelstelle, um von da ab alle möglichen Anlagemöglichkeiten zu bedenken. Das Kind zuhause kauft natürlich keinen Investmentfonds. Es geht um die Grundidee des Konsumverzichts und des Sparens.

Wie legen Sie das Geld der Kinder an?

Lemmermann: Wir legen es in dem Bereich an, der den Anlagezielen der Kinder und natürlich insbesondere der Eltern entspricht. Die Strategie für meinen Neffen, der ein halbes Jahr alt ist, ist eine langfristige. Wenn mein anderer Neffe, 15 Jahre alt, kommt, dann werde ich eine kurzfristige Anlage suchen, weil er in zwei Jahren den Führerschein machen will.

Wie erklären Sie einer Sechsjährigen, dass sie sich von ihrem gesparten Geld heute zwei Kugeln Eis kaufen kann, in zwei Jahren aber nur noch eine?

Lemmermann: Wenn sie nicht spart, kann sie sich in ein paar Jahren gar kein Eis kaufen – das ist die erste Aussage: Wenn du dir später etwas kaufen willst, musst du etwas zurücklegen. Und mit den Eltern würde ich in einem zweiten Schritt eine Anlagestrategie wählen, mit der wir die Inflation schlagen.

Die gibt es noch?

Lemmermann: Die gibt es zuhauf – wenn auch nicht mit dem Sparbuch.

Warum bekomme ich auf mein Tagesgeld keine Zinsen mehr?

Eichler: Das Grundprinzip von Zinsen basiert auf Angebot und Nachfrage. Momentan haben wir ein Überangebot an Geld, und wenn zu viel Geld da ist, sinkt der Zins. Ein Grund dafür ist die Geldpolitik der Europäischen Zentralbank. Lemmermann: Die Situation ist doch gar nicht so neu. Es fällt den Leuten jetzt nur auf, weil der Zins bei Null ist. Es gab auch Phasen, wo ich auf mein Sparbuch ein bis zwei Prozent Zinsen bekommen habe, es aber auch eine Inflationsrate von drei bis vier Prozent gab. Kein Mensch hat damals von diesem realen Verlust gesprochen. Momentan haben wir null Prozent Zinsen und 0,8 Inflation – der Verlust ist eigentlich noch geringer als in manch anderen Phasen.

Drohen uns in Rotenburg denn Negativ-Zinsen für Kleinanleger?

Eichler: Sparkassen und Volksbanken sagen, dass sie, solange es irgendwie geht, Negativ-Zinsen für Privatkunden vermeiden.

Sind nicht Gebühren für Konten und Dienstleistungen wie Überweisungen und Kontoauszüge nicht schon Minus-Zinsen?

Lemmermann: Nein. Eine Bank hat bei einem Zinsniveau von einem bis zu drei Prozent bei einer Null-Prozent-Verzinsung auf dem Girokonto an dem Guthaben Geld verdient. Wenn es aber keine Zinsen mehr gibt, verdienen wir am Guthaben nichts mehr. Aber die Leistung eines Girokontos kostet einen Dienstleister Geld. Das müssen wir durch Preise umlegen. Das Konto ist ein Wert, den wir erbringen!

Am Gesparten Ihrer Kunden verdienen Sie also nicht.

Lemmermann: Zur Zeit nicht.

Warum veranstalten Sie dann noch den Weltspartag?

Lemmermann: Aus kaufmännischer Sicht wäre es für uns tatsächlich billiger, das Geld woanders aufzunehmen. Das ist aber nicht das Geschäftsmodell der Sparkassen. Wir sind vor Ort und wollen den Leuten das Sparen näher bringen.

Womit verdient eine Sparkasse dann Geld?

Eichler: Eine Säule ist, dass wir im Rahmen der gesetzlichen Möglichkeiten kurzfristiges Geld langfristig anlegen. Und bei Kreditvergaben. Tendenziell fällt es den zinsgesteuerten Geldinstituten aber schwerer, Geld zu verdienen.

Die Sparkassen beklagen sich aber auf sehr hohem Niveau – bei Ihnen steht für das vergangene Jahr ein Überschuss von 2,7 Millionen Euro in der Bilanz!

Eichler: Das Jahresergebnis eines Kreditinstituts ist das Ergebnis aus einer Vielzahl von Leistungen, die man als Außenstehender gar nicht wahrnimmt. Dafür muss natürlich viel getan werden. Wir müssen bestimmte gesetzliche Vorgaben zur Eigenkapitalstärkung erreichen, aber unser Auftrag ist nicht die Gewinnmaximierung. Das, was wir dafür tun müssen, liegt ganz oft „unter der Motorhaube“. Wir müssen uns verändern und gleichzeitig den Wünschen der Kunden gerecht werden.

Müssen Sie oft erklären, warum andere Banken noch kostenlose Konten anbieten?

Lemmermann: Nein. Erstens ist es nur noch eine Handvoll. Und dann wird die Dienstleistung, die wir anbieten, wahrgenommen. Wir haben zum Beispiel mehr Automaten hier stehen als noch vor zehn Jahren. Die Versorgung und Logistik sind besser geworden. Das sehen die Kunden. Eichler: Es ist kein Geheimnis, dass wir im vergangenen Jahr die Kontoführungsgebühren erhöht haben. Aber wir haben eine klare Transparenz mit drei Modellen im Girobereich geschaffen, ohne verdeckte Kosten. Der Kunde hat verstanden, dass das Konto eine Dienstleistung ist, die Geld kostet.

Zurück zum Thema Sparen: Verkaufen wollen doch alle! Welchem Berater kann ich denn vertrauen?

Lemmermann: Jedem unserer Berater. Schon in der Ausbildung geht es bei uns nicht ums „Verkaufen“, sondern ums „Beraten“. Wenn die Sparkasse das wäre, was die Frage suggeriert, würde ich es im ländlichen Bereich genau ein Mal machen. Dann kommt der Kunde nicht wieder. Und der Nachbar auch nicht. Wer 30 Jahre lang vor Ort verkaufen will, darf das nicht wegen der Provision tun, sondern wegen der kundengerechten Vermittlung.

Dann können wir Ihnen ja vertrauen und stellen die alles entscheidende Frage: Was ist die beste Geldanlage für mein Kind?

Lemmermann: Wenn ich diese Frage in einer Minute beantworten würde, dann wäre ich ein schlechter Berater. Dann würde ich überhaupt nich nachfragen, was Sie wollen. Ich gehe in jedes Gespräch mit einer leeren Mappe, um zu erfahren, worauf der Kunde hinaus will.

Weltspartag

Die Idee für den Weltspartag ist beim ersten internationalen Sparkassenkongress (First International Thrift Congress) im Oktober 1924 entstanden. Vertreter aus 27 Nationen waren dabei. Ziel war es, den Spargedanken zu fördern und den Menschen zu vermitteln, dass man mit dieser einfachen Idee und eigener Initiative im Leben mehr erreichen kann. Der erste Weltspartag wurde von den europäischen Sparkassen am 31. Oktober 1925 begangen.

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