„Wahrzeichen“ nicht mehr in Gefahr

Vorzeigedorf Waffensen

Die Friedenseiche, links Eichen, auf denen noch Reste der erfolgreichen Schädlings-Bekämpfungsaktion zu sehen sind. - Fotos: Bonath

Waffensen - Von Wieland Bonath. Die Attacke der Schädlinge auf die Traubeneichen und Stieleichen im Altkreis Rotenburg wurde erfolgreich abgewehrt: Die in vielen Gemeinden ortsprägenden Bäume, die vor über zwei Jahren ernsthaft gefährdet waren, zeigen sich in alter Pracht.

Frostspanner, Eichenwickler, Eichenprozessionsspinner, Schwammspinner und Eichenprachtkäfer drohten, den Bestand junger und bis zu 300 Jahre alter Eichen zu dezimieren und das „Gesicht“ einer Reihe von Dörfern im Altkreis zu verändern. Auch das von Waffensen.

Rainer Schild, Leiter der Bezirksförsterei Scheeßel der Landwirtschaftskammer, war es damals, der in einer Reihe von Gemeinden eine gemeinsame Aktion, die unter anderem von zahlreichen Bürgern und Vereinen getragen wurde, mit fachlichen Kompetenz koordinierte: Zur Rettung gefährdeter Eichen wurden mehr als 6.000 Leimringe als „Bremse“ gegen die Schädlinge um die Baumstämme gelegt.

Für den 60-jährigen Schild und Adolf Jürgens (85), Waffensener Altbürgermeister, war die Rettung ein besonderes Anliegen. Die beiden Fachleute können wieder mit viel Optimismus in die Zukunft der Eichen schauen. Entlaubte, verdorrte und gefällte kranke Eichen wird es in absehbarer Zeit so gut wie nicht geben. „2015 ist die Population der Eichenfraßgesellschaft zusammengebrochen. Wir mussten uns um die Eichen ernsthafte Sorgen machen. In den Dörfern mussten zahlreiche Eichen aus Sicherheitsgründen gefällt werden“, erzählt Schild.

Altbürgermeister und ehemaliger Vorsitzender der Kreiswaldmärkerschaft Adolf Jürgens (l.) sowie Bezirksförster Rainer Schild machen sich besonders stark für den Schutz der Eichen.

Vornehmlich bedingt durch den nassen Winter, so Schild, „sind die Eichen wieder sehr gut belaubt. Im Herbst hatten wir eine sehr gute Eichenmast. Die wichtige positive Folge ist, dass die Baumschulen endlich wieder über wichtiges Saatgut verfügen.“

Waffensen sei zusammen mit anderen Kommunen ein Vorzeigedorf, so Schild, der es vermeidet darauf hinzuweisen, dass die Rettung der Eichen wesentlich seiner Initiative zu verdanken ist: „Zahlreiche Bürger der Gemeinde haben sich in ihrer Freizeit mit der Aktion zur Rettung der Eichen identifiziert.“ Mehr als 350 Leimringe seien allein dort um die Eichen gezogen worden. Wichtig sei, die Bürger für die Belange der Natur zu sensibilisieren. Die Sorgen für die Belange der Natur und der Erhaltung des ökologisch besonders wichtigen Eiche würden ernst genommen.

Altbürgermeister und Kreiswaldmärker Adolf Jürgens ist stolz auf „sein“ Waffensen, auf die Bürger, die Vereine und Institutionen, die in gemeinsamer Aktion viel für die Rettung der Eichen getan haben. Nicht zuletzt aufgrund des einmaligen Eichenbestandes wurde der 1 000-Einwohner-Ort, der seit 1974 Teil der Stadt Rotenburg ist, im Jahre 1988 in Berlin im Rahmen des Wettbewerbs „Unser Dorf soll schöner werden“ mit einer Goldmedaille ausgezeichnet.

Waffensen pflegt und hegt seine Eichen: die zentrale Friedenseiche, deren Geschichte auf den deutsch-französischen Krieg 1870/71 zurückgeht, die Königsallee an der Straße „Zur Ahe“, die 1980 zu Ehren der ehemaligen Schützenkönige angelegt wurde, und die alten Bauernhöfe aus Fachwerk, deren Grundstücke von mächtigen Eichen geprägt werden.

Jede Eiche, die in Waffensen gefällt werden müsse, werde ersetzt, betont Jürgens. Er habe in der Kirchenchronik gelesen, dass zu Familienfesten jeweils zehn Eichen gepflanzt worden seien. „Im Rahmen der Flurbereinigung am Mehrgenerationenhaus haben wir vor etwa zehn Jahren 300 Stieleichen gepflanzt.“ Um die Eichen als wichtigen Teil des Ortsbildes zu erhalten, stehe Bürgermeister Hartmut Leefers hinter dem Schutz dieser. „Immer wenn mehr als 20 Hofeichen zusammen in einem Bereich gepflanzt werden, gilt das für uns als ,Wald‘ und ist damit geschützt“, erklärt Jürgens.

Auch wenn es jetzt erst mal Entwarnung für die Eichen gibt, eine Gefahr bleibt und fordert rechtzeitiges Reagieren der Fachleute heraus: Im Rhythmus von etwa sieben Jahren starten die gefährlichen Schädlinge ihre Angriffe erneut.

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