Serie: Berufe mit geringer Nachfrage

Friseur: Alle brauchen ihn – kaum einer will’s machen

Friseurmeister und -lehrlingswart Ralf Wesseloh weiß um die schwierige Situation auf dem Ausbildungsmarkt. Es sind kaum noch Lehrlinge zu finden, die Lust an diesem Beruf haben. Die Zahl der Bewerbungen ist drastisch gesunken. - Foto: Goldstein

Rotenburg - Von Michael Schwekendiek. Es gibt Berufe, die verschwinden, weil deren Leistungen immer weniger gefragt sind: Schmiede sind selten geworden, Küfer (oder auch „Böttcher“ genannt) gibt´s kaum noch, weil Holzfässer nicht mehr angefordert werden. Schuster – weitgehend Fehlanzeige; Drucker oder Setzer, kaum noch erforderlich.

Aber bei anderen sinkt die Nachfrage nach Ausbildungs- und Arbeitsplätzen enorm, obwohl deren Dienst absolut gefragt ist. Warum ist das so? Warum wollen so wenige Friseur werden, warum eigentlich nicht Maler, Maurer oder Dachdecker? Dieser Frage gehen wir in einer kleinen Serie nach.

Petra Höft (45) ist studierte „Kosmetologin“ (zu deutsch: „Lehre von der Kosmetik, Körperpflege“). Sie unterrichtet Friseure am Berufsbildungszentrum in Zeven. Im ersten Ausbildungsjahr gibt’s dort derzeit noch acht Frauen zwischen 16 und 31 Jahren, die den Beruf der Friseurin erlernen wollen. Sie kommen aus dem nördlichen Kreisgebiet (Bremervörde-Zeven). 

Im südlichen Teil, dem Altkreis Rotenburg, sieht es noch schlechter aus. Lehrlingswart Ralf Wesseloh (49), der auch einen eigenen Salon in der Kreisstadt betreibt, berichtet, dass in diesem Jahr ganze zwei Auszubildende aus der gesamten Region ihre Gesellenprüfung absolviert hätten.

Vielleicht ist es ein Image-Problem

Insgesamt, also über alle drei Ausbildungsjahre, sind es im Bezirk Rotenburg ganze zwölf Auszubildende. Er erinnert sich: Als er seine Ausbildung machte, waren noch gut 25 in einem Jahrgang. Vor zehn Jahren bekam er in jedem Jahr mehr als zehn Bewerbungen um einen Ausbildungsplatz, „und zwar gute“, fügt er hinzu. „Heute sind es zwei oder drei, und die Qualität ist nicht besser geworden.“

Dabei sind die Berufsaussichten durchgehend gut. Die Binsenweisheit „Haare wachsen immer“, garantiert praktisch allen, die diese Ausbildung zu Ende bringen, einen sicheren Arbeitsplatz. Und im Spielzimmer – gerade bei Mädchen – ist die „kleine Friseurkommode“ in pink mit kompletter Ausstattung nach wie vor ein Renner. Woran also liegt’s?

„Meine“ Friseurin, die ich so nebenbei danach frage, als sie versucht, mir meine Resthaare schön zu machen, antwortet spontan: „Man verdient zu wenig!“ Das sehen allerdings die Absolventen der meist gewünschten Ausbildungsberufe bei den Frauen (Kauffrau, medizinische Fachangestellte) keineswegs anders. 

Und sowohl Petra Höft als auch Ralf Wesseloh betrachten das auch nicht als Hauptgrund für den bemerkenswerten Rückgang. „Wir zahlen fast alle über Tarif“, bemerkt der Rotenburger Friseurmeister, und zu dem Gehalt komme ja monatlich noch ein erheblicher Anteil an „Trinkgeldern“ dazu. „Sicherlich mehr als 200 Euro pro Monat.“ Übrigens: steuerfrei!

Friseurinnen hängt offensichtlich noch immer das „Manta-Image“ der frühen 1990-er Jahre an. Da haben es andere Ausbildungsberufe leichter: Als im Fernsehen eine Krankenhaus-Serie nach der anderen lief, konnten sich die Krankenpflegeschulen kaum der vielen Bewerberinnen erwehren. 

Neuester Renner in der Ausbildungsbranche ist, man glaubt es kaum: Koch / Köchin. Offensichtlich In der Hoffnung, auch mal den Henssler zu machen; jener Hamburger Fernsehkoch, der nach eigenem Bekunden allwöchentlich Glücksgefühle hat, wenn er seine Kontoauszüge sieht. Da fehlt vielleicht eine entsprechende Serie mit Star-Figaros.

Immerhin: Die acht Schülerinnen im ersten Ausbildungsjahr als Friseurinnen in Zeven, befragt, ob sie sich richtig entschieden hätten, antworten wie aus einem Munde: „Ja!!“ Sie schätzen das „Arbeiten mit und am Menschen“, sie lieben ihren Beruf, „weil er kreativ ist“, weil „man handwerklich“ und „irgendwie in der Modebranche tätig sein kann.“ Ihre Lehrerin Petra Höft sieht die Friseurin gar als eine Art „Wegbegleiterin schöner Lebensmomente: Familienfeste, Konfirmationen, Hochzeiten – auch noch hohe Geburtstage. Die Friseurin ist immer dabei, das ist doch toll!“

In der Tat: Dem Fußballverein, der Religion, der Frauenärztin und dem Friseur bleiben erstaunlich viele Deutsche treu. Ralf Wesseloh ist sich denn auch nicht sicher: „Gibt es nicht genügend Lehrlinge oder nicht genügend Ausbildungsplätze?“ Denn letztere sind sehr rar geworden. Von den alteingesessenen Salons in Rotenburg ist er seiner Meinung nach der einzige, der noch einen Ausbildungsplatz anbietet. Viele seiner Kollegen haben das aufgegeben. „Zu teuer, zu aufwändig, zu problematisch, weil die Qualität der Bewerber oft nicht reicht.“

Da ist er froh, dass einige der neuen Salons inzwischen ebenfalls Ausbildungsplätze anbieten. „Wir gehen auf einen extremen Fachkräftemangel zu“, befürchtet er. Dabei hat der Beruf – für Männer wie für Frauen – „eigentlich eine blendende Zukunft.“ Und wie es so kommt: Sein nächster Auszubildender ist ein Mann!

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