Probleme junger Mütter in Rotenburg 

„Stillen gehört zum Kinderkriegen einfach dazu“

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Tessa Meiring (von links), Carmen Sel-Bülter, Daniela Bumann und Anika Blum sind vom Stillen überzeugt.

Rotenburg - Von Elisabeth Stockinger. Stillen in der Öffentlichkeit: Daran scheiden sich die Geister. Die einen dulden das Nuckeln am Nachbartisch, die anderen schauen beschämt weg. Und so manch einer fühlt sich von der jungen Mutter gar auf den Schlips getreten, die ihr Neugeborenes an publiken Plätzen an die Brust legt. Denn das gehört sich doch nicht. Oder? Welche Erfahrungen sie mit diesem Thema gemacht haben, das erzählen vier Mütter, die regelmäßig das Rotenburger Familienforum Simbav besuchen.

„Kunterbunt“ geht es an diesem Donnerstagmorgen im Simbav zu. Der Name der Eltern-Kind-Gruppe ist Programm. Ein- bis Dreijährige Mädchen und Jungen wuseln und krabbeln auf dem Boden, lachen und quäken vor sich hin. Dazwischen haben es sich Tessa Meiring, Anika Blum, Carmen Sel-Bülter und Daniela Bumann in der Kuschelecke bequem gemacht.

Die vier Frauen, zwischen 28 und 39 Jahre alt, sind allesamt Mütter. Ins Familienforum kommen sie, um die Kleinen miteinander spielen zu lassen und sich währenddessen untereinander über ihre Erfahrungen als Mutter auszutauschen. Gemeinsam ist ihnen zudem, dass sie ihre Babys gestillt haben, zwei von ihnen sind noch dabei. Und das nicht etwa nur zu Hause in den eigenen vier Wänden, sondern durchaus in der Öffentlichkeit.

„Ich bin selten negativ angesprochen worden“, erzählt Anika Blum. Sie stillt ihren Kleinen im Restaurant am Tisch, im Zugabteil, auf der Fähre – wenn das Kind eben Hunger hat. „Die meisten Menschen kriegen das gar nicht mit“, ist sie sicher. Ein Stilltuch verdecke das meiste, „und ich will schließlich auch nicht, dass jemand etwas sieht“. Warum sich auch verstecken, fragt Tessa Meiring. Warum im Restaurant den Tisch verlassen und die sanitären Anlagen aufsuchen? „Ich esse schließlich auch nicht auf Toilette“, betont sie. Besonders hygienisch sei das schließlich nicht. Von appetitlich ganz zu schweigen.

Doch: So manche Menschen fühlten sich doch unwohl, wenn sie heutzutage eine junge Mutter die Brust geben sehen. „Mich haben ältere Herrschaften in der Eisdiele die ganze Zeit angeschaut. Ich habe nur darauf gewartet, dass sie herüberkommen und etwas sagen.“ Möglicherweise sei das aber auch eine Generationenfrage, vermutet Meiring. „Es gab eine Zeit, da galt es als chic, wenn die fleißige Hausfrau möglichst schnell abstillte. Das Baby sollte bald durchschlafen.“ Daniela Bumann ergänzt: „Flaschenmilch zu geben war ebenfalls eine Zeit lang sehr modern.“ Heute hielten sich die beiden Möglichkeiten in etwa die Waage, haben die Frauen in ihrem Bekanntenkreis beobachtet. Für sie gab es allerdings nur die eine Option: „Stillen gehört zum Kinderkriegen einfach dazu.“

So manch einer verurteilt das Stillen in der Öffentlichkeit, sagt aber nichts. Doch es gibt auch andere: Die, die zu nah herantreten, der Mutter sozusagen auf die Brust schauen. Für die vier Frauen ein absolutes Tabu: „Das ist so, als wenn Fremde einer Schwangeren ungefragt an den Bauch fassen.“ Doch: Hierfür könne eine gute Hebamme Abhilfe schaffen, die nach der Geburt Hausbesuche macht. „Die macht einen stark für solche Situationen“, sagt Carmen Sel-Bülter.

Von der Erfahrung einer Hebamme haben die Frauen profitiert. Denn Schmerzen beim Stillen sind direkt nach der Geburt an der Tagesordnung, ebenso ein gewisser Verlust der Sexualität. Auch der Vater fühle sich so manches Mal ausgeschlossen oder gar überflüssig. Doch all die Strapazen seien es wert. Denn: Beim Stillen werde eine zuvor ungeahnte Nähe zum Kind aufgebaut. Eine Nähe, die es so nicht noch einmal gebe.

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