Rotenburger Werke verabschieden feierlich ihre Berufsschüler

Die Absolventen des „tobbi“ erhielten ihre Abschlusszertifikate: Nils Fuchs (hinten, v.l.), Hasan Tahiri, Cindy Villareal, Wiebke Doeden, Julia Hartmann, Sebastian Boller (sitzend, v.l.), Wiebke Neugebauer, Jan-Timo Kallweit, Nils Kirsch und Maren Papst.

Rotenburg - In einer Feierstunde sind zehn Berufsschüler der Rotenburger Werke in ihr Arbeitsleben entlassen worden. Dazu trafen sie sich mit Lehrern und Gästen erstmals in der Aula der Berufsbildenden Schulen (BBS) Rotenburg.

„Wir fangen an, Normalität zu leben“, nannte es Thorsten Tillner, der als Vorstand der Rotenburger Werke ein Grußwort an die Absolventen richtete. Denn noch vor einigen Jahren war es nicht selbstverständlich, dass Berufsschüler mit einer geistigen Behinderung mit anderen Berufsschülern in räumlicher Nähe und sogar teilweise in gemeinsamen Projekten zusammen lernten.

Das änderte sich, als die Rotenburger Werke neue Räume für ihren Berufsbildungsbereich suchten und auf dem Gelände der BBS Rotenburg fündig wurden. Es begann eine Kooperation zwischen beiden Schulen. Seither wird an vielen Stellen gemeinsam gearbeitet. „Als ich einmal bei einem Besuch in einer Werkstatt der BBS einen Berufsschüler fragte, wie es so sei mit den Schülern aus den Rotenburger Werken zusammen an der Werkbank zu stehen, antwortete der: voll normal“, sagte Tillner.

Über dieses kleine Stück Normalität freute er sich zusammen mit den Mitarbeitenden des Berufsbildungsbereiches „tobbi“ der Rotenburger Werke. Dabei sollen die Berührungspunkte während der Ausbildung nicht die letzten sein. Deshalb haben die Rotenburger Werke ihre Anstrengungen erhöht, um Menschen mit Behinderungen nach der Ausbildung auch auf dem ersten Arbeitsmarkt unterzubringen. 

„Von zehn Absolventen haben zwei es in diesem Jahrgang geschafft. Das ist eine sehr gute Quote“, sagte Anja Rinck, Leiterin des Berufsbildungsbereichs und Bereichsleiterin in der Werkstatt für behinderte Menschen. Der Erfolg bestätigt sie darin, das richtige Konzept in der Berufsbildung zu verfolgen.

Dieses Konzept hat auch einen eigenen Namen: „tobbi“ steht für teilnehmerorientierte berufliche Bildung. „Wir beziehen jeden Teilnehmer in seinen Bildungsverlauf zu hundert Prozent mit ein“, erläuterte Yvonne Labonté, Koordinatorin von „tobbi“. Dazu werden zu Beginn ausführliche Gespräche geführt und ein individueller beruflicher Bildungsplan erarbeitet. Die Ausbildungszeit beträgt zwei Jahre, vorgeschaltet ist ein dreimonatiges Eingangsverfahren. 

Die Ausbildungsfelder sind breit gefächert. Sie reichen von Gärtnerei und Anlagenpflege, Montage, Verpackung und Konfektionierung über Hauswirtschaft, Textil, Küche und Wäscherei bis hin zu Holz und Werkzeugkunde. Aber auch weit darüber hinaus sucht die teilnehmerorientierte Berufsbildung nach Möglichkeiten, um für jeden Teilnehmer eine passende Arbeit zu finden und ihn für diese auszubilden. 

„Es macht mich stolz, dass wir viele Möglichkeiten gefunden haben, nahe am Arbeitsmarkt Ausbildungen anzubieten. Das möchte ich in Zukunft gern auch noch weiterentwickeln, es wird da noch ganz viel Neues kommen“, sagte Sabine Rademacher, Abteilungsleiterin der Werkstätten für behinderte Menschen in den Rotenburger Werken.

So sind beispielsweise zwei Absolventen aus diesem Jahrgang für spezielle Einsatzbereiche in der Landwirtschaft auf dem Hartmannshof ausgebildet worden. Andere haben gezielt Qualifikationen erworben, um in der Cafeteria auf dem Königskamp, in der Wäschegruppe, in der Küche oder in der Montage eine Arbeit aufzunehmen. Die zwei Arbeitsplätze auf dem ersten Arbeitsmarkt stellen das Beekehaus in Scheeßel und die Firma Fahrzeugaufbereitung Hauf in Rotenburg.

Bereichsleiterin Rinck gratulierte allen Abgängern zu ihren Arbeitsplätzen, machte aber auch deutlich, dass diese nicht bis zum Austritt aus dem Berufsleben festgeschrieben sind.

Es bestehe immer die Möglichkeit, zu wechseln oder sich auf dem ersten Arbeitsmarkt auszuprobieren. „Wenn jemand seinen Arbeitsplatz gefunden hat, an dem er glücklich und zufrieden ist, dann haben wir alles richtig gemacht.“

Mehr zum Thema:

Feuer bei Party in Oakland - bis zu 40 Tote befürchtet

Feuer bei Party in Oakland - bis zu 40 Tote befürchtet

RB Leipzig bleibt Erster vor Bayern und Hertha BSC

RB Leipzig bleibt Erster vor Bayern und Hertha BSC

Nikolausmarkt rund um die Kirche in Dörverden

Nikolausmarkt rund um die Kirche in Dörverden

Bartels hält Werder am Leben

Bartels hält Werder am Leben

Meistgelesene Artikel

Diskussion im Rathaus über Umbenennung der Lent-Kaserne

Diskussion im Rathaus über Umbenennung der Lent-Kaserne

Kreisumlage wieder im Fokus: Zurück auf 49 – mindestens

Kreisumlage wieder im Fokus: Zurück auf 49 – mindestens

Mann nach Unfall auf Grünabfallsammelplatz schwer verletzt

Mann nach Unfall auf Grünabfallsammelplatz schwer verletzt

Die Frage nach dem Mehrwert

Die Frage nach dem Mehrwert

Kommentare